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Der Telebasel News Beitrag vom 12. November 2021.
Basel

Vorwurf des Drogenhandels und Geldwäscherei – Wirtefamilie vor Gericht

Vor dem Basler Strafgericht begann heute der Drogen-Prozess gegen eine Wirtefamilie aus der Dominikanischen Republik.

Die Stadt Punta Cana in der Dominikanischen Republik ist ein grosser Touristenmagnet. Das gleichnamige Restaurant neben der Claramatte in Basel war jahrelang auch ein Magnet, jedoch eher für Drogensüchtige. Dies geht aus der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft hervor. Der ehemaligen Wirtefamilie wird vorgeworfen, von 2015 bis 2020 immer stärker in den Kokainhandel eingestiegen zu sein.

Drei Familienmitgliedern wird der Prozess gemacht: Dem Wirtepaar und dem Sohn der Frau, welcher aus einer früheren Beziehung stammt. Wobei heute nur der Mann und sein Stiefsohn vor Gericht erschienen sind. Die Frau war zum Zeitpunkt der Polizeiaktion gegen das Lokal hoch schwanger, dass auf eine Festnahme verzichtet wurde. Sie soll sich in der Zwischenzeit in die Dominikanische Republik abgeseilt haben.

Die Staatsanwaltschaft wirft den drei Personen mehrfache Verbrechen gegen das Betäubungsmittelgesetz und mehrfache Geldwäscherei vor. Sie sollen bandenmässig und gewerbsmässig vorgegangen sein und dabei auch eine grosse Gesundheitsgefährdung der Drogenkonsumenten in Kauf genommen haben.

WC als Drogenumschlagplatz

Die Kunden hätten das Lokal jeweils nur für wenige Minuten besucht. Bei den Toiletten habe jemand das Geld entgegengenommen und nach einer kurzen Wartezeit haben man dann dort seinen Stoff bekommen. Die Polizei habe schon seit längerem immer wieder Hinweise erhalten und deshalb vertiefte Ermittlungen aufgenommen. Zum Beispiel hätten kontrollierte Süchtige das Lokal als Quelle ihrer Betäubungsmittel genannt.

Am 6. Mai 2020 griff die Polizei schliesslich durch. Das ganze Lokal und weitere Liegenschaften wurden durchsucht. Dabei wurden laut Staatsanwaltschaft in der Dachwohnung über dem Restaurant rund 900 Gramm Kokain sichergestellt. Und auch im Keller der Gaststube fanden sich nochmals rund 150 Gramm. Diese waren zum Teil bereits verkaufsfertig in handelsübliche Kügelchen verpackt. Daneben fand die Polizei Hilfsmittel wie Waagen und Verpackungsmaterial. Zudem wurden mehrere tausend Franken sichergestellt, die durch Drogenverkauf erwirtschaftet worden seien sollen.

Verdächtige Geldüberweisungen ins Ausland

Die weiteren Ermittlungen ergaben, dass die Wirtefamilie seit 2015 immer wieder Geld an verschiedene Personen in der Dominikanischen Republik überwiesen hatte. Die Beträge für sich betrachtet, waren zwar nicht so gross. Zusammengezählt kamen aber eindrückliche Beträge zusammen. Hochgerechnet ergeben sie rund eine Million Franken. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass dieses Geld aus dem Drogenhandel stammt und auf eine verkaufte Kokainmenge von rund 14 Kilogramm schliessen lässt.

Die Stawa wirft den Familienmitgliedern deshalb Geldwäscherei im grossen Stil vor. Durch die Zerstückelung der Geldbeträge seien alle Präventionsmassnahmen der Geldtransfer-Dienstleister umgangen worden.

Als Strafmass fordert die Staatsanwaltschaft achteinhalb Jahre Gefängnis und eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen für den Mann, siebeneinhalb Jahre Gefängnis und eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen für die Frau und sechsdreiviertel Jahre Gefängnis und eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen für den Stiefsohn. Zudem sollen alle drei zu einem Landesverweis zwischen 10 und 12 Jahren verurteilt werden.

Verteidigung fordert Freisprüche

Der Verteidiger und die zwei Verteidigerinnen ihrerseits forderten für die zwei Angeklagten und die Angeklagte einen vollumfänglichen Freispruch. Die Beschuldigten hätten jeweils jegliche Verbindung zu den Drogendelikten zurückgewiesen. Und für die Geldüberweisungen in die Dominikanische Republik gebe es eine andere Erklärung: Damit seien in erster Linie Verwandte in der Heimat unterstütz worden. Das Geld dafür stamme aus Trinkgeldern, nicht richtig verbuchten Restaurant einnahmen und weiteren Quellen. So habe die Frau auch verschiedene Geldzahlungen von Männerbekanntschaften erhalten.

Das Urteil des Basler Strafgerichtes wird am 16. November erwartet.

Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.

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