Einige Sammlungsobjekte des Naturhistorischen Museums sollen zurück in ihre Herkunftsländer. (Bild: Keystone)
Basel

Das Naturhistorische Museum will Menschenschädel zurückgeben

Das Naturhistorische Museum will seine Geschichte aufarbeiten. Man wolle im Rahmen dessen Schädel und Skelette der Sammlung den Ursprungsländern zurückgeben.

Die Co-Direktoren David Alder und Basil Thüring wollen zum 200-Jahr-Jubiläum des Naturhistorischen Museums die eigene Geschichte der Institution näher beleuchten. Denn die Menge an Exponaten, die sich über die zwei Jahrhunderte hinweg angesammelt hat, ist gross: Ganze 11,8 Millionen Objekte beherbergt das Museum heute. «Wir möchten nun herausfinden, wie das alles zusammenkam», sagt Basil Thüring am Dienstag im Telebasel Talk.

Die 200-jährige Geschichte des Naturhistorischen Museums aufzuarbeiten, sei keine einfache Aufgabe, fügt David Alder hinzu. «Wir mussten etwa 200 Biografien von Menschen nachgehen, die mit dem Museum zu tun hatten.» Man habe dann die Geschichte von 37 Persönlichkeiten weiter nachverfolgt, um von deren Verbindung mit dem Museum berichten zu können.

Erbe aus dem frühen 20. Jahrhundert

Die Sammlung beinhaltet ganze 8000 menschliche Skelette, die meisten aus archäologischen Gräbern der Stadt Basel – aber nicht alle. Das Naturhistorische Museum wurde im Jahr 1821 gegründet und somit in einer Zeit, in der Europa die Welt «entdeckte» – und vor allem besetzt hielt. In dieser Zeit gelangten auch Menschenschädel von fernöstlichen Naturvölkern aus heute unklarer Quelle in den Besitz von Basler Museen.

Forschende aus Basel haben die Schädel und Knochen vor rund 100 Jahren im fernen Osten entwendet. So beispielsweise die Cousins Fritz und Paul Sarasin, die Forschungsreisen nach Indonesien und Sri Lanka unternahmen. Von dort aus brachten sie 84 menschliche Schädel und weitere Skeletteile mit nach Basel. Zu grossen Teilen stammen die Knochen aus Gräbern der Bevölkerung vor Ort, heute sind sie im Naturhistorischen Museum und dem Museums der Kulturen untergebracht. Darüber berichtete der Historiker Bernhard C. Schär in seinem Buch «Tropenliebe» (2015).

Nun will man sich offensichtlich mit dem Erbe aus menschlichen Schädeln und Knochen auseinandersetzen. «Wir haben Skelette aus Ländern mit kolonialer Vergangenheit», erläutert Basil Thüring. Diese seien zu Beginn des 20. Jahrhunderts gesammelt worden. Nun wolle man deren Herkunft ergründen und die Geschichten aufarbeiten, wie sie ihren Weg nach Basel gefunden haben. «Wir wollen dann mit den Herkunftsländern in Kontakt treten und sie wieder zurückgeben», so der Plan der Co-Direktoren.

Das Naturhistorische Museum feiert sein Jubiläum ab Freitag, 12. November mit einem Fest. Das detaillierte Programm findet sich hier.

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