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Telebasel Report vom 3. November 2021.
Region

Junge Frauen kehren Verhütungspille den Rücken

60 Jahre Antibabypille – anstatt die revolutionäre Erfindung zu feiern, wenden sich immer mehr junge Frauen von ihr ab. Der Report auf der Suche nach Gründen.

Als «Revolution» bezeichnet Brigitte Frey, Chefärztin der Frauenklinik am Kantonsspital Baselland die Einführung der Antibabypille vor 60 Jahren. Zum ersten Mal überhaupt seien Frauen in der Lage gewesen, selbstbestimmt über Schwangerschaft oder Nicht-Schwangerschaft zu entscheiden.

Als «grosse Errungenschaft», die den Frauen die Angst vor einer unerwünschten Schwangerschaft nahm und ihnen dadurch eine entspanntere Sexualität gab, bezeichnet Sibil Tschudin, Leitende Ärztin Gynäkologische Sozialmedizin und Psychosomatik, den historischen Wert der Antibabypille.

Doch davon wollen junge Frauen heute nichts mehr wissen.

Keine Lust auf Pille schlucken: Junge Frauen kehren der Antibabypille den Rücken. (Bild: Pexels)

Selbstbestimmung selbstverständlich

«Für mich war immer klar, dass nur ich darüber entscheide, ob ich schwanger werde oder nicht», sagt etwa Mira Rauscher (22). Mit diesem Bewusstsein sei sie aufgewachsen. Die Pille ist demnach nur eine von vielen Möglichkeiten, eine solche Schwangerschaft vorzubeugen.

Ähnlich sieht es Tanja Ruoff, 20 Jahre alt. Man sei damals wohl froh gewesen, dass es überhaupt endlich etwas gebe. Heute jedoch gebe es verschiedene Möglichkeiten, die «vielleicht gescheiter sind als die Pille», sagt sie.

Klare Tendenz: Bei den beiden jüngsten Altersgruppen nimmt das Interesse an der Pille deutlich ab. (Grafik: Telebasel)

Verhüten mit Pille nimmt ab

Dass immer mehr junge Frauen der Pille den Rücken kehren, zeigt sich auch in der Statistik. Seit 1992 befragt der Bund die Bevölkerung regelmässig nach ihren Verhütungsgewohnheiten. Gaben damals in der Kategorie der 15 bis 24-Jährigen noch knapp 80 Prozent aller Frauen an, mit der Pille zu verhüten, so sind es in der neusten Befragung aus dem Jahr 2017 gerade noch 56 Prozent. Ähnlich die Situation bei den 25 bis 34-Jährigen (62 Prozent im Jahr 1992 zu 39 Prozent im Jahr 2017).

Die Studie kommt daher zum Schluss, dass bei der Verwendung der Pille im Generationenvergleich «eine klare Verhaltensänderung» festzustellen sei. Und zwar «insbesondere bei den jüngsten Generationen».

So liegt eine Hormonspirale am Ende in der Gebärmutter. Wer ganz auf Hormone verzichten möchte, entscheidet sich für eine Kupferspirale oder -kette. (Bild: Telebasel)

Ablehnung von täglichem Hormoncocktail

Die Gründe für die Abkehr von der Verhütungspille seien oft sehr individuell. Auffällig sei jedoch die vermehrt grundsätzliche Ablehnung von Hormonen, die dem Körper Tag für Tag zugeführt würden, beobachten sowohl Brigitte Frey am KSBL, wie auch Sibil Tschudin am Unispital.

Letztere hat sogar empirisch nachgewiesen, was Brigitte Frey am KSBL längst vermutet: Nämlich, dass die Abkehr von der Pille oftmals auch mit einem Wandel im Lebensstil zusammenhängt. Bei einer Frau, die mehrmals wöchentlich Sport treibe, viel Obst und Gemüse esse, Fleischkonsum meidet und nicht raucht, sei die Wahrscheinlichkeit, dass diese ohne Pille verhütet, signifikant höher.

Aber was sagen die betroffenen Frauen selbst? Der Telebasel Report hat mit drei jungen Frauen gesprochen und zeigt, weshalb immer mehr Junge keine Lust mehr haben auf einen täglichen Hormoncocktail.

Telebasel Report: Mittwoch, 3. November 2021 um 19:45 Uhr im TV und schon jetzt online!

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