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Mariah Carey lässt ihre Fans nicht länger mit dem 27 Jahre alten Weihnachts-Superhit "All I Want For Christmas Is You" darben. (Video: Youtube, Mariah Carey)
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Warum Weihnachtspop berührt und nervt

Manche finden Weihnachtspopsongs schrecklich und blicken der Adventszeit deshalb schaudernd entgegen - für die meisten gehören sie aber einfach dazu.

Für viele ist es eine erlösende Nachricht der «Queen of Christmas»: Mariah Carey lässt ihre Fans nicht länger mit dem 27 Jahre alten Weihnachts-Superhit «All I Want For Christmas Is You» darben. Jetzt ist auch der Gospel-Soul-Song «Fall In Love At Christmas» da, den die 52-Jährige mit ihren US-Kollegen Khalid und Kirk Franklin im festlich geschmückten Ambiente präsentiert. Weder Klingglöckchen und Winterwind-Geräusche noch Careys berühmt-berüchtigter Power-Gesang dürfen fehlen – und fertig ist der nächste Welterfolg vom Reissbrett, wie riesige Abrufzahlen bei Spotify und Youtube sofort zeigen.

«Fall In Love At Christmas» von Mariah Carey, Khalid und Kirk Franklin. (Video: Youtube)

Doch damit nicht genug: Auch das neue Album von Abba enthält einen Song fürs Fest. Zu Spieluhrenmelodie und Kinderchor-Gesang geht es um eine Weihnachtsmorgen-Idylle – und niemand sollte sich wundern, wenn das Lied in Kürze als nächste Single der nach 40 Jahren zurückgekehrten schwedischen Pop-Legenden ausgekoppelt wird. «Little Things» sei aber auch «eine Klasse für sich», schwärmt Alain Barthel, Geschäftsführer der Fan-Webseite ABBA.de. Ein Weihnachtslied von Abba sei seit langem ein grosser Wunsch der Fangemeinde gewesen. Skål! – das Sensations-Comeback mit dem Album «Voyage» macht’s nun möglich.

«Little Things» von Abba. (Video: Youtube)

Für Abba ist es eine Premiere, für Mariah Carey schon Routine – in jedem Fall sind Weihnachts-Songs für Popmusiker oft eine lukrative Sache, die meisten versuchen es daher irgendwann mal. Das Internet fördert viele nahe liegende Beispiele zutage, aber auch weniger Erwartbares und Schräges – von Tom Waits und Bob Dylan bis zu den US-Punks Ramones oder den Elektro-Fricklern Radiohead. Kommerzielles Kalkül, Sentimentalität, religiöse Gründe – was steckt dahinter?

Was steckt hinter den Hits?

«Diese Dinge spielen alle eine Rolle», sagt Professor Udo Dahmen (70), künstlerischer Direktor und Geschäftsführer der renommierten Popakademie Baden-Württemberg, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. «Zunächst mal sind ja mit Weihnachten meist positive Dinge verbunden, gar nicht unbedingt nur in christlichen Zusammenhängen. Zum anderen ist es manchmal so, dass man als Musiker für die eigene Fangruppe auch etwas Weihnachtliches veröffentlichen möchte. Oder man will sich damit breiter aufstellen, um Zielgruppen zu erreichen, die man sonst nicht unbedingt erreichen würde.»

Ein Ende der auf Weihnachten zielenden Veröffentlichungspolitik sei daher nicht in Sicht, sagt Dahmen. «Natürlich hört das nie auf – ähnlich wie beim Sommerhit. Beides zieht jedes Jahr so viele Käufer an, dass keine Tonträgerfirma daran vorbeigehen kann.» Manches Lied sei durchaus berechnend komponiert, etwa mit den fast unvermeidlichen Jingle Bells im Hintergrund: «Bestimmte Bestandteile müssen in diesen Songs vorkommen, damit sie ein grosses Publikum erreichen», so der Mannheimer Pop-Experte. Damit werde «ein melancholisch-romantisches Gefühl für Weihnachten» bedient.

Es geht auch ohne Klischees

Liegen «Christmas-Pop» und Kitsch also stets nah beieinander? «Natürlich kann man das auch anders machen», sagt Dahmen. Er nennt den wohltätigen Song «Do They Know It’s Christmas» (1984) von Band Aid für Hungernde in Afrika. Oder «Fairytale Of New York» (1988) von der Folk-Punk-Band The Pogues, ein hymnisches Säufer-Melodram ohne Klischees und wohl eines der schönsten modernen Weihnachtslieder überhaupt. «Aber in der Tat, um eine grosse Breite zu erzielen, sind halt diese typischen Elemente wichtig – selbst in Australien, wo eigentlich Sommer ist, hört man dann diese Winter-Songs.»

«Fairytale Of New York» von der Folk-Punk-Band The Pogues. (Video: Youtube)

Immer nur «Last Christmas»?

Wenn man ihm in jeder Advents- und Weihnachtszeit nur oft genug ausgesetzt war, nervt allerdings wohl jeder weihnachtliche Popsong. Ein bekanntes Beispiel: «Last Christmas» (1984) von Wham!, für viele ein Hassobjekt, aber dennoch zuverlässig ein grosser Charts-Hit. «Viele Dinge entwickeln sich zu einer Art Selbstläufer, weil sie mit Weihnachten assoziiert werden», so erklärt sich Pop-Prof Dahmen den Dauerbrenner. Dabei gebe es als Alternative «eine grosse Bandbreite von unterschiedlichsten Veröffentlichungen, die für jeden Geschmack etwas bereithalten, um sich an Weihnachten in Stimmung zu bringen».

Last Christmas» von Wham! (Video: Youtube)

So haben Weihnachtspop-Fans auch ganz aktuell wieder beachtliche Auswahl: Neben den neuen Songs von Mariah Carey und Abba gibt es diverse frische Festtagsalben – von Künstlern wie Till Brönner (Jazz), Norah Jones (Folkpop), Roland Kaiser (Schlager), Pentatonix (A-Cappella), Lucinda Williams (Countryrock) oder Broilers (Punk). Und was hört der Professor selbst am liebsten? «Schwieriges Thema», sagt Udo Dahmen lachend. «Aber Becks «The Little Drum Machine Boy» finde ich schon ganz spannend.» Gut gemeinte Warnung: Für konservative Weihnachtsmusik-Konsumenten ist das Stück eher nichts.

Mal was anderes: «The Little Drum Machine Boy» von Beck. (Video: Youtube)

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