Wurde 95 Jahre alt: US-Autor Noah Gordon. (Bild: Keystone)
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«Der Medicus»-Autor stirbt mit 95 Jahren

Der US-Autor Noah Gordon, der mit Romanen wie «Der Medicus» ein Millionenpublikum erreichte, ist tot. Er wurde 95 Jahre alt.

Von Christina Horsten und Johannes Sadek, dpa

Medizin und Literatur waren schon immer die beiden grossen Leidenschaften von Noah Gordon. Nach einem Semester Medizin wechselte er einst heimlich zum Studienfach Journalismus, ohne seinen Eltern davon zu erzählen.

Beide Interessen ebneten ihm schliesslich den Weg zum Bestsellerautor, dessen «Medicus»-Trilogie sich weltweit millionenfach verkaufte. Erst vor wenigen Tagen hatte Gordon noch seinen 95. Geburtstag gefeiert. Nun ist der Autor gestorben, wie der Verlag Penguin Random House unter Berufung auf die Literaturagentur Mohrbooks in der Schweiz, die den Schriftsteller vertrat, am Dienstag mitteilte.

Gordons Familie schrieb auf Facebook, er sei am Montag zu Hause gestorben. Er sei dankbar für das lange und fruchtbare Leben gewesen, das er geführt habe. «Noahs Leben und Werk haben das Leben von Millionen von Lesern auf der ganzen Welt berührt. Sein Werk lebt weiter.»

«Mit seinen fesselnden und farbenprächtigen Romanen hat Noah Gordon Millionen Deutsche unterhalten und ihnen einen ganz neuen Blick in historische Epochen, besonders das Hochmittelalter, ermöglicht», teilte der Verlag Heyne Belletristik, Teil von Penguin Random House, mit. «Wir trauern sehr um diesen berühmten und vielseitigen Autor.»

Vom Journalisten …

Für Bücher interessierte sich der am 11. November 1926 in Worcester im US-Staat Massachusetts geborene Gordon früh, als seine ältere Schwester ihn mit zur Bücherei nahm. «Ich lieh in sehr jungem Alter Bücher aus. Es war eine vollkommene Flucht in viele verschiedene, wunderbare Welten», sagte Gordon einmal der Deutschen Presse-Agentur. «Langsam begann ich zu fühlen, wie grossartig es ist, solche Geschichte zu haben und erzeugen zu können.» Als Journalist für die Zeitung «Boston Herald» schrieb er bald selbst – vor allem über Krankenhäuser und Forschungslaboratorien.

«Ich konnte mir einen Kittel überziehen und neben ihnen stehen, als sie bahnbrechende Operationen unternahmen», sagte Gordon. Sein Job als Reporter machte ihm viel Spass – aber der Traum von der Schriftstellerei blieb. «Ich liebte mein Leben sehr. Zu dieser Zeit hatte ich zwei Kinder und ein drittes war auf dem Weg. Meine Frau sagte: Wenn Du es jetzt nicht tust, wirst Du es nie tun.» Und so setzte er sich nach dem Treffen mit einer Literatur-Agentin an seinen ersten Roman: Der 1965 erschienene «Rabbi» hielt sich 26 Wochen auf der Bestsellerliste der «New York Times».

… zum begnadeten Schriftsteller

Die Medizin zog sich weiter durch die Werke Gordons, der sich als chirurgischer Techniker und später als medizinisch-technischer Assistent für den Notdienst hatte ausbilden lassen. Neun Jahre arbeitete er mit Patienten in Häusern und Bauernhöfen auf dem Land in Massachusetts, weil es in seinem Dorf nur eine freiwillige Ambulanz gab. Er genoss die Wälder, den Bach mit Forellen auf seinem Grundstück und den Garten, der ihn ablenkte, wenn er mal nicht an der Schreibmaschine sass.

Die ab 1986 erschienene «Medicus»-Triloge, die die Medizinerdynastie der Familie Cole im Mittelalter beschreibt, wurde dann endgültig zum Welterfolg. Das Schreiben aber war für Gordon nicht immer einfach. Im Alter von 70 Jahren wurde bei ihm eine Aufmerksamkeitsdefizit-Störung (ADHS) diagnostiziert. Gordon quälte sich oft über Stunden, um klare Gedanken zu fassen und zu Papier zu bringen. «Eine Fülle, ein Überangebot schneller Gedanken» sei ihm dabei durch den Kopf gerauscht, so dass er sich übermässig stark konzentrieren musste, um gedanklich überhaupt bei einem Thema zu bleiben.

Am Ende wunschlos glücklich

Gordons Mischung aus Fakten und Fiktion fand auch im deutschsprachigen Raum Millionen Fans. Die «Medicus»-Verfilmung unter Regie von Philipp Stölzl, die 2013 in die Kinos kam, half, die Bücher einem alten Publikum wieder und einer jungen Leserschaft neu zu erschliessen.

2008 erschien noch «Der Katalane» in Deutschland, danach wurde es weitgehend ruhig um den Vater dreier erwachsener Kinder. Den anhaltenden Erfolg seiner Bücher habe er aber weiter gespürt, sagte er vor einigen Jahren. Immer wieder erreichten ihn Zuschriften von Fans. «Meine Bücher werden rund um die Welt immer noch gelesen», sagte er – und vermutlich werde das auch nach seinem Tod noch eine Weile so bleiben. «Ich weiss nicht, was ein Autor sich sonst noch wünschen kann.»

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