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Der Telebasel Report vom 24. November 2021.
Basel

Gebührenfiasko für Basler Pokerclubs

Der Kanton Basel-Stadt verlangt von legalen Pokerclubs überrissene Gebühren. Erste Clubs stehen kurz vor dem Konkurs. Die Politik ist empört.

Drei, vier – vielleicht auch acht Monate halte er noch durch: «Aber länger nicht», sagt Luca Casali. Er habe kürzlich gar einen Kredit aufgenommen bei seiner Familie, um etwas Zeit zu gewinnen. Denn Casali wartet seit bald einem Jahr auf Einsicht der Basler Behörden. Bisher jedoch vergebens.

Bewilligungsgebühren «jenseits von Gut und Böse»

Das Problem: Im Vergleich zu anderen Kantonen kassiert der Kanton Basel-Stadt absurd höhere Bewilligungsgebühren. Für ein halbes Jahr betragen diese in den Kantonen Aargau und Luzern beispielsweise 600 Franken. Für eine Bewilligung mit derselben Dauer verlangt Basel-Stadt: 22’500 Franken.

«Da reden wir von Faktor 20 oder 30 höhere Gebühren – das ist absurd», sagt etwa Martin Frank vom Schweizerischen Pokerverband. Bereits im Januar, wenige Monate nach Inkrafttreten der Gebühren, habe man sich deshalb an den Kanton gewendet: «Wir wurden jedoch ständig abgewimmelt oder auf später vertröstet».

Elf Monate ohne Lösung

Nun sei es ja nicht so gewesen, als hätten alle anderen Kantone von Beginn weg die perfekte Lösung bereit gehabt, sagt Frank. Man habe an verschiedenen Fronten intervenieren müssen: «Bei allen anderen Kantonen hat man innert weniger Wochen eine Lösung gefunden. Nur in Basel nicht». Und weiter: «Langsam bin ich hässig – ich habe das Gefühl, an eine Wand zu reden».

Auch Luca Casali vom Basler Pokerclub «Another Poker» resigniert langsam: «Der Kanton zeigt sich ja irgendwie bemüht, aber es geht alles viel zu lange». Beispiel: Ein vom Kanton kurzfristig angekündigter Besichtigungstermin im Pokerclub wurde von der Sachbearbeiterin kurz vor dem Treffen abgesagt. Einen Ersatztermin gab es erst satte zwei Monate später.

Kanton einsichtig, kassiert aber trotzdem

Monate, in denen der Kanton Luca Casali jedoch bereits die überrissenen Gebühren verrechnet. Alleine für die ersten eineinhalb Monate nach der Cluberöffnung im September stellt der Kanton fast 4’000 Franken in Rechnung: «Wir waren schockiert», sagt Casali.

Man habe die Malaise mittlerweile festgestellt, bestätigt Toprak Yerguz, Sprecher des zuständigen Basler Justiz- und Sicherheitsdepartements, gegenüber Telebasel: «Wir wollten es besonders gut machen, der Schuss ging jedoch nach hinten los», gibt Yerguz zu. «Wir hatten uns mit anderen Kantonen verglichen und die Verordnung dann sofort eingeführt. In der Zwischenzeit hatten die anderen Kantone die Gebühren jedoch massiv gesenkt», erklärt Yerguz.

Gebühren werden gesenkt, wann bleibt jedoch unklar

Yerguz verspricht, dass die Gebühren in Basel-Stadt ebenfalls gesenkt würden. Für Martin Frank vom Schweizer Pokerverband bleibt jedoch ein schaler Nachgeschmack: «Warum es für diese Einsicht sage und schreibe elf Monate gebraucht hat, ist mir weiterhin schleierhaft». Zumal noch immer nicht klar sei, wann die Anpassung nun genau komme.

Der Kanton bezeichnet es weiterhin als «schwierig», einen konkreten Zeitpunkt zu nennen. Sprecher Yerguz geht aber von «ein paar Wochen» bis hin zu «wenigen Monaten» aus.

Luca Casali vom «Another Poker»-Club hofft nun auf ersteres. Denn mit jedem Monat verliert er tausende Franken an den Staat. Dazu Sprecher Yerguz: «Die Gebühren, wenn auch zu hoch, waren dem Club von Beginn an bekannt. Aus dem Nichts kamen diese Rechnungen also nicht».

3 Kommentare

  1. Sehr Schade für den Kanton und die Betreiber. Das BS nicht vorwärts macht ist wieder mal typisch. Nach Jahren kann endlich wieder etwas tolles entstehen, aber unser Kanton macht es mal wieder zunichte! Poker ist ein so toller Sport, der einfach wegen den Behörden in den letzten Jahren kaputtgemacht wurde. Ich mag mich noch an so coole Pokerzeiten erinnern! Ich wünsche vom Kanton BS eine schnelle Entscheidung und den Pokerclubs viel Durchhaltewillen, bis es endlich eine für alle akzeptierbare Lösung gibt.

    Shuffle up and deal!Report

  2. Mit diesen hohen Gebühren kan kein Pokerclub in Basel überleben. Auch sind Turniere mit kleinem Buyin schlicht nicht möglich da der Veranstalter Rote Zahlen schreiben würde. Am Ende müssen dies die Spieler bezahlen da der Pokerclub höhere Gebühren verlangen muss um sich überwasser zu halten. Ist dem Kanton den lieber die Pokerclub ziehen in andere Kantone? Da es schlicht nicht möglich ist im Kanton Basel-Stadt zu Überleben.Report

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