Der Black Friday ist aus dem Schweizer Handel nicht mehr wegzudenken. (Bild: Keystone)
Schweiz

Detailhändler erwarten am Black Friday Spitzenumsätze

Der Ende Woche stattfindende Black Friday hat sich innert weniger Jahre zu einem der wichtigsten Tage für den Schweizer Detailhandel entwickelt.

Für viele Firmen ist es sogar der umsatzstärkste Tag im ganzen Geschäftsjahr. Dass ein Detailhändler nicht mitmacht, ist inzwischen fast undenkbar. Für Digitec Galaxus etwa ist der Black Friday enorm wichtig, wie ein Unternehmenssprecher auf Anfrage der Nachrichtenagentur AWP sagt. «Der Black Friday dürfte auch dieses Jahr der umsatzstärkste Tag werden.» Genaue Umsatzzahlen nennt er zwar nicht, im letzten Jahr seien die Besuche auf der Webseite aber gegenüber einem gewöhnlichen Tag um das Vierfache gestiegen. Auch bei Melectronics, das wie Digitec Galaxus zur Migros-Gruppe gehört, ist die Black-Friday-Woche die umsatzstärkste Woche im Jahr.

Bei der Konkurrenz klingt es ähnlich: Eine Sprecherin der Coop-Tochter Microspot gibt an, dass sich «am Black Friday Weekend die Verkäufe im Vergleich zu einem gewöhnlichen Wochenende um 10 bis 15 Mal vervielfachen». Und beim Elektronikspezialisten Fust würden «Umsätze erzielt, die weit über den besten Weihnachtstagen liegen».

Insgesamt dürfte der Schweizer Handel am Black Friday einen Umsatz von etwa 500 Millionen Franken im Non-Food-Bereich erreichen, schätzt der Geschäftsführer des Schweizer Handelsverbands, Patrick Kessler. Das ist zwar etwas weniger als im letzten Jahr, damals waren aber Einkäufe wegen der Coronamassnahmen verschoben und daher besonders viel am Black Friday eingekauft worden. «Ich gehe aber davon aus, dass wir kaum mehr Wachstum zum Vorjahr sehen werden, da wir eine «Konsumwelle» hinter uns haben und einige Händler sich auch schon bewusst vom Black Friday abwenden bzw. Gegentrends zu setzen versuchen», so Kessler.

Lockangebote ziehen neue Kunden an

Manche Händler geben an, dass vor allem das Onlinegeschäft am Schnäppchen-Tag sehr gut läuft. Aber auch in den Filialen steigen die Umsätze gegenüber einen normalen Tag markant, denn dank Sonderangeboten können sie neue Kunden in die Ladengeschäfte locken. «Einige gehen an diesem Tag gezielt in Geschäfte, in die sie sonst nicht gegangen wären, und tätigen Einkäufe, die sie ohne den Stimulus nicht getan hätten», sagt Ralf Wölfle, Detailhandelsexperte von der Fachhochschule Nordwestschweiz.

Und obwohl am Black Friday vor allem die Hoffnung auf günstige Angebote die Schnäppchenjäger anlockt, geizen diese nicht mit ihrem Budget. Laut einer Umfrage der Prospekte-App Profital unter knapp 7000 Nutzern wollen die meisten am Black Friday 200 bis 299 Franken ausgeben. Jeder Fünfte plant sogar, für über 500 Franken einzukaufen.

Inzwischen gibt es jedoch auch einige Kritik an der Rabattschlacht. So hat etwa Solidar Suisse eine Petition lanciert, um die Detailhändler aufzufordern, den Black Friday zu stoppen. Denn unter «der absurden Konsumorgie» würden Klima, Umwelt und Millionen von Arbeiterinnen und Arbeiter leiden, so die Organisation.

Stand Sonntag haben schon über 14’000 Menschen unterschrieben. Konsumenten, die nichts vom Schnäppchen-Tag halten, können natürlich auch einfach auf einen Einkauf am Black Friday verzichten. Doch könnten auch Detailhändler den Tag ignorieren? Laut dem Detailhandelsexperten Wölfle ist das möglich. «Für Anbieter, die gänzlich auf Aktionsverkäufe verzichten, ist das auch naheliegend», sagt er.

Nicht mitmachen gibt’s nicht

Die Detailhändler selbst halten einen Verzicht jedoch grösstenteils für schwierig – und wollen auch gar nicht verzichten. Sie begründen das damit, dass die Kunden den Black Friday nachfragen und spezielle Angebote erwarten. Zudem haben sie Angst, Kunden an die Konkurrenz zu verlieren. «Aus heutiger Sicht wäre das für Christ Uhren & Schmuck nicht sinnvoll, da die Mitbewerber sehr aktiv am Black Friday teilnehmen», sagt etwa der Unternehmensleiter des Juwelier-Geschäfts Christ, das zu Coop gehört.

Auch bei Manor hält man einen Verzicht auf Aktivitäten am Black Friday für «quasi undenkbar». Das Unternehmen war vor einigen Jahren eines der ersten, das den Rabatt-Tag in der Schweiz durchführte.

Für den Detailhandelsexperten Wölfle ist es nachvollziehbar, dass die Läden den Tag für sich nutzen. «Für Anbieter, die nicht beispielsweise aus Markenüberlegungen generell auf Aktionsangebote verzichten, gibt es keinen Grund, darauf zu verzichten», sagt er. Bei den bekannten Schweizer Detailhändlern wie der Migros- und Coop-Gruppe, aber auch bei Aldi, Lidl oder Manor ist das Verweigern des Black Friday kein Thema. Sie alle nutzen den Tag in irgendeiner Form, und sei es nur für einen Marketing-Gag.

So wie der zur Migros-Gruppe gehörende drittgrösste Schweizer Detailhändler Denner. Dort werden keine Black-Friday-Rabatte angeboten. Denner nutzt den Tag aber für seine Werbekampagne, die deutlich macht, dass Denner nicht nur am Black Friday, sondern das ganze Jahr über Aktionen im Angebot hat. Die Kampagne komme gut an, sagt ein Sprecher, gerade auch als Kontrast zur Black-Friday-Werbeflut.

80 Prozent wollen laut Umfrage am Black Friday shoppen

Vier von fünf Konsumenten in der Schweiz wollen von den Sonderangeboten am Black Friday profitieren. Bei den jüngeren Schnäppchenjägern steigt diese Zahl sogar noch: 90 Prozent der 18- bis 25-Jährigen hofft, am Black Friday günstige Angebote zu ergattern, wie aus einer Umfrage der Prospekte-App Profital unter knapp 7000 Nutzern hervorgeht.

Der Medianbetrag für das Black-Friday-Budget beträgt 200 bis 299 Franken. Jeder Fünfte will mehr als 500 Franken ausgeben, wie die Umfrage zeigt. Dabei stehen Kleider, Schuhe und Accessoires ganz oben auf der Wunschliste, gefolgt von Elektrogeräten sowie Möbeln und Einrichtungsgegenständen.

Laut einer anderen Befragung, die von Blackfriday.ch bei knapp 2000 Kunden durchgeführt wurde, ist das Budget dieses Jahr allerdings etwas geringer als im vergangenen Jahr. 2020 habe noch ein Grossteil der Kunden über 500 Franken für Black-Friday-Angebote ausgeben wollen. Dass nun weniger ausgegeben wird, liegt laut den Autoren unter anderem daran, dass die Käufer dieses Jahr günstigere Dinge einkaufen wollen, nachdem letztes Jahr Möbel und Einrichtungsgegenstände noch stärker geboomt hätten.

Laut Profital erwarten die Kunden am Black Friday hohe Rabatte. Zwei von fünf Befragten gaben an, Rabatte erst ab einer Reduktion um mindestens die Hälfte attraktiv zu finden. Jeder Fünfte erwarte sogar Preisermässigungen von 70 Prozent.

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