Featured Video Play Icon
Der Telebasel Newsbeitrag vom 19. Oktober 2021.
Basel

Die Mumie vom Barfi

Im Naturhistorischen Museum ist die Mumie aus der Barfüsserkirche für kurze Zeit zu sehen. Nun ist auch mehr über das Leben der 1787 verstorbenen Frau bekannt.

Birgitta Stawe-Dernhagen ist extra aus Stockholm angereist. Sie beschäftigt sich mit Genealogie. Von einem Forscher aus Basel hat sie erfahren, dass sie mit der Mumie aus der Barfüsserkirche verwandt ist. «Ich habe vorher nichts davon gewusst und erst vor wenigen Monaten davon erfahren, dass ich eine Urenkelin sechsten Grades von ihr bin», sagt sie gegenüber Telebasel. «Jetzt bin ich froh, dass ich sie kennenlernen darf», sagt die Schwedin und blickt auf die Mumie in der Glasvitrine. Nun weiss Birgitta Stawe-Dernhagen auch, dass sie einen prominenten Politiker in der fernen Verwandtschaft hat: Der britische Premierminister Boris Johnson ist ebenfalls ein Nachfahre der Basler Mumie.

Pfarrersfrau, siebenfache Mutter, Syphiliskranke

1975 stiessen Bauarbeiter im Chor der Barfüsserkirche auf eine Grabkammer. In einem Sarg stiessen sie auf die mumifizierten Überreste einer Frau. Lange blieb die Mumie aus der Barfüsserkirche namenlos. 2015 machte sich ein internationales Forschungsteam unter der Leitung des Naturhistorischen Museums daran, Hinweise auf die Biografie der Verstorbenen aufzuspüren. Mehr als 40 ExpertInnen aus Natur- und Geisteswissenschaften arbeiteten daran. Vor drei Jahren gelang es den Wissenschaftlern, die Mumie zu identifizieren.

Es handelt sich um Anna Catharina Bischoff (1719-1787). Sie war Pfarrersfrau und siebenfache Mutter, wobei nur zwei ihrer Kinder überlebten. Aufschluss darüber gab eine Aktennotiz aus dem Jahr 1843. Bei Arbeiten an den Gräbern bei der Barfüsserkirche beschrieb der Bauleiter die Mumie. «Anschliessend mussten wir mithilfe der Genetik überprüfen, ob das stimmt und suchten nach Nachfahren», erklärt Gerhard Hotz, Anthropologe beim Naturhistorischen Museum. Eine Speichelprobe bestätigte Jacqueline Rosemary Probst-Ryhiner als Nachfahrin und so konnte der Stammbaum rekonstruiert werden.

Reformierte Bescheidenheit statt Prunk

Nach und nach wurde das Forschungsteam fündig. Als einziges Schriftstück von ihr existiert eine Unterschrift von ihr für das Strassburger Taufregister für ihr Gottenkind. «Anna Catharina Bischoff gehörte zur sozialen Oberschicht, sie ist eine Bischoff, sie heiratete einen Gernler», erklärt Gerhard Hotz. «Als Pfarrersfrau war sie sicher nicht die reichste, aber wir haben ein Nachlassinventar gefunden, sie war gut betucht und konnte gut durchs Leben gehen». Auch die Kleiderfetzen im Grab geben Aufschluss. «Als Angehörige der reformierten Oberschicht wurde sie aber zur Bescheidenheit angehalten, man prunkt nicht, sondern zeigt, dass man bescheiden ist und so wurde sie auch bestattet», so Gerhard Hotz.

Anna Catharina Bischoff starb mit 68 Jahren, was für damalige Verhältnisse ein stolzes Alter war. Die Todesursache ist bekannt. «Wir haben am Kopf und an den äusseren Teilen Hinweise darauf gefunden, dass sie Syphilis hatte», erklärt Gerhard Hotz. «Wir gehen auch davon aus, dass sie in Basel mit Quecksilberdämpfen behandelt wurde gegen Syphilis und das ist auch der Grund, wieso sich die Mumie so gut gehalten hat».

An der kleinen Sonderausstellung im Naturhistorischen Museum ist die Mumie vom 20. Oktober bis am 2. Januar zu sehen. Zudem erscheint nun die Publikation «Anna Catharina Bischoff. Die Mumie aus der Barfüsserkirche» beim Christoph Merian Verlag.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Mehr aus dem Channel