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Der Basler Kantonsarzt beantwortet aktuelle Fragen zur Pandemie. (Video: Telebasel)
Basel

Thomas Steffen: «Der ganz grosse Boom ist ausgeblieben»

Impfwoche, Fallzahlen und Massnahmen in Österreich und der Schweiz: Der Basler Kantonsarzt Thomas Steffen schätzt die Corona-Lage ein.

Telebasel: Die Impfwoche liegt hinter uns. Rund 300’000 Franken hat sie den Kanton gekostet. Wie fällt Ihr Fazit aus? Ein Erfolg?

Thomas Steffen: Wir haben über 1’000 Erstimpfungen gehabt in dieser Woche. Das sind doppelt so viele, wie sonst. Und wir haben die ominöse 70 Prozent-Marke genommen an Personen die geimpft sind in Basel. Also von daher durchaus erfolgreich. Wir hätten gerne etwas mehr gehabt, aber das ist immer so.

Was glauben Sie, weshalb es nicht gereicht hat, etwas mehr zu haben?

Wir merken insgesamt: die Meinungen sind ziemlich gemacht. Also die Leute haben sich das überlegt. Es kann sein, dass in den Wochen, wenn die Fallzahlen nochmals ansteigen, sich der eine oder andere das anders überlegt. Aber so der ganz grosse Boom ist ausgeblieben.

Reden wir noch über die allgemeine Lage. Sie haben es gesagt. In Basel-Stadt sind jetzt über 70 Prozent geimpft, in der Schweiz sind es 65 Prozent. Etwas mehr. Trotzdem steigen die Fallzahlen wieder an. Wie ist das möglich?

Es ist natürlich so, das es Einige gibt, die noch nicht geimpft sind. Und das ist ein grosses Reservoir, vor allem bei jüngeren Menschen, unter denen sich das Virus bewegen kann. Und hinzu kommt, dass es auch Impfdurchbrüche gibt. Also daher hat das Virus immer noch genug Möglichkeiten eine Welle zu machen.

Was heisst eigentlich «Impfdurchbruch»? Wie wird das ausgewertet?

Von der zweiten Impfung an plus zwei Wochen wird das ausgewertet. Dann ist der Schutz wirklich da. Wir haben immer gewusst, auch schon von den Grundstudien, das es Durchbrüche geben wird. Also, dass das Virus hier gewisse Möglichkeiten hat. Das beruhigende ist: schwere Fälle sind wirklich sehr selten, wenn man geimpft ist.

Man spricht auch wieder über das Boosten, also bald die dritte Impfung. Hat man sich im Vorfeld doch etwas mehr von der Impfung erhofft, als man jetzt feststellt?

Nein, die Impfung liegt in dem Rahmen, wie man es von den grossen Studien erwartet hat. Das ist fast mathematisch so gekommen. Man hat auch gewusst, irgendwann wird man vermutlich Boosten können. Was etwas enttäuschend ist und was Probleme macht, ist, dass im deutschsprachigen Raum die Impfbereitschaft nicht ganz nach kommt.

Wie sieht aktuell die Lage in den Spitälern aus? Ist sie so prekär, das man Massnahmen in der Schweiz ergreifen muss?

Momentan spüren wir, dass langsam die Wirkung der höheren Fallzahlen beginnt. Das merkt man immer mit zwei bis drei Wochen Verzögerung. Mit jeder Welle ist das etwas anders und das Verhältnis anders. Also wir werden in den nächsten Wochen genau hinschauen müssen, was jetzt passiert.

Viele sind doch schon geimpft und lassen sich nicht mehr so regelmässig testen. Sollte wieder mehr getestet werden?

Es gibt weiterhin eine grosse Testkapazität. Basel ist hier wirklich der führende Kanton. Also die Leuten testen genug. Wenn man schweizweit schaut, müsste man empfehlen, mehr zu testen.

Blicken wir im Hinblick auf die steigenden Zahlen über die Landesgrenze hinaus. Österreich hat den Lockdown für Ungeimpfte beschlossen. Was halten Sie von dieser Massnahme?

Fachlich ist klar, was sie machen. Sie sagen, von diesen 3 G ist die Testung das schwächste. Weil wenn man beispielsweise an einer Veranstaltung das Virus bekommt, ist man nicht geschützt. Umgekehrt ist es natürlich ein ziemlich grosser Eingriff in das Freiheitsrecht, in die Grundrechte der Menschen und daher ist das in nächster Zeit in der Schweiz weniger zu erwarten.

Was wäre denn in der Schweiz zu erwarten? 

Ich denke, man wird jetzt stark darauf fokussieren müssen, wie man Bestehendes optimieren oder verstärken kann. Da ist sicher die Maskenpflicht in den Schulen und bei Veranstaltungen ein Thema. Um so dem Virus die Dynamik zu nehmen.

Basel-Stadt hat am 12. November den Rekord für die meisten Fälle in diesem Jahr binnen 24 Stunden aufgestellt (125 Fälle). Wie beurteilen Sie die Lage hier im Kanton?

Es ist natürlich so, dass wir städtisches Gebiet sind. Hier treffen sich viele Leute und wir wissen aus den früheren Wellen, dass das immer so eine Phase ist, in der man spürt, dass die Zahlen in Basel steigen. Daneben muss man die Zahlen wirklich etwas vorsichtig interpretieren. Basel testet sehr viel und andere Gegenden testen deutlich weniger. Also sehen wir auch mehr.

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