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Der Telebasel News Beitrag vom 16. November 2021.
Basel

Tinguely-Assistent: «Wir gingen durch dick und dünn»

Das Museum Tinguely sagt «Merci Seppi» – so der Titel der Ausstellung, die nun die grosse Sammlung an Zeichnungen und Grafiken von Seppi Imhof präsentiert.

Seppi Imhof musste schwindelfrei sein, das Schweissen und Jassen beherrschen. So verlangte es das Stelleninserat von Jean Tinguely, das 1970 zu einer langen und intensiven Zusammenarbeit mit dem gelernten Schlosser führte. Sie sollte zwanzig Jahre dauern. Und würde wohl noch immer andauern, wäre Tinguely nicht 1991 gestorben, wie Imhof am Dienstag an der Medienführung durch die Ausstellung sagte. «Er war mein Arbeitgeber, mein Freund, er war all das und wir haben alles zusammen gemacht in diesen 20 Jahren», fasst Imhof die innige Freundschaft mit Jean «Jeannot» Tinguely zusammen.

Ausgestellt ist die grosse Schenkung, die Imhof, der bis 2008 als Restaurator am Museum tätig war, dem Haus vermacht hat. Es ist eine grosse Sammlung mit weit über 400 Zeichnungen, Aquarellen, Briefen, Druckgrafiken und Konstruktionszeichnungen. Die Schenkung ist für das Museum nicht nur aus künstlerischen Gründen wertvoll, wie Museumsdirektor Roland Wetzel sagte. Sie habe als eine Art gezeichnete und collagierte Biografie auch einen grossen dokumentarischen Wert.

Niki de Saint Phalle, Bernhard Luginbühl, Josef Imhof und Jean Tinguely gönnen sich eine Pause beim Aufbau von Le Cyclop in Milly-la-Fôret, 1971. (Foto: Nachlass Leonardo Bezzola)

Innige Freundschaft

Die ausgestellten Werke verraten viel über die Persönlichkeit Tinguelys und über das künstlerische Schaffen nach 1970. Die vielen Briefe an Imhof mit kurzen und zum Teil kryptischen Anweisungen sind überdies Zeichen für die innige Arbeits- und Freundschaftsbeziehung zwischen dem Künstler und seinem Assistenten. Es war immer klar, wer der Künstler und wer der Handwerker ist: «Die Ideen kamen immer von ihm», so Imhof.

«Alles klar?» ist zum Beispiel auf einer wild-chaotischen Konstruktionszeichnung zum «Cyplop» zu entziffern. Für Museumsbesucherinnen und Museumsbesucher wirkt sie wie ein abstraktes Kunstwerk, was die Zeichnung letztlich ja auch ist.

Imhof indes musste herauslesen, wo und wie Räder aufgeschraubt und wo was zusammengeschweisst werden musste. Tinguely habe gewusst, was er wollte, die Technik habe ihn aber nicht so sehr interessiert, die habe er Imhof überlassen, sagte Ausstellungskurator Andres Pardey.

Auch die Briefe und Postkarten, die Tinguely in grosser Zahl versandte, werden längst als Kunstwerke gehandelt. Und bei weitem nicht alle dieser oftmals fröhlich-chaotisch illustrierten Schriften sind auf normalem Papier aufgebracht worden. Tinguely bekritzelte und beklebte fast alles, was ihm unter die Finger kam: Papiertischtücher, Verpackungsmaterialien oder Teile von Kartonschachteln. «Das war natürlich immer ein Erlebnis, wenn er etwas geschickt hat», erinnert sich «Seppi» Imhof.

«Wir gingen durch dick und dünn», sagt Imhof lachend. Mit der Ausstellung «Merci Seppi. Die grosse Schenkung» schliesst das Museum Tinguely den Ausstellungsreigen im Jubiläumsjahr zum 20-jährigen Bestehen des Hauses ab. Sie dauert bis 13. März 2022.

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