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Der Telebasel Newsbeitrag vom 24. Oktober 2021.
Basel

«Steuererhöhung ändert Standortattraktivität von Basel»

Im Interview erklärt Ökonomieprofessor Kurt Schmidheiny, was die von der OECD geplante Steuererhöhung für Firmen auf den Standort Basel für Auswirkungen hat.

Multinationale Konzerne sollen auf der ganzen Welt mit einem Steuersatz von mindestens 15 Prozent besteuert werden. Betroffen davon sind auch Firmen in der Schweiz insbesondere die Pharmaunternehmen in Basel Roche und Novartis. Kurt Schmidheiny Professor für Ökonomie und angewandte Ökonometrie an der Universität Basel ordnet ein.

Wie werden die Firmen auf die Steuererhöhung reagieren?

Kurt Schmidheiny: In der Schweiz sind einige Firmen betroffen (Anmerkung: Pillar One gilt ab 20 Mia, also für ca. 100 Unternehmen weltweit. Pillar Two mit der Mindeststeuer gilt ab 750 Mio Umsatz. Das betrifft weltweit Tausende von Unternehmen). In Basel-Stadt haben wir jetzt einen Steuersatz von 13 Prozent. Wahrscheinlich ist der Anstieg für die Firmen noch grösser, da diese momentan von der Lizenzbox profitieren. In Basel haben die grossen Konzerne so deutlich unter 13 Prozent bezahlt. Für diese Firmen ist die Erhöhung auf 15 Prozent ein grosser Anstieg. Es gibt vielleicht multinationale Konzerne, die deswegen wegziehen oder andere die sich überlegt haben eine Tochtergesellschaft zu gründen und das aber nicht mehr machen. Vielleicht sind diese Effekte am Ende aber gar nicht so gross, da es keine Orte gibt auf welche die Firmen ausweichen können.

Was passiert mit den Mehreinnahmen durch die Mindestbesteuerung? 

Ich gehe nicht davon aus, dass wir in Basel in den nächsten Jahren mit wahnsinnig viel mehr Einnahmen rechnen können.

Tiefe Steuern waren bisher ein grosser Standortvorteil. Ändert das jetzt?

Ja, grundsätzlich ändert sich die Standortattraktivität. Bisher haben wir als Schweiz als Ganzes sehr auf diesen Vorteil gebaut. Die Schweiz hat tiefe Steuern, das hat grosse Firmen angezogen. Das werden wir in Zukunft weniger als Vorteil ausspielen können. Damit werden andere Standortfaktoren wichtig.

Warum hat sich die Schweiz nicht gegen die Mindestbesteuerung gewehrt?

Die Schweiz hat den pragmatischen Weg gewählt und hat probiert, konstruktiv mitzureden. Beim Steuersatz etwa standen mehr als 20 Prozent zur Debatte, was viel drastischere Auswirkungen auf die Schweiz gehabt hätte. Ich glaube mit 15 Prozent können wir leben.

1 Kommentar

  1. Es ist historisch bewiesen dass hohe Spitzensteuersätze zu weniger und nicht zu mehr Steuereinnahmen führen. Ausserdem ist es ein schuss ins eigene Bein Firmen durch höhere steuern mehr geld wegzunehmen dass für innovation eingesetzt werden könnteReport

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