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Der Telebasel News Beitrag vom 24. November 2021.
Basel

Ehemaliges Restaurant «La Torre» darf nicht abgerissen werden

Das Verwaltungsgericht lehnt den Rekurs des Eigentümers ab. Somit kann das Gebäude auf dem Bruderholz ins Denkmalverzeichnis aufgenommen werden.

Ein Kronleuchter am Baum, Farbkleckse und Graffiti an den Fassaden. Vor dem Eingang liegen umgestürzte Bäume und Sonnenschirme. Vom einstigen Glanz ist beim «La Torre» nicht mehr viel übrig. Einst war es das angesagte Ausflugsrestaurant auf dem Bruderholz. Nun aber befindet sich das Gebäude aus dem Jahr 1926 in einem maroden Zustand. Seit vier Jahren steht es leer. Der Eigentümer wollte das Haus verkaufen oder abreissen lassen, um ein Wohngebäude zu erstellen. Dies rief den Neutralen Quartierverein Bruderholz mit einer Petition auf den Plan. Vergangenes Jahr beschloss der Basler Regierungsrat auf Antrag der Denkmalpflege, das Haus ins Denkmalverzeichnis einzutragen. Dagegen reichte der Eigentümer Rekurs ein.

Am Mittwochmorgen machte sich das Verwaltungsgericht vor Ort ein Bild vom Zankapfel. Bei der Augenscheinverhandlung im «La Torre» wurde klar, dass sich vor allem das Innenleben in desolatem Zustand befindet. So sind etwa Küche und Speisesaal stark sanierungsbedürftig, zudem sind die Räume feucht und schlecht isoliert. Der Anwalt des Eigentümers argumentierte, dass ein Restaurationsbetrieb hier kaum mehr rentabel sei. Ohne Beiz habe das «La Torre» auch seine Funktion als Treffpunkt im Quartier verloren. Zudem verwies er auf mehrere Verfahrensfehler und betonte, dass das Gebäude architektonisch keine Einzigartigkeit darstelle.

Ein Ensemble mit Wasserturm und Batterie

Anders argumentierte der kantonale Denkmalpfleger Daniel Schneller. Das Gebäude von Suter und Burckhardt sei weniger architektonisch, wohl aber historisch bedeutsam. Es sei als Teil eines Ensembles geplant gewesen, zusammen mit dem Wasserturm mit selbem Baujahr wie auch mit der Batterie. «Das Gebäude ist auf dem höchsten Punkt der Stadt Basel, auf einem Aussichtspunkt. Es war Ausflugsziel, das in den 20er-Jahren geschaffen wurde, aber bereits schon in den 10er-Jahren in der Planung vorgesehen war», so Schneller. Auch wenn die Parzelle in den 70er-Jahren zur Bauzone wurde, sei das «La Torre» schon von Anfang an als Teil einer Naherholungszone konzipiert gewesen, zusammen mit dem Wasserturm, der auch als Aussichtspunkt beliebt war. Somit sei es ein Zeitzeuge des Basels der 20er-Jahre. Das damals alkoholfreie Restaurant mit den grossen Fenstern stehe für die Reformbewegung jener Zeit.

Das Verwaltungsgericht stellte sich schliesslich auf die Seite der Denkmalpflege und des Regierungsrats. Claudius Gelzer hob in der Urteilseröffnung die städtebauliche und kulturhistorische Bedeutung hervor. Das «La Torre» gehöre zum Gesamtcharakter der Grünanlage. Mit einem Neubau könne eine höhere Rendite erzielt werden, eine Umnutzung des einstigen Gastrobetriebs sei aber möglich.

Was der Eigentümer nun mit dem Gebäude macht und ob er das Urteil vors Bundesgericht weiterzieht ist nicht bekannt. Sein Anwalt sagte gegenüber Telebasel, er wolle erst die schriftliche Urteilsbegründung abwarten.

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