Von Peng Shuai fehlt noch immer jede Spur. (Bild: Keystone)
International

WTA-Chef droht mit Rückzug aus China

Das Verschwinden der chinesischen Tennisspielerin Peng Shuai schlägt immer höhere Wellen. Nun äussern sich auch Serena Williams und Alexander Zverev.

Steve Simon, der CEO der Frauen-Tennistour WTA, zieht einen Rückzug aus China in Betracht, falls dessen Führung nicht Licht in die Diskussion um das Verschwinden der chinesischen Spielerin Peng Shuai bringt. Auch die UNO und das Weisse Haus zeigen sich besorgt.

Die 35-jährige Wimbledon-Siegerin im Doppel hatte auf dem chinesischen Netzwerk Weibo Missbrauchsvorwürfe gegen den früheren chinesischen Vize-Regierungschef Zhang Gaoli geäussert. Ihr Eintrag wurde später gelöscht; Peng tauchte seither nicht mehr in der Öffentlichkeit auf.

In einem Interview mit dem TV-Sender CNN droht Simon nun mit harten Konsequenzen und sogar einem Rückzug der WTA Tour aus China. «Wir sind absolut bereit, unsere Aktivitäten in China zu beenden, mit allen Konsequenzen, die das mit sich bringt», versicherte Steve Simon. «Denn diese Vorwürfe sind wichtiger als das Geschäft.»

Die Echtheit eines Mail von Peng, in dem sie versichert, es gehe ihr gut und dass die Vorwürfe an Zhang falsch seien, zieht Simon in Frage und spricht von einer «Inszenierung». «Vielleicht wurde sie gezwungen, es zu schreiben, vielleicht hat es jemand anderer geschrieben, aber so lange wir nicht persönlich mit Peng Shuai sprechen können, bleiben wir sehr beunruhigt.»

China ist in den letzten Jahren zu einem enorm wichtigen Markt für das Tennis, speziell bei den Frauen, geworden. Unter anderem unterschrieb man 2019 einen langjährigen Vertrag für die WTA Finals in Shenzhen mit einem Rekord-Preisgeld von 14 Millionen Dollar. In den letzten beiden Jahren konnte wegen der Pandemie allerdings nicht in China gespielt werden.

Auch UNO verlangt Aufklärung

Am Freitag haben sich auch die UNO und das Weisse Haus in Washington in die Sache eingeschaltet. Am Freitag forderte Liz Throssell, Sprecherin des UNO-Hochkommissariats für Menschenrechte, eine «vollkommen transparente Untersuchung». An einer Medienkonferenz in Genf fügte sie hinzu: «Wir betonen, dass es von grösster Wichtigkeit ist, dass wir erfahren, wo sie sich befindet und in welchem Zustand sie ist.»

Die amerikanische Regierung um Präsident Joe Biden zeigte sich am Abend «zutiefst besorgt» über das Verschwinden der Tennisspielerin. «Wir schliessen uns der Forderung an die Behörden der Volksrepublik China an, unabhängige und überprüfbare Beweise für ihren Verbleib und ihre Sicherheit vorzulegen», sagte die Sprecherin des Weissen Hauses, Jen Psaki.

Jeder Bericht über sexuelle Übergriffe gegen Frauen sollte untersucht werden, so Psaki. Man unterstütze Frauen darin, «sich zu äussern und Rechenschaft zu verlangen, ob hier oder im Rest der Welt». Die USA würden ausserdem weiterhin für die Redefreiheit eintreten. «Wir wissen, dass die Volksrepublik China null Toleranz für Kritik zeigt und diejenigen, die ihre Meinung äussern, zum Schweigen bringt. Und wir werden diese Praktiken weiterhin verurteilen.»

Das Internationale Olympische Komitee lehnte es hingegen ab, den Fall expliziter zu kommentieren: Die Erfahrung zeige, dass ruhige Diplomatie die beste Möglichkeit biete, in solchen Fragen eine Lösung zu finden, hiess es in einer Mail an die Nachrichtenagentur AP. In zweieinhalb Monaten werden die Olympischen Spiele in Peking eröffnet.

Das Verschwinden der chinesischen Tennisspielerin Peng Shuai schlägt immer höhere Wellen. Am Donnerstag äussern auch Serena Williams und Alexander Zverev ihr Unbehagen.

Serena Williams zeigte sich «schockiert» über die Berichte über das Verschwinden Peng Shuais. «Ich bin erschüttert und schockiert», erklärte die ehemalige Weltranglisten-Erste und 23-fache Grand-Slam-Siegerin auf Twitter. Sie hoffe, Peng sei in Sicherheit und tauche bald wieder auf, und forderte: «Wir dürfen nicht schweigen.»

Auch Alexander Zverev zeigte sich am Rande der ATP-Finals in Turin besorgt. «Ich hoffe, sie wird bald gefunden werden», sagte der 24-jährige Deutsche. Man spreche hier nicht über ein Tennisspiel oder einen Event. «Wir sprechen über ein Menschenleben, und das ist viel krasser als alles, was wir hier machen.» Vor Williams und Zverev hatten sich auch Naomi Osaka, Chris Evert oder Novak Djokovic beunruhigt geäussert.

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