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Der Telebasel News Beitrag vom 26. November 2021.
Basel

Knatsch um Männer-Studentenverbindungen

Ist es noch zeitgemäss, dass die meisten Verbindungen keine Frauen aufnehmen? Ein Disput zwischen Anna Holm von Socordia und Alt-Zofinger Michael Hug.

Beim Gymnasium am Münsterplatz kam es am Freitagmorgen zu einem Polizeieinsatz. Die Studentenverbindung Zofingia wollte dort ihren traditionellen Tanz durchführen. Schon im Vorfeld riefen Unbekannte aus der linken und feministischen Szene sowie SchülerInnen zu einer Protestaktion auf. Wie die Polizei gegenüber Telebasel sagt, habe sie die Demo von den Studenten getrennt. Zudem habe sie eine Person unter den Demonstrierenden wegen Diensterschwerung verzeigt. Zu gewalttätigen Auseinandersetzungen und Sachbeschädigungen ist es nicht gekommen.

Ziel der verbalen Attacken: Die Zofinger als Studentenverbindungen, die ausschliesslich Männer aufnimmt. Bereits 2019 kam die Frage im Studierendenrat aufs Tapet. Ein Antrag, solche Verbindungen nicht mehr zu fördern, scheiterte jedoch knapp. Momentan gibt es an der Uni Basel acht Studierendenverbindungen. Fünf davon nehmen ausschliesslich Männer auf, drei davon sind gemischt. Zu den Ersteren gehören eben die Zofingia, nicht zuletzt dank ihres alljährlichen Conzärtli in Basel die bekannteste Verbindung. Auch Helvetia, Akademische Turnerschaft, Alemannia, Jurassia Basiliensis und Rauracia sind ausschliesslich Männern vorbehalten. Jedoch gibt es auch gemischte Vereine. Dazu  gehören Schwizerhüsli und die AV Froburger. Seit einem Jahr gibt es auch die «feministische Student*innenverbindung Socordia», die alle aufnimmt, sich aber eher als Gegenverein zu den Männerbünden sieht.

Frauen als «Besen»

«Da haben wir unglaublich traditionelle konservative Vereine, die Frauen wegen ihres Geschlechts ausschliessen», findet etwa Socordia-Vertreterin Anna Holm. Als Beispiel nennt sie das Wort Besen, das im Glossar von Männerverbindungen zu finden ist. Es bezeichnet ein Mädchen, das mit an den Ball kommt. «Das ist Sexismus in Reinform», findet Anna Holm.  Ein Blick in den Etymologie-Duden zeigt, dass das Wort Besen seit dem 16. Jahrhundert für eine Magd, dann auch für ein «einfaches Mädchen» und schliesslich für eine «zänkische oder boshafte Frau» verwendet wurde. Im Baseldeutsch-Wörterbuch steht Bääse sowohl eine Freundin wie auch für eine «hässliche, ruppige Frau». Wie Alt-Zofinger und LDP-Grossrat Michael Hug erklärt, sei der Begriff heute kaum in Verwendung. Der Ausdruck sei früher humoristisch in der Studentensprache verwendet worden, weil oft Verwandte wie die Cousine oder Base mit an die Bälle kamen.

Michael Hug bedauert die Art und Weise, wie seine Verbindung angegangen wird. «Ich finde es alarmierend und bezeichnend, dass man anonym zu einer Demonstration aufruft. Das passt nicht zum politischen Diskurs, den wir hier pflegen». Der Sexismus-Vorwurf sei für seine Verbindung Zofingia nicht haltbar. «In einer modernen Gesellschaft soll es Platz haben für Männerverbindungen, Frauenverbindungen, aber auch gemischte Verbindungen», so Michael Hug. Punkto Aufnahme von Frauen hätten die Zofinger stets mit offenem Visier gekämpft. Das Thema sei immer wieder diskutiert worden und es sei durchaus möglich, dass sich das einmal ändern wird.

Bundesgericht gab den Zofingern Recht

Dabei sei aber die Vereinigungsfreiheit zu respektieren. «Die Vereine dürfen selbst Kriterien festlegen, wen sie aufnehmen und wie sie sich konstituieren», erklärt Michael Hug. Dabei verweist er auf einen Bundesgerichtsentscheid von 2014. Die Uni Lausanne wollte aufgrund ihrer Charta zur Gleichstellung von Mann und Frau den Waadtländer Zofingern die Anerkennung als universitäre Vereinigung entziehen. Damit biss die Uni vor Bundesgericht auf Granit. Zofingia habe als privater Verein das Recht darüber, frei über die Aufnahme von Mitgliedern zu bestimmen.

Anna Holm räumt ein, dass sie sich dieses Gerichtsentscheid bewusst sei. Sie fragt sich aber, wo die Verbindungen eine Plattform erhalten können. Dass die Zofinger beim Gymnasium am Münsterplatz eine kleine Parade durchführen, sei stossend. In ihren Augen wehren sich manche SchülerInnen zu Recht dagegen. Schliesslich nehme hier ein Verein, der für das Patriarchat stehe, einen Raum der Schule in Anspruch.

Uni-Rektorin: «Wir sind ein liberales Pflaster, wir sind in Basel»

Auch Uni-Rektorin Andrea Schenker-Wicki äusserte sich gegenüber Telebasel zu dieser Debatte. Auf die Frage, ob sie eine Öffnung der Verbindungen für Frauen fordere, sagt sie: «Wir sind ein liberales Pflaster, wir sind in Basel. Ich finde , wenn jemand eine Stundentenverbindung gründen will, dann kann er das machen, solange alles im rechtsstaatlichen Bereich ist, ist das für mich unproblematisch», so Andrea Schenker-Wicki. «Dann sollen die auch einen Verein gründen. Wir reden da einander nicht drein», erklärt die Rektorin. Dabei hält sie fest, dass es sich hier um private und nicht um universitätseigene Vereine handelt.

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