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Der Telebasel News Beitrag vom 21. Oktober 2021.
Basel

«Why do you hate Beuys?» – Ausstellung zum 100. Geburtstag

Dieses Jahr wäre Joseph Beuys 100 Jahre alt geworden. Das Kunstmuseum würdigt den deutschen Künstler in einer performativen Ausstellung.

Heftig zu Reden gab Joseph Beuys in Basel schon 1977. Damals kaufte das Kunstmuseum ein Werk, welches sogar dem «Blick» eine Schlagzeile wert war. «Kunst oder Bluff? Dieses Objekt kostet Basler Steuerzahler 150’000 Franken!» Für einen kleinen Holzwagen, ein paar Eisenstangen und einen mit Filz umwickelten Spazierstock gab das Kunstmuseum umgerechnet 300’000 Franken aus, was viele Basler erboste. Denn die Hälfte wurde durch Steuergelder bezahlt. Das sollte Kunst sein?

Das Kunstwerk «Feuerstätte» (1968-1974) von Joseph Beuys. (Bild: Keystone)

«Why do you hate Beuys?»

Seine performativen Werke konnte manch einer in den 60er-Jahren nicht so richtig fassen. Er holte bestimmt nicht alle Leute damit ab, stiess jedoch grosse Diskussionen an, erklärt Kunsthistorikerin Jules Pelta Feldman: «Why do you hate Beuys? Ich glaube es gibt viele Leute und Künstler, die diese Frage gar nicht verstehen würden und andere, die doch eine Art Hass auf Beuys haben.»

Beuys› Fussabdrücke in Basel

«Ich sage immer, er hat die internationale zeitgenössische Kunst nach Basel gebracht – und zwar 1969. Also genau ein Jahr bevor die Art Basel gegründet wurde», erzählt Maja Wismer, Leiterin des Kunstmuseum Gegenwartskunst. «Das war der Moment, als in der Nachkriegszeit die zeitgenössische Kunst, wie wir sie heute kennen, mit einem Kunstbetrieb, einer Marktpräsenz und grossen Ausstellungshäusern entwickelt hat.» Deshalb sei Beuys eine solch wichtige Referenz für das Museum Gegenwartskunst und mit der Grund, warum man seinen 100. Geburtstag gebührend feiern wolle.

24 Stunden für Josef Beuys

Am Samstag wird das Museum zur Bühne umfunktioniert. Eine Szenografie aus Matratzen und Metall wird während 24 Stunden für all das benutzt, was man mit performativer Kunst assoziiert. In der Veranstaltung «24 Stunden – für Josef Beuys» werden unter anderem Performances mit rund 30 Gästen aus der Kunstszene durchgeführt, darunter auch mit Jules Pelta Feldman.

«Wenn wir über Performancekunst nachdenken, meinen wir, man könne sie nicht für die Zukunft aufheben. Es ist etwas Flüchtiges und dann verschwindet es. Es wird aber immer häufiger der Fall, dass Museen Performancekunst sammeln, dass Performancekünstlerinnen und -künstler erwarten, dass die Kunst am Leben erhalten wird. Da stellt sich die Frage: Wie macht man das? Eine Möglichkeit ist, dass man die Performances immer wieder macht, als eine Form der Konservierung. Und deshalb werde ich versuchen, mit dem Publikum eine Fluxus-Performance zu machen.»

Mitbegründer der Fluxus-Bewegung

Beuys gilt als Mitbegründer der sogenannten Fluxus-Bewegung der 60er-Jahre. «Die haben sich dadurch ausgezeichnet, dass sie Kunst nicht als statisches Objekt an der Wand oder auf dem Sockel sehen wollen, sondern dass klar war, dass Kunst etwas mit dem Leben zu tun hat», erklärt Maja Wismer. Das habe sich damals schon in einem 24-Stunden-Happening geäussert. Jetzt will das also auch das Kunstmuseum machen und versucht so, ein Stück Josef Beuys in die Gegenwart zu holen.

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