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Der Telebasel News Beitrag vom 22. Oktober 2021.
Basel

Der «geheime» Turm öffnet seine Türen für ganz Basel

Die BIZ lädt zu einer Ausstellung über ihre 90-jährige Geschichte ein. Erstmals seit langer Zeit ist der Turm somit teilweise öffentlich zugänglich.

Eigene Geldscheine kreieren und drucken oder Münzen durch eine 3-D-Brille betrachten. Erstaunlich verspielt zeigt sich die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). Normalerweise ist der Zutritt zum «Turm zu Basel» für die Allgemeinheit tabu. Ab Dienstag ändert sich das, zumindest für ein paar wenige Tage. Mit einer Ausstellung erinnert die BIZ an ihr 90-jähriges Bestehen. Genau genommen hat sie schon 91 Jahre auf dem Buckel. Coronabedingt musste die Ausstellung vom Jubiläumsjahr 2020 auf dieses Jahr verschoben werden. Mit Filmen, Grafiken und Projektionen, aber auch Äpfeln und halbierten FCB-Bällen versuchen die Macher, dem Publikum abstrakte Finanzkonzepte näherzubringen. Daneben kann man auch selbst Hand anlegen, wie eben bei den selbstgemachten Banknoten.

Wieso Basel zur Hauptstadt der Zentralbanken wurde

In einem einzigen Satz ist die Arbeit der BIZ schliesslich schwer zu fassen. Schliesslich hat sich ihr Fokus seit der Gründung 1930 stark verändert. Ursprünglich wurde sie nicht nur als Bank der Zentralbanken ins Leben gerufen. Sie verwaltete auch Deutschlands Reparationszahlungen aus dem Ersten Weltkrieg.

Piet Clement, der als Historiker bei der BIZ die Ausstellung konzipierte, erklärt, warum die Standortwahl ausgerechnet auf Basel fiel. Zum einen wollten die Gründer in der Zwischenkriegszeit den Sitz in einem neutralen Land. Bei der Wahl zwischen den Schweizer Städten spielten noch andere Kriterien eine Rolle. «Man soll nicht vergessen, dass damals die meisten Leute im Zug reisten. Basel verfügte und verfügt immer noch über eine ausgezeichnete Anbindung an das Eisenbahnnetz in Europa», sagt Piet Clement. «Und weil Basel genau auf der deutsch-französischen Grenze liegt». Dies sei gerade in Bezug auf die Reparationszahlungen zwischen Deutschland und Frankreich von Bedeutung gewesen.

Dunkles Kapitel in der Geschichte

Zu reden gab vor allem in den Neunzigerjahren ein dunkles Kapitel der Geschichte, die Rolle der BIZ während des Zweiten Weltkriegs. Offiziell suchte sie weiterhin den neutralen Weg. «Nach dem Krieg hat sich herausgestellt, dass das nicht immer gelungen ist», gibt Piet Clement zu bedenken. Er erwähnt die Zahlungen der Deutschen Reichsbank an die BIZ, unter anderem mit Gold aus besetzten Gebieten. Daher habe eine historische Aufarbeitung stattgefunden, um das Raubgold den rechtmässigen Eigentümern zurückzugeben. «Die BIZ hat sich grosse Mühe gegeben, sich damit auseinanderzusetzen», sagt Piet Clement. Er erwähnt dabei den Zugang zu den Archiven und die Zusammenarbeit mit der Bergier-Kommission.

Steigende Bedeutung der Schwellenländer

Was als europäische Angelegenheit begann, dehnte sich im Laufe der letzten Jahrzehnte auf weitere Kontinente aus. Die Anzahl Mitglieder hat sich in den letzten 25 Jahren verdoppelt. Dabei stiessen vor allem Zentralbanken aus Schwellenländern zur BIZ. «Dieser Übergang von einer europäischen zu einer globalen Institution ist wirklich ein Meilenstein», sagt Piet Clement. Themen wie Kryptowährungen und finanzielle Integration spielten vermehrt eine grössere Rolle bei der BIZ.

Mit dem jetzigen Generaldirektor, dem Mexikaner Agustín Carstens, ist auch jemand am Ruder, der die Situation in Schwellenländern aus eigener Erfahrung kennt. Carstens amtete vorher als Finanzminister und Zentralbankchef in Mexiko. Das Thema Inflation beschäftigt ihn seit der Kindheit. «Wenn man in einen Bus steigen will und das Geld nicht reicht, weil die Preise gestiegen sind, das ist mir sehr in Erinnerung geblieben», so Agustín Carstens gegenüber Telebasel. «Ich wollte das Problem schon damals verstehen und das wurde dann zu einer Lebensaufgabe von mir», sagt Agustín Carstens und lacht.

Die Ausstellung «BIS 90 years» dauert vom 26. Oktober bis zum 4. November. Der Eintritt ist frei, benötigt wird ein Ausweis mit Foto.

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