(Bild: Keystone)
Schweiz

Wirtschaft seit Corona weniger skandalisiert

Die öffentliche Wahrnehmung des Schweizer Wirtschaftsstandorts ist seit der Corona-Krise sachlicher und weniger skandalgetrieben.

Zwischen den einzelnen Sektoren sind die Unterschiede laut einer Studie indes gross. Zu diesem Schluss kommt eine Analyse des Beratungsunternehmens Commslab: «Der Berichterstattungsanteil mit eindeutiger Skandalisierungstendenz der Schweizer Wirtschaft befindet sich auf dem tiefsten Stand seit Beginn der Finanzkrise.»

Konkret betrug der Anteil skandalisierender Medienbeiträge über Schweizer Unternehmen per Ende September 2021 noch 17,1 Prozent. Nach der Finanzkrise war noch knapp ein Drittel der analysierten Berichterstattung skandalgetrieben. Im Corona-Jahr 2020 sank der Anteil erstmals unter 20 Prozent.

Verantwortung wahrnehmen

«Generell greift somit seit der Corona-Krise ein deutlicher Skandalisierungsrückgang», sagt Commslab-Chef Daniel Künstle auf Anfrage der Nachrichtenagentur AWP. Die Pandemie habe Einzelaffären in den Hintergrund treten lassen und einer sachlicheren Debatte über die Schweizer Wirtschaft Platz gemacht.

Dieser Perspektivenwechsel fiel laut Künstle für die meisten Sektoren – insbesondere zu Beginn der Pandemie – eher positiv als negativ aus. Im Falle der Finanzbrache sei dies etwa über die Bereitstellung von Notkrediten geschehen.

Im Zentrum stehe nun die Frage, ob Unternehmen der Gesellschaft dienen. Denn mediale Skandalisierung entstehe meist aufgrund moralischer Verfehlungen und eines in Abrede gestellten gesellschaftlichen Nutzens, führte der Unternehmensberater aus.

Wandel im Rohstoffsektor

Mit Blick auf die einzelnen Sektoren zeigen sich laut Künstle aber signifikante Unterschiede: «Während es ab 2007 vor allem die Finanzwirtschaft war, welche öffentlicher Kritik ausgesetzt war, standen ab 2016 vermehrt die staatsnahen Betriebe im Zentrum der skandalgetriebenen Berichterstattung.»

Angeführt werde die Liste der am meisten skandalisierten Sektoren indes vom Rohstoffsektor, der mit einem Anteil von über 30 Prozent immer noch die am stärksten skandalisierte Branche in der Schweiz ist. «Gleichwohl ist der auch hier festgestellte, signifikante Rückgang Ausdruck einer deutlich veränderten öffentlichen Positionierung der Branche, insbesondere von deren Flaggschiff Glencore», wie Künstle erläutert.

Beginnend mit der ungewohnten Kommunikationsoffensive im Kontext der Konzernverantwortungsinitiative hätten beim Zuger Rohstoffhändler insbesondere die CEO- und VRP-Wechsel im Jahr 2021 sowie die ungewohnt starken Klimaschutzversprechen für eine positivere Wahrnehmung in der Öffentlichkeit gesorgt.

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