Featured Video Play Icon
Der Telebasel News Beitrag vom 12. November 2021.
Basel

Baselworld-Chef Loris-Melikoff geht

Die Messebetreiberin MCH sagt die Uhrenmesse Baselworld vom nächsten Frühling ab. Managing Director Michel Loris-Melikoff nimmt aufgrund der Absage den Hut.

Nach der Absage mehrerer Aussteller zieht die MCH Group die Konsequenzen. Sie sagt die nächste Ausgabe der Uhrenmesse «Baselworld» ab. Geplant gewesen wäre sie für Frühling 2022. Chef Loris-Melikoff nimmt nun den Hut.

Man brauche mehr Zeit für den Neustart der «Baselworld» nach der Pandemie, teilte die MCH Group am Freitag mit. Der Entscheid zur Absage der nächsten Ausgabe basiere auf intensiven Gesprächen, die man mit Herstellern und Händlern geführt habe.

Harte Genfer Konkurrenz

Was im Communiqué nicht stand: Der Entscheid ist zwar eine herbe Enttäuschung, doch dürfte er die logische Folge des Verlusts mehrerer Aussteller sein. So wurde erst vor wenigen Wochen bekannt, dass auch die japanische Marke Grand Seiko sowie Oris aus dem Kanton Baselland ans Genfer Pendant «Watches and Wonders» wechseln.

Auf, die Frage ob noch mehr Hersteller abgesprungen seien antwortet der MCH-CEO Zwahlen: «Nein das ist nicht der Fall, wir haben einfach Gespräche geführt um herauszufinden, was die Trends im Markt sind, was grosse Hersteller beabsichtigen, wie sie ihr Marketingbudget einsetzen, darum ging es.»

Die Verschiebung nach hinten bedeutet auch, dass die Messe nicht mehr gleichzeitig wie die in Genf stattfindet. Interessant, da Baselworld-Direktor im Juni noch fand, dass die beiden unbedingt gleichzeitig stattfinden sollten. «2019, als in Genf und Basel die grossen Marken waren, damals war diese Terminkoordination noch wichtig, damit internationale Verkäufer nur ein mal in die Schweiz reisen mussten. Mit der Neupositionierung, wo wir auf das mittlere Segment gehen, welches in Genf nicht vertreten ist, gibt es keinen zwingenden Grund dafür», kommentiert MCH-CEO Zwahlen heute.

Vorgängiger Verlust von Ausstellern

Zuvor hatten bereits grosse Uhrenhersteller wie Rolex, Patek Philippe, Chanel, Chopard, Tudor sowie Hublot, Zenith und TAG Heuer aus dem französischen LVMH-Konzern diesen Wechsel angekündigt. Die Swatch Group hatte bereits vor einigen Jahren der Messe den Rücken gekehrt und verzichtet nun ganz auf Messeauftritte.

Im Gegensatz zur «Art Basel» oder auch der «Fantasy Basel», mit denen die MCH Group nach der Corona-Pause den Neustart gewagt hat, kommt die «Baselworld» somit noch nicht wieder in die Gänge. Und die Aussage von Finanzchef Michael Hüsler vom vergangenen September, man werde 2022 alle Events durchführen, wie es im behördlichen Rahmen möglich sei, ist schon wieder Makulatur.

Damals hatte das Management noch versucht, Optimismus zu versprühen. «Wir haben die Pandemie genutzt, um uns neu für die Zukunft aufzustellen», sagte CEO Beat Zwahlen seinerzeit. Es herrsche «eine positive Aufbruchstimmung».

«Bedürfnisse analysieren»

Für die «Baselworld» hat die gute Stimmung allein anscheinend nicht gereicht. Immerhin, so das Communiqué vom Freitag, habe man «in Gesprächen mit bedeutenden Branchenvertretern wichtige Erkenntnisse gewonnen». Das Interesse an der Messe sei grundsätzlich vorhanden, doch müsse man sich mehr Zeit nehmen, um die entsprechenden Bedürfnisse zu analysieren.

Als weitere Begründung für die Absage führte die Messebetreiberin ausserdem erneut die Corona-Pandemie ins Feld. Der Entscheid sei auch eine Reaktion auf die sich aktuell wieder verschärfende Pandemie-Lage. Aufgrund dieser seien die Kunden verunsichert. Ein neues Konzept für eine neue Zielgruppe zu lancieren sei unter diesen Umständen schwierig.

Loris-Melikoff geht

Wann genau die «Baselworld» wieder an den Start geht, bleibt unklar. Klar ist hingegen, dass es nicht mehr unter der Führung von Managing Director Michel Loris-Melikoff sein wird. Er habe sich aufgrund der Absage entschieden, das Unternehmen zu verlassen und eine neue Herausforderung anzunehmen, heisst es am Freitag.

Die Gruppe bedauere diese Entscheidung. Doch danke man Loris-Melikoff für seinen Einsatz. Er habe 2018 unter schwierigen Bedingungen die Leitung der Baselworld übernommen und diese 2019 auch durchgeführt.

Die Frage steht aber im Raum, ob der Abgang auch etwas mit Loris-Melikoffs Leistung zu tun hat. «Die Aufgabe, die jetzt ansteht, Start-Up, Neuentwicklungen usw. das ist nicht seine Stärke. Seine Stärke ist die Umsetzung, und die steht aktuell nicht an», sagt MCH Group CEO Beat Zwahlen im Interview im 16. Stock des Messeturms.

2 Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Mehr aus dem Channel