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Der Telebasel News-Beitrag vom 10. November 2021.
Basel

Die Pinguine watscheln wieder durch den Zolli

Sobald die Temperaturen unter die 10 Grad-Marke fallen, dürfen die Pinguine wieder spazieren gehen. Ausserdem gibt es Nachwuchs bei den Süsswasserkrokodilen.

Während uns die Temperaturen dazu zwingen, die Winterjacke aus dem Schrank zu holen, freuen sich die Königspinguine im Zoo über das für sie angenehme Wetter. Bei wenigen Grad über null fühlen sie sich am wohlsten.

Aus gesundheitlichen Gründen dürfen sie auch erst dann wieder raus, erklärt Zootierarzt Christian Wenker. «Wenn es zu warm ist, kommen Pinguine durch die Bewegung in einen Hitzestau. Sie haben ja eine dicke Daunenfederschicht und viel Fett unter der Haut und das gäbe sonst gesundheitliche Probleme.» Ein anderer Grund sei die Belastung durch Keime und Pilzsporen bei warmen Temperaturen: «Sie sind recht anfällig auf Lungenentzündungen durch Pilze. Ausserdem sind sie anfällig für Vogelmalaria, die im Sommer durch Mücken übertragen wird».

Gut fürs Immunsystem

Der Spaziergang fördere das Herzkreislaufsystem der Pinguine, die Beweglichkeit und den Muskelaufbau der Vögel. «Zudem stärkt er das Immunsystem. Somit kommen die Tiere gesund durch den Winter und sind fit für die nächste Brutsaison», so der Zootierarzt.

Teilnahme freiwillig

Das Mitwirken beim Spaziergang ist für die Pinguine freiwillig. Wer will, darf mit. Auch die Dauer und die Ausdehnung des Spaziergangs werde weitgehend den Tieren überlassen. «Unser Ältester ist über 30 Jahre alt und heute zuhause geblieben, er ist nicht mehr gut zu Fuss», so Zootierarzt Christian Wenker. Besucher und Besucherinnen des Zollis kommen täglich um 11 Uhr in den Genuss dieses Spektakels – allerdings nur, wenn das Thermometer weniger als zehn Grad anzeigt.

Eine alleinerziehende Pinguin-Mutter

Nachwuchs sucht man dieses Jahr leider vergebens, wenn man sich das watschelnde Grüppchen anschaut. Dieses Jahr habe es eine ungewöhnliche Situation gegeben. Eine alleinerziehende Pinguin-Mutter habe das Ei nämlich alleine ausgebrütet. «Das ist speziell, denn normalerweise sind sie immer zu zweit und wechseln sich ab beim Brüten. Dieses Jungtier ist auch geschlüpft, hat aber leider nicht überlebt. Es ist nach zwei Wochen an einer Infektion gestorben.»

Zwei Junge bei den Süsswasserkrokodilen

Anders sieht die Situation bei den Süsswasserkrokodilen aus. Dort hat es dieses Jahr zwei Junge gegeben. Im Mai sind die zwei Kleinen im Brutkasten geschlüpft. Etwa 23 Zentimeter lang waren sie damals. Jetzt dürfen sie bei den Eltern mitschwimmen.

Das Geschlecht und die aktuelle Grösse habe man aber noch nicht bestimmen können. «Wir schätzen, dass sie 40 bis 45 Zentimeter lang sind – ungefähr. Wir können sie jetzt nicht mehr messen, weil die Eltern sie verteidigen, darum kommen wir nicht mehr an sie dran», erlärt Zoologe und Reptilienexperte Fabian Schmidt.

«Wir haben sie auf Männchen-Temperatur gebrütet»

Das Besondere bei vielen Reptilien ist, dass das Geschlecht über die Temperatur beim Brüten bestimmt wird. So sei das auch bei den Krokodilen in Basel der Fall. «Wir haben sie auf Männchen-Temperatur gebrütet. Das ist auch der Hauptgrund, weshalb wir sie künstlich inkubiert haben – um sicher zu gehen, dass wir die richtige Bruttemperatur einstellen», erklärt der Zolli-Fachmann für Reptilien.

In Europa brauche man mehr männliche als weibliche Tiere in den Zoos, erklärt Fabian Schmidt. Die Bruttemperatur für männliche Tiere betrage 32 bis 32,5 Grad Celsius, bei tieferen Temperaturen würden sich tendenziell Weibchen entwickeln. Ob es sich bei den beiden Jungtieren tatsächlich um die erhofften Männchen handelt, sei aber ungewiss. Die Chance betrage ungefähr 40 Prozent.

Berühmtes Elternpaar

Die Eltern der Kleinen sind in Europa ziemlich berühmt. Es sind nämlich die ersten Süsswasserkrokodile, die ausserhalb ihrer Heimat Australien geschlüpft sind. 1994 wurden sie im Frankfurter Zoo ausgebrütet. Der Basler Zolli ist der zweite Zoo ausserhalb Australiens, der Süsswasserkrokodile züchtet.

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