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Sehen Sie hier die Medienkonferenz mit Bundesrat Alain Berset im Rückblick. (Video: Youtube/Der Schweizerische Bundesrat)
Schweiz

Berset: «Wir brauchen noch eine Million geimpfte Schweizer»

Gesundheitsminister Alain Berset informiert zur geplante Impfoffensive. Die Pläne für Gutschein-Belohnungen liess die Regierung fallen.

Der Bundesrat geht in die Impfoffensive: Mit maximal knapp hundert Millionen Franken will er in den kommenden Wochen und Monaten dafür sorgen, dass die Impfquote schneller steigt. Nicht zu den beschlossenen Massnahmen gehören die 50-Franken-Gutscheine für Überzeuger.

Die Konsultation habe gezeigt, dass zahlreiche Kantone eine 50-Franken-Belohnung für Impf-Motivatoren ablehnten, schrieb der Bundesrat zu seinem Entscheid vom Mittwoch. Der Entscheid für die Impfung solle nicht durch zusätzlichen Druck oder durch monetäre Anreize gefällt werden, sondern aus gesundheitlichen Überlegungen und aus Solidarität, lautete der Tenor aus den Kantonen.

Gesundheitsminister Alain Berset hatte die Idee der Belohnung vor zwei Wochen selbst als «unkonventionell» bezeichnetet. Forscher sagten, es sei möglich, dass sich die Impfquote mit diesen anvisierten Impfgutscheinen erhöhen lasse. Eine Evidenz sei aber schwierig nachzuweisen.

Weit vom Impfziel entfernt

Auch ohne Gutscheine besteht die nun vom Bundesrat beschlossene Impfoffensive aus mehreren Pfeilern: aus einer nationalen Impfwoche vom 8. bis 14. November, aus einer Aufstockung von mobilen Beratungs- und Impfstellen für einen niederschwelligen Zugang zur Impfung und aus einem neuen Beratungsangebot mit geschulten Personen für individuelle Gespräche.

Dadurch sollen Unentschlossene während mehrerer Wochen informiert und zu einem individuellen und möglichst einem positiven Impfentscheid bewegt werden, wie der Bundesrat schreibt. «Die Impfung bleibt das beste Mittel für den Ausstieg aus der aktuellen Krise.» Für eine Aufhebung der Schutzmassnahmen sei die Impfquote in der Schweiz noch zu tief.

Bei den erwachsenen Personen sind nach aktuellen Angaben des Bundes derzeit gut 61 Prozent vollständig geimpft. Damit die geltenden Massnahmen wie die ausgeweitete Zertifikatspflicht aufgehoben werden könnte, wäre laut dem Bundesrat eine Quote von 80 Prozent bei den 18- bis 65-Jährigen und von 93 Prozent bei den über 65-Jährigen nötig.

Für Lockerungen braucht es laut Berset eine Million mehr Geimpfte

Laut Gesundheitsminister Alain Berset könnten die Corona-Massnahmen wohl aufgehoben werden, wenn sich noch rund eine Million Menschen in der Schweiz für eine Impfung entscheiden würden. «Dann wären wir auf einem ähnlichen Niveau wie einige Nachbarländer.»

Mit jeder Impfung komme man dem Fernziel näher, die Pandemie zu kontrollieren, sagte Berset am Mittwoch vor den Medien in Bern. Deshalb gelte es, den Zugang zur Impfung für alle so leicht wie möglich zu machen. Alles dazu lesen Sie hier.

Brief an Bevölkerung

Gegenüber dem Konsultationsentwurf vor zwei Wochen nahm der Bundesrat neben dem Verzicht auf die 50-Franken-Gutscheine nur wenige Änderungen vor. Kurz gesagt lässt er den Kantonen mehr Spielraum bei der Umsetzung der Impfoffensive, indem er keine nummerischen Vorgaben betreffend Impfmobile und Berater macht.

Der Bundesrat ruft die Kantone, die Gemeinden und andere Partner generell dazu auf, Informationsveranstaltungen oder lokale Anlässe zur Information der Bevölkerung zu organisieren. Die Landesregierung wird sich in einem Brief an die Bevölkerung wenden, um die Bedeutung der Impfung zu unterstreichen.

Zudem soll die Zahl der mobilen Beratungs- und Impfstellen deutlich erhöht werden, wie der Bundesrat schreibt. Momentan gibt es rund fünfzig solcher Angebote. Schliesslich sollen Beratungspersonen impfwillige Menschen beispielsweise dabei unterstützen, ein Impfzentrum zu finden, eine Ärztin oder einen Arzt zu kontaktieren oder eine Übersetzerin oder einen Übersetzer hinzuzuziehen.

Lohnende Investition

Für den Bund fallen durch die Impfoffensive maximale Kosten von 96,2 Millionen Franken an, wie es in der Mitteilung heisst. Verglichen mit den Kosten der Wunschtests von rund 50 Millionen Franken pro Woche sei diese Investition nachhaltig.

Im Schnitt könne pro 100 Impfungen eine Hospitalisierung und pro 250 Impfungen eine Belegung auf der Intensivstation vermieden werden. Hinzu komme, dass durch die Vermeidung von Betriebsschliessungen weitere Kosten gespart werden könnten.

Die Kantone zeigten sich in den vergangenen Tagen bereit, die Impfanstrengungen noch einmal zu intensivieren. Sie wiesen den Bund jedoch darauf hin, dass ihnen die Fachkräfte fehlen. Dieser Mangel lasse sich mit finanzieller Unterstützung durch den Bund nicht einfach beheben, hiess es verschiedentlich.

«Keine Unterstützung für 50-Franken-Gutscheine»

Laut Gesundheitsminister Alain Berset hat der «etwas unkonventionelle Vorschlag» der 50-Franken-Gutscheine für Impf-Überzeuger keine grosse Unterstützung bei den Kantonen gefunden. Deshalb habe der Bundesrat die Idee fallengelassen.

Das sagte Berset am Mittwoch in Bern. Es sei jedoch nur logisch gewesen, über jede mögliche Lösung nachzudenken, welche die Impfquote erhöhe, verteidigte Berset den Vorschlag des Bundesrates. In der Schweiz gebe es eine grosse Skepsis gegenüber der Impfung.

Die Impfung sei aber der Weg aus der Krise. «Die Impfung schützt individuell, aber auch die ganze Gesellschaft», so Berset. Beim Coronavirus führe kein Weg daran vorbei, dass alle immun werden. Und weiter: «Wir sind Mitte Oktober nach wie vor in einer Situation, in der wir nicht genau wissen, wie sie sich entwickelt. Wir müssen jetzt die Kräfte bündeln, denn der Winter steht vor der Tür.»

Gesundheitsdirektoren: Gutscheine wären falsches Signal gewesen

Für die kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren ist der Verzicht auf Gutscheine zur Erhöhung der Impfrate gegen das Coronavirus folgerichtig. Belohnungen würden ein falsches Signal aussenden. Die grossangelegte Impfoffensive stosse allerdings an personelle Grenzen.

Gegen die Erweiterung der von den Kantonen bereits angebotenen mobilen Beratungs- und Impfstellen haben die Kantone nichts einzuwenden, wie die Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK) am Mittwoch mitteilte.

Die vom Bundesrat angestossene Impfoffensive hält ein Grossteil der Kantone angesichts der nach wie vor tiefen Impfrate für angebracht. In diesem Sinn findet auch die nationale Impfwoche Unterstützung.

Mobile Equipen im Einsatz

Die GDK weist weiter darauf hin, dass in über der Hälfte der Kantone mobile Equipen niederschwellige Impfungen anbieten. Mehrere Kantone haben zudem auf bestimmte Zielgruppen zugeschnittene Informationsangebote eingerichtet.

Gegenüber der individuellen Kontaktaufnahme mit der Bevölkerung durch Beraterinnen und Berater zeigen die Kantone gemäss der GDK eine «gewisse Offenheit». Allerdings äussern sie wegen des bestehenden Mangels an Fachpersonal Bedenken. Um diese Aufgabe erfüllen zu können, werden sie den Angaben zufolge auf die Unterstützung von Organisationen angewiesen sein.

Die Kantone erhalten nach den Plänen des Bundesrates indessen etwas mehr Flexibilität. So können sie selber über die Anzahl der Betriebstage und die Öffnungszeiten ihrer mobilen Angebote entscheiden, wie die GDK schrieb.

«Muss möglich sein, Personal für Impfoffensive zu finden»

Genug Personal zu finden für die beschlossene Impfoffensive, sei eine Herausforderung für die Kantone, räumte Gesundheitsminister Alain Berset am Mittwoch vor den Medien in Bern ein. Kurzfristig sei das kompliziert. «Aber es muss möglich sein, Personal für die Impfmobile zu finden.»

Die Kantone hatten in der Vernehmlassung kritisiert, Geld allein genüge nicht, wenn man die Fachkräfte für die Offensive nicht finde. Es könne nicht sein, dass der Bund jetzt die Aufgabenverteilung mit den Kantonen auf den Kopf stelle, so Berset. «Wie sonst denn wollen wir raus aus dieser Situation. Es muss einfach machbar sein.»

1 Kommentar

  1. Wie wärs wenn mit den Proteinimpfstoffen wie z.B. Novavax schneller weiter machen würde? Ich bin sich, jedenfalls trifft das auf mich zu, dass sich viele mit den altbewährten Impfungen behandeln lassen.Report

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