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Der Telebasel News-Beitrag vom 6. November 2021.
Baselland

Pratteln feiert seine Multikultur

Im Sommer findet in Pratteln das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest statt. Die Gemeinde möchte deshalb ihre verschiedenen Wurzeln und Kulturen feiern.

Draussen wird Paella gekocht, drinnen gejodelt. Als Einstimmung auf das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest (ESAF) will man die verschiedenen Identitäten und Wurzeln der verschiedenen Einwohner Prattelns vereinen. Mit dem Anlass «Tracht lacht – Brauchtum verbindet», der als Ouvertüre fungiert, möchte die Gemeinde ihre Multikulturalität und die verschiedenen Trachten feiern. Denn wo verschiedene Kulturen aufeinander prallen, gibt es mindestens einen gemeinsamen Nenner: die Tracht.

«Mit unserer Kleidung drücken wir aus, was uns wichtig ist, was uns ausmacht, wer wir sind. Und wenn das Kleidungsstück eine Tracht ist, dann kommt unsere ganze kulturelle Herkunft – unsere Wurzeln – dazu. Stellt euch vor, wenn jetzt unser ganzes, multikulturelles Pratteln in seinen verschiedenen Trachten kommen würde – was gäbe das für eine Farbenpracht! Und genau darum geht es in unserem Projekt ‘Tracht lacht – Brauchtum verbindet’. Es geht um das Feiern dieser Vielfalt», sagt Projektleiterin Andrea Sulzer.

Trachten sind für junge SchweizerInnen out

Das Brauchtum rund um die Tracht ist bei uns heute etwas in Vergessenheit geraten. Die wenigsten wissen noch, dass es in der Schweiz 700 verschiedene Trachten gibt. Doch was Junge bei uns eher verstaubt und altmodisch finden, wird in anderen Kulturen mit Stolz getragen. Saruga Kunaratnam, die eine tamilische Tanzgruppe leitet und Botschafterin des Projekts ist, findet das schade. «In der Schule habe ich meinen Schweizer Kolleginnen meine Saris gezeigt und sie waren immer sehr interessiert. Sie wollten sofort zu mir nach Hause kommen, wollten Saris probieren, den Tanzstil sehen und kamen auch an meine Auftritte. Ich dachte dann ‹Hey, was ist denn bei euch so besonders, was sind eure Kleider?› und bis heute konnte mir das niemand beantworten.»

Das Wissen soll nicht aussterben

Die Gefahr ist gross, dass das Wissen um Schweizer Trachten ausstirbt. Sandra Gysin ist aus diesem Grund in die Fussstapfen ihrer Mutter getreten und hat die Ausbildung zur Kantonalen Trachtenschneiderin gemacht. Einen Kulturschock hat es bei ihr heute jedoch nicht gegeben. «Ich finde es gibt sehr viele Gemeinsamkeiten. Ich habe vorher Gespräche geführt und es gibt viele Kulturen, die denselben Hintergrund haben wie wir. Dass es mit der Religion zusammenhängt, was es für Stickereien gibt. Ich finde es sehr eindrücklich, dass es ja weit weg ist, also tausende Kilometer, aber es den gleichen Sinn dahinter hat.»

Zwei Herzen in einer Brust

Unter den Mitorganisatorinnen des Anlasses ist auch Shqipe Sylejmani, Autorin des Integrationsromans «Bürde & Segen». «Das Leben mit zwei Herzen in der Brust gestaltet sich einfacher, wenn man diese Welten vereinen darf», erklärt die gebürtige Prattlerin. «Das ist es, was für mich die Gemeinde Pratteln und allgemein die Schweiz ausmacht. Es kommen so viele Kulturen auf einem Haufen zusammen und es entwickelt sich eine neue Kultur. Gerade werden tamilische Tänze zu Schweizer Liedern angewandt und das berührt einem. Egal ob man zur einen oder anderen Kultur gehört, man hat eine gewisse Identität und eben, Kulturen verbinden.»

Tamilische Tänze zu Ländlern

Zwei verschiedene Kulturen als Identität zu haben, ist für viele Schweizerinnen und Schweizer Realität. Den tamilischen Tanzstil hat Saruga Kunaratnam deshalb mit Schweizer Volksmusik gemischt. «Mit der Begründung, dass ich zeigen wollte, dass wir ja eigentlich SchweizerInnen sind und wir mit unserem Ursprung auch die Schweizer Kultur darstellen können. Weil das ja auch der Grund der Veranstaltung ist, dass Brauchtum verbindet, wollte ich die tamilische mit der Schweizer Kultur verbinden.»

Ausstellung «Schwingen trifft Pratteln»

Das Museum Bürgerhaus vertieft die Thematik ab Mai 2022 in der Ausstellung «Schwingen trifft Pratteln». Verschiedene Körperbilder und Kleidungsstücke aus Sport- und anderen Vereinen zeigen das Spannungsverhältnis von Fremdheit und Vertrautheit auf, wenn Tradition auf eine multikulturelle Gemeinde trifft.

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