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Der Telebasel News Beitrag vom 25. November 2021.
Baselland

Trauer um Ziegen: «Nur noch die Halsbänder sind übrig»

Die Trauer um den Verlust der sieben Ziegen ist gross beim betroffenen Landwirt-Paar aus Lauwil. Ob es sich um den Wolf aus Zeglingen handelt, bleibt unklar.

Im Baselbiet geht ein Wolf um. Das bestätigte das Amt für Wald beider Basel am Montag, nachdem ihn ein Landwirt aus Zeglingen vor die Linse bekam und spektakulär nahe Aufnahmen von ihm machte.

Trotzdem ist nicht klar, ob es sich beim Riss von sieben Geissen in Lauwil um diesen Wolf handelte. Die DNA-Analyse steht noch aus, erklärt Rolf Wirz, Sprecher der Volks- und Gesundheitsdirektion Baselland: «Der Zusammenhang zwischen diesem Riss in Lauwil und der Sichtung in Zeglingen scheint naheliegend. Trotzdem ist noch nichts erwiesen. Wir untersuchen jetzt die gerissenen Tiere auf DNA-Spuren und erhalten das Resultat in ungefähr einer Woche.»

«Nicht nur Geissen, sondern Familienmitglieder»

Das Landwirt-Paar aus Lauwil trauert derweil um ihren Verlust. Der Schock vom Donnerstag steckt ihnen noch tief in den Knochen. Mehr als die Hälfte der Geissenherde hat das Tier, ein Wolf oder ein wilder Hund, gerissen. Sieben Stück. Für Christian Degen war dieser Morgen ein Albtraum, als er zu den Geissen auf die Weide trat. «Dann läufst du an die erste Geiss ran, die aufgebrochen ist, mit Kampfspuren und dreckig. Dann läufst du weiter an ein Schlachtfeld. Vorne liegt die Mutter, hinten die Tochter. Eins war noch unter dem Wagen, das hat noch gelebt und hat aus der Kehle geatmet. Also das muss mit einer Brutalität zugegangen sein. Für uns schwierig, weil die Tiere sind nicht nur Geissen, sie sind auch Familienmitglieder.»

Der Landwirt und seine Partnerin kämpfen mit den Tränen. Die Tierärztin habe zwei noch lebende Tiere erlösen müssen, die Qual sei zu gross gewesen. Nur Geissbock Lui sprang dem Tod knapp von der Schippe.

Lui hat überlebt

Normalerweise rennen die Geisslein auf Claudia Wanner zu, wenn sie zu ihnen kommt. Lui, der den Angriff nur knapp überlebt hat, sitzt seither aber nur noch verängstigt in der Ecke. «Ich habe ihn jetzt jeden zweiten Tag mit Seifenwasser waschen und die Wunden desinfiziert. Es war herzig, als er dann beim zweiten Mal waschen die Nähe gesucht hat und gemerkt hat, dass man ihm helfen will, dass man es gut meint. Er hat sich angeschmiegt, als ich ihn mit dem Waschlappen gewaschen habe.»

Lui bekomme jetzt wegen der Infektionsgefahr noch Medikamente. Sobald er über den Berg sei, dürfe er sofort wieder zu seinen Kollegen auf die Weide zurück.

Der Wolf geht im Baselbiet um

Ob der Wolf von Zeglingen auch jener ist, der das Massaker in Lauwil angerichtet hat, ist nicht erwiesen. Der Wolf von Zeglingen ist aber auf jeden Fall schon an anderen Orten gesichtet worden, zum Beispiel in Diegten, wo er in der Nähe einer Hundesportanlage vorbeigelaufen sei. Ob er sich jetzt überhaupt noch im Baselbiet aufhält, ist unklar, erklärt Rolf Wirz. «Ein Wolf hat einen grossen Bewegungsradius. Von dem her ist es gar nicht klar, ob der Wolf noch in der Gegend ist. Was man sicher machen muss, ist den Herdenschutz verstärken. Das heisst einerseits wirksame Einzäunung, was nicht überall möglich ist von der Topografie her und sonst ist das Einstallen der Tiere durch die Nacht eine wirksame Massnahme.»

Grosse Unterstützung durch das Amt für Wald

Der Kanton arbeitet eng mit den ansässigen LandwirtInnen zusammen. Claudia und Christian seien unglaublich dankbar dafür. «Das muss man wirklich sagen, wir werden wirklich gut informiert vom Kanton und die lokalen Jäger sind eine grosse Stütze für uns. Sie haben uns die Geissen zusammengesammelt und in die Pathologie gebracht. Das war für sie selbstverständlich, dass wir unsere eigenen Tiere nicht selber zusammenkratzen müssen.», erzählt Christian.

«Wir sind nicht wütend, nur traurig»

Claudia Wanner und Christian Degen müssen sich jetzt überlegen, wie es weitergehen soll. Ihre Kälber seien schliesslich auch auf der Weide und somit eine potenzielle Beute für das Raubtier. Es ginge ihnen aber nicht darum, einen allfälligen Wolf an den Pranger zu stellen. «Wir leben hier oben im Einklang mit der Natur. Wenn das Tier jetzt eine Geiss gerissen hätte, um den Hunger zu stillen, dann wäre das die Natur, dann wäre es für uns verständlicher. Aber nicht so ein Massacker anrichten und die Tiere noch quälen. Wir schauen sehr gut zu unseren Tieren und behandeln sie mit Würde, dann ist so etwas einfach unverständlich.»

Das Amt für Wald beider Basel hat bis auf Weiteres eine Warnung herausgegeben, dass die Tiere in der Region nachts im Stall untergebracht werden sollen.

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