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Der Telebasel Newsbeitrag vom 2. Dezember 2021.
Basel

Trotz Genossenschaftstreits: Vogel Gryff wird zum «VG Magazin»

Angst vor Überschuldung und interner Zwist: Auch unter schwierigen Voraussetzungen lancieren die Neuen Kleinbasler Medien ein neues Magazin.

Carmen Kolp findet markige Worte für die Generalversammlung diese Woche. «Die erste Information war, dass dieses Ross tot ist», so die Geschäftsführerin der Interessengemeinschaft Kleinbasel (IGK). Gemeint ist damit die vor einem Jahr eingestellte Zeitung Vogel Gryff.

Mit einem Magazin zum Thema Nachhaltigkeit, Kultur und Leben in Basel versuche man nun, das Pferd zum Leben zu erwecken. «Man malt das Pferd einfach grün an, will es so irgendwie zum Laufen bringen», findet Carmen Kolp.

Ärger über «totes Pferd»

Viele Mitglieder der Genossenschaft Neue Kleinbasler Medien (GNKM) gehören zur IGK. Der Vogel Gryff war lange so etwas wie deren Sprachrohr. Als vor gut einem Jahr die letzte Ausgabe aufgelegt wurde, begann ein interner Machtkampf. Die IGK fühlte sich übergangen und wehrte sich gegen einen Verkauf an die BirsForum-Medien. Später verlangte die IGK Klarheit, was nun mit dem investierten Geld der GenossenschafterInnen passiert ist.

So forderte etwa IGK-Präsident André Auderset mehr Transparenz. Mit der GV dieser Woche sind die Zahlen, die auch Telebasel vorliegen, bekannt. Die NKM Verlag schuldet der GNKM rund 485’246 Franken. Zudem verfügt die Genossenschaft noch über Darlehen von Privaten und Firmen im Wert von 399’000 Franken. Carmen Kolp befürchtet eine Überschuldung: «Die Genossenschaft steht in einem absolut desolaten Bereich». Unter diesen finanziellen Bedingungen habe sie wenig Hoffnung. Wie sie erklärt, wolle die GNKM nun etwa 750’000 Franken für das neue Magazin auftreiben, etwa mittels Crowdfunding und eine Bürgschaftsgenossenschaft.

Präsident: Kritiker «wollen Medien instrumentalisieren»

Wie der Vorstand mit dieser finanziellen Situation umgeht, ist nicht klar. Auf Anfrage von Telebasel antwortet GNKM-Präsident Ernst Staehelin nur schriftlich: «Die Genossenschaft Neue Kleinbasler Medien bietet nicht Hand dafür, dass bestimmte Genossenschafter Telebasel und andere Medien für ihre Zwecke zu instrumentalisieren und sich selbst, mit nicht offen gelegten Zielen, zu profilieren versuchen». Damit sind wohl KritikerInnen aus den Reihen der IGK gemeint. Dabei betont Ernst Staehelin, dass die GV die Rechnung angenommen habe und dem Vorstand die Décharge erteilt habe. «Der Vorstand hält hier fest, dass alle gegen ihn, respektive einige seiner Mitglieder im Vorfeld erhobenen Anschuldigungen aus dem gleichen Kreis jeder Grundlage entbehren», schreibt Ernst Staehelin. Der Vorstand arbeite weiterhin an der Neulancierung des neuen Magazins, wolle aber zum jetzigen Zeitpunkt keine weiteren Statements abgeben.

Die IGK wiederum betont in einem Schreiben, dass für den einstigen Vogel Gryff nur zwei Möglichkeiten gebe. Entweder man ziehe den Stecker oder man lasse dem Vorstand Zeit, ein neues Magazin zu lancieren. Da kein neues Geld verlangt werde, könne es finanziell kaum schlimmer werden als jetzt. Dies sei aber keineswegs ein Vertrauensbeweis für den Vorstand. Die IGK wolle das Nachfolgeprojekt nicht verhindern, erachtet es aber als «chancenlos». Trotz internem Zwist wollten einige GenossenschafterInnen dem künftigen «VG Magazin» eine Chance geben. Es soll im Januar 2022 erscheinen.

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