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Der Telebasel News-Beitrag vom 13. November 2021.
Basel

Einblick in eine alte Schnaps-Tradition

Zum nationalen Brennertag öffnen 40 Brennereien ihre Tore. Telebasel besuchte die Stadtbrennerei Basel und sprach über die Faszination der klaren Wässerchen.

Unter dem Motto «Die Schweiz brennt!» findet am Samstag, 12. November, der nationale Brennertag statt. Ziel sei es, die Kunst des Handwerks einem breiten Publikum näher zu bringen. Für die Stadtbrennerei Basel stehen zudem Nischenprodukte im Fokus. Mainstream-Bränden zeigen sie die kalte Schulter.

Beim Destillieren macht man sich die unterschiedlichen Siedepunkte von Wasser und Alkohol zunutze, erklärt Tobias Buser, Mitinhaber der Stadtbrennerei. «Es ist ein rein physikalisches Verfahren, das kennt man auch aus dem Chemieunterricht.» Der gelernte Winzer eröffnete im 2017 mit seinem Bruder David in der ehemaligen Kutschenremise an der Clarastrasse einen Brennkeller. Heute erinnert nur noch die rustikale Sandsteinmauer an vergangene Zeiten. Seit 2018 werden hier vor allem Getreide und Kräuterbrände hergestellt.

Nischenprodukt Weizenbrand

«Wir haben uns bewusst dazu entschlossen, eine Nische zu wählen und nicht nur auf den Gin-Zug aufzuspringen. Das war nicht ganz einfach», gesteht Tobias Buser. Whisky sei zwar etwas, das viele Leute kennen und annehmen, Getreide sei dagegen eher ein Nischenprodukt. «Wir haben trotzdem extrem Spass daran und lassen dort auch nicht locker. Wir hoffen, dass immer mehr Leute einen Zugang dazu finden.» Und das sei den beiden teilweise auch schon gelungen. Die Stadtbrennerei verkaufe vor allem in der Region an die Gastrobranche, brenne aber auch im Auftrag anderer Vertreiber, wie zum Beispiel dem Gryff-Gin – und scheint damit recht erfolgreich zu sein. Zum Sortiment gehören neben Weizenbränden, wie Whisky und Vodka auch Gin, Absinth oder Schaumwein.

«Anstatt sich zu ernähren, hat man alles destilliert und getrunken»

Die Brennerei der der Buser-Brüder ist einer von lediglich zwei Brennkellern in Basel-Stadt. Im 1888 gab es noch rund 90 davon. Damals wurde an jeder Ecke destilliert. Bis der Bund einschritt. «Das war wirklich eine Seuche. Da haben die Leute alles, was sie lieber hätten essen sollen, versoffen. Es war wirklich eine Schwemme. Es waren vorwiegend stärkehaltige Produkte wie Kartoffeln oder Getreide, die man gebrannt hat. Und anstatt sich zu ernähren, hat man einfach alles destilliert und getrunken», erklärt Tobias Buser. Infolgedessen sei dann auch die eidgenössische Alkoholverwaltung entstanden: Einerseits, um Steuern einzutreiben und andererseits, um dem ganzen etwas Gegensteuer zu geben.

Schnaps als Kulturgut

Auf einen Liter Alkohol kommen 29 Franken Steuern. Ein grosser Teil davon geht in die Alkoholprävention. Aus diesem Grund gibt es in der Schweiz keine Ausbildung zum Brenner mehr. Obwohl der Schnaps gerade in der Schweiz lange Tradition hat. «In der Schweiz ist es ein Kulturgut, weil Spirituosen, wie Kirsch extrem verankert sind. Es gibt den Kirsch-, also den Hochstamm-Anbau, der gerade im Baselbiet oder in Zug ein Riesenthema ist. Obstbrennerei ist in diesem Sinne ein althergemachtes Kulturgut, weil es ein Genussmittel ist und handwerklich solide Arbeit darstellt.»

1 Kommentar

  1. Die Sprache macht den Unterschied:
    Aus das Korn wird DER KORN.
    Aus der Weizen wird DAS WEIZEN.
    Prost zäme und händs guet. Tschägg vo BinnigäReport

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