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Der Telebasel News Beitrag vom 9. November 2021.
Region

Widerstand gegen trinationalen Bahnanschluss zum EAP

Umwelt- und Anwohnerverbände aus dem Dreiland wollen den Bahnanschluss am Euroairport verhindern. Sie befürchten mehr Lärm und Luftverschmutzung.

«Das Ziel ist klar: mehr Passagiere, mehr Flüge. Damit verbunden sind auch deutlich mehr Lärm, Luftverschmutzung und Treibhausgase.» Mehrere Umwelt- und Anwohnerverbände aus Basel, Frankreich und Deutschland kritisieren die Pläne eines Bahnanschlusses am Euroairport (EAP) scharf. Die Bahnverbindung würde das «ungesunde Wachstum» der Passagierzahlen am Flughafen weiter fördern, schreiben sie in einer Mitteilung am Dienstag weiter. Sie wollen deshalb den Bau des Bahnanschlusses verhindern.

Das Projekt der staatlichen französischen Eisenbahngesellschaft SNCF, der Region Grand Est und des Bundesamts für Verkehr will den Euroairport bis 2028 für 250 Millionen Franken ans Bahnnetz anschliessen (Telebasel berichtete). Auf Schweizer Seite haben der Bund und die Kantone Basel-Stadt, Basel-Landschaft und Solothurn ihre Bereitschaft zur Mitfinanzierung bereits zugesagt.

Das Projekt Nouvelle Liaison Ferroviaire kurz erklärt (französisch). (Video: Youtube/SNCF Réseau)

Grüne und linke Parteien auch dagegen

Unterzeichnet wurde der Brief der Gegner des Bahnanschlusses von der französischen Association de Défense des Riverains de l’Aéroport de Bâle Mulhouse (ADRA), der Bürgerinitiative Südbadischer Flughafenanrainer e.V. (Bisf) und dem VCS beider Basel. Zudem wird der Widerstand von zahlreichen Parteien und Organisationen wie der Basta, den Basler und Baselbieter Grünen, der SP Baselland, dem Schutzverband der Bevölkerung um den Flughafen Basel-Mülhausen oder Alsace Nature unterstützt.

Die öffentliche Vernehmlassung für den Bahnanschluss am EAP endet am Dienstag. Die genannten Verbände und Organisationen aus dem Dreiland fordern gegenüber der Anhörungskommission, die Bahnverbindung nicht zu bauen.

Ungewöhnlich, dass ein öV-Projekt von dieser Seite so kritisiert wird. «Das stimmt», sagt Florian Schreier, Geschäftsführer des VCS. «Aber es stellt sich immer die Frage, ob der umweltfreundliche öV dazu da ist, ein klimaschädliches Verkehrsmittel wie den Kurzstreckenflug zu fördern.»

Gegner: Kaum Verlagerung auf die Schiene

Die Gegner argumentieren, dass der Bahnanschluss nur wenig Verkehr vom Auto auf die Schiene verlagern werde. Zum einen wegen der kürzlich gebauten und geplanten Parkhäuser, zum anderen gebe die Projektstudie selbst zu, dass es nur eine geringfügige Verlagerung geben werde.

Einen weiteren Grund für den Widerstand sehen die Gegner bei den Mitarbeitenden des Euroairports. Nur wenige von ihnen arbeiteten im Terminal selbst. Wenn sie künftig mit dem Zug an den EAP reisen, müssten sie teils über einen Kilometer zu Fuss gehen, um ihren Arbeitsplatz zu erreichen. Der Bahnanschluss sei für sie deshalb keine interessante Lösung.

Schlussendlich kritisieren die Gegner auch die Kosten des Projekts: Diese seien mit rund 340 Millionen Euro für gut sechs Kilometer Bahnstrecke sehr hoch. «Diese Finanzmittel müssen in nützliche Projekte zur Förderung umweltfreundlicher Mobilität für alle in der Region investiert werden», schlagen sie vor.

Handelskammer verteidigt den Ausbau

Die Handelskammer auf der anderen Seite unterstützt die Anbindung des Flughafens an das Gleisnetz. Um eine Förderung des Flugverkehrs ginge es aber nicht. «Man hat das seitens Projektorganisation abgeklärt und geht davon aus, dass es zu einer Zunahme von 4 Prozent kommt, durch die Bahnanbindung. Da sieht man, es ist kein Projekt zur Steigerung der Passagierzahlen, es ist ein Projekt zur Verlagerung von der Strasse auf die Schiene», so Sebastian Deininger Leiter Verkehr bei der Handelskammer.

Das eine Verbesserung des öV falsche Anreize schaffe, glaubt Deininger nicht: «Der Haupttreiber für wachsenden Flugverkehr sind die Passagiere und die Präferenzen der Passagiere. Die Entscheidung, ob ich mit dem Flugzeug fliege oder nicht, fällt lange bevor ich mir überlege, wie ich zum Flughafen komme.

Doch Schreier vom VCS lässt das Argument nicht gelten: «Ja, natürlich fliegen sie so viel, wenn sie es gleich hier haben, weil die Nachtzüge noch schlecht ausgebaut sind. Doch den Umstieg schaffen wir nicht, indem wir dem Flugverkehr zudienen.» Was dieser Brief im Rahmen des obligatorischen Mitwirkungsverfahren bewirkt, entscheiden die französischen Behörden.

4 Kommentare

  1. Man wird immer im falschen Zug sitzen der gerade nicht über den Flughafen fährt. Kosten und Nutzen stehen in keinem Verhältnis. Deshalb habe ich bereits vor Jahren ein Konzept für eine Seilbahn vorgestellt, welches die Bahnhöfe Weil am Rhein und St. Louis mit den Flughafen verbindet. Leider kein Gehör gefunden …Report

  2. Dieser Anschluss sollte seit 20 Jahren gebaut sein. Zu dieser Zeit war auch def VCS dafür, so ändern sich die Zeiten und Ansichten beim VCS. Es wäre an der Zeit das der EAP mit dem Zug erreichbar wäre, so würde die Linie 50 endlich verschwinden. Diese fährt bekanntlich alle 7 min zum Flughafen und dies Bekanntlich mit Dieselbussen.Report

  3. Wegen Ausbau des Nordwestastes der trinationalen Regio S-Bahn Basel Richtung Mulhouse und Einbezug EuroAirport
    wird kein einziger zusätzlicher Flieger hierher kommen!Report

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