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Der Telebasel News Beitrag vom 15. Oktober 2021.
Baselland

«Reihe von Zufällen» sorgte für Explosion in Kirche Wintersingen

Rund zehn Monate nach der Explosion in der Kirche Wintersingen ist die Ursache nun wohl bekannt. Die Renovationskosten belaufen sich auf rund 400'000 Franken.

Am Morgen des 8. Dezembers 2020 kam es in der Kirche von Wintersingen zu einer Explosion. Zum Zeitpunkt des Unglücks befanden sich keine Personen im Gotteshaus. Der Schaden wurde durch den Sigrist entdeckt. Dieser wollte die Kirche für einen Anlass an diesem Dienstag vorbereiten.

Offensichtlich war ein elektrischer Schaltschrank explodiert. Über die Ursache wurde lange spekuliert. Martin Innerbichler ist Verwalter der Stiftung Kirchengut BL, welche für dieses reformierte Kirchengebäude zuständig ist. Wie er sagt, konnte die Ursache nicht sofort gefunden werden. Lange Ermittlungen der forensischen Abteilung der Polizei und der Versicherungen folgten. Ein Anschlag konnte schon bald ausgeschlossen werden.

Kurzschluss tief im Untergrund

Nach langen Ermittlungen, bei denen auch abgeklärt wurde, ob allenfalls Gase aus der Kanalisation ins Gebäude gelangen konnten oder ob im Schaltschrank durch Feuchtigkeit allenfalls explosives Wasserstoffgas entstehen konnte, scheint die Ursache nun gefunden zu sein. Zwar ist der offizielle Untersuchungsbericht noch nicht abgeschlossen, laut Martin Innerbichler sei aber wohl ein Kabel im Untergrund für das Unglück verantwortlich.

Am Kabel, welches vom Schaltschrank aus die Bodenheizung mit Strom versorgt, sei ein grosser Schaden entdeckt worden. Offensichtlich wurde die Isolation des Kabels irgendwie beschädigt, der Strom konnte sich einen anderen Weg suchen. Dabei entstanden so hohe Temperaturen, dass das Kupfer schmolz. Und dabei müssen auch explosive Gase entstanden sein.

Diese seien dann wohl dem Kabelschacht in den Schaltkasten gefolgt, so Innerbichler. Dort habe sich dann ein gefährliches Luft- / Gasgemisch gebildet. Ein kleiner Funke, etwa durch das Schalten eines Relais, habe dann genügt, um die Explosion auszulösen.

Es hätte auch Gläubige treffen können

Martin Innerbichler sei gottenfroh, dass zur Zeit der Explosion keine Menschen im Gebäude waren. «Es ist nicht abzuschätzen, was hier hätte passieren können.» Der Schaden war beträchtlich. Der kleine Raum, in dem der Elektrokasten stand, wurde verwüstet. Trümmerteile flogen durch die ganze Kirche. Sicherungen wurden zugeschossen. Sogar die Pfeifen der Orgel wurden aus ihrer Verankerung gerissen. Auch die massive Eichentüre beim Eingang wurde beschädigt, wie Innerbichler erklärt: «Das ist eine währschafte Türe mit Beschlägen. Da unten hat es den Riegel abgejagt, hier hat es die Türe gespalten.»

Martin Innerbichler von der Stiftung Kirchengut BL erklärt, welchen Schaden die Explosion angerichtet hat und wie schwierig die Suche nach der Ursache der Explosion war. (Video: Telebasel)
Nun steht die Renovation der Kirche an. Ein Grossteil der Elektrik muss erneuert werden. Zudem müssen alle Wände und Decken vorsichtig gereinigt werden. «Es ist eine grosse Herausforderung, dass man die historischen Bauteile und Malereien so erhalten kann, dass nichts kaputtgeht.» Die Kosten belaufen sich auf rund 400’000 Franken. Den grössten Teil davon übernehmen die Versicherungen.

Alte Baukunst half, den Schaden klein zu halten

Unter dem Strich kann man sagen, dass die alte Kirche die Explosion gut überstanden hat. Die Statik sei geprüft worden und immer noch intakt. Und auch die alten Fenster wurden erstaunlicherweise nicht beschädigt. Das liege wohl daran, dass diese relativ locker montiert sind und ein gewisses Spiel haben, erklärt Innerbichler. «Spannungen, welche im Mauerwerk sind, können die Fenster und Rahmen sehr gut aufnehmen. Und jetzt bei dieser Explosion konnte das mitschwingen.»

Wenn alles nach Plan läuft, soll die Kirche zu Weihnachten wieder eröffnet werden.

Kirche ist eine Besonderheit

Bereits 1196 wurde zum ersten Mal eine Kirche im Ort urkundlich erwähnt. Wegen der vielen Gläubigen wurde das Gotteshaus 1776 umgebaut. Seit dann hat sie eine Winkelform mit zwei rechtwinklig zueinander angeordneten Kirchenschiffen. Schweizweit gibt es nur zwei solcher Winkelhakenkirchen. Die Kirche von Wintersingen spielte auch eine prominente Rolle in der diesjährigen Sommerserie von Telebasel. Redaktor Michel Schultheiss besuchte das Gotteshaus auf seiner Wanderung von Gelterkinden nach Hersberg.

Episode der Sommerserie auf Telebasel vom 3. August 2021. (Video: Telebasel)

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