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Der Telebasel News Beitrag vom 11. Oktober 2021.
Baselland

Ihr fressen Kängurus und Wickelbären aus der Hand

Jeanette Egli aus Nenzlingen ist in der Schweiz die erste Anlaufstelle, wenn eine exotische Tierart in Not ist. Für die Tiere ist sie ein Ersatzmami.

Jeannette Egli betreibt in Nenzlingen zusammen mit ihrem Mann eine Aufzucht und Auffangstation für exotische Tiere. Fliegt ein illegaler Halter auf, stirbt eine Kängurumutter, oder ist ein Zoo mit der Aufzucht überfordert, ist Egli seit 40 Jahren die erste Anlaufstelle.

«Diese Wickelbären wurden vor zirka zwölf Jahren, weil sie illegal gehalten wurden, wurden sie beschlagnahmt und zu mir gebracht. Eigentlich sind sie wirklich wilde Tiere und es gibt nicht viele zahme Wickelbären. Meiner hier ist ein richtig lieber Kerl und springt immer auf meine Schulter und schmust mit mir.» Liebevoll streichelt die Tierschützerin über den Wickelbären und reicht ihm ein Würmchen.

Neues Zuhause für exotische Tiere

Auf dem Grundstück der Eglis sind nicht nur die Wickelbären zu Hause. Auch Affen, Kängurus, ein Emu und viele weitere Tiere haben hier ein neues Heim gefunden.

Der Tag der Familie Egli beginnt mit Putzen und Instandhaltung der Gehege. Danach wird das Essen für die Tiere gerüstet und je nach Bedürfnissen der Tiere klein oder grob gehackt. Finanzielle Hilfe für das Futter und Pflege der Tiere bekommt Jeannette Egli keine.

Die Solidarität zwischen den Tierschützern ist aber umso grösser: «Wir geben uns untereinander immer wieder Futter. Ausserdem bekomme ich von ein paar Bauern Heu für die Alpakas. Seit neustem darf ich auch bei Aldi zweimal in der Woche Futter holen. Das ist wirklich sehr grosszügig. Ansonsten finanzieren wir seit Jahren alles selber. Spenden sammeln war noch nie so mein Ding. Ich fand immer, wenn man die Tiere rettet und zu sich holt, muss man auch ein bisschen Geld im Hintergrund haben.»

Känguru-Ersatzmami

Immer wieder kommt ein Känguru-Baby zu Jeannette Egli. Die Tierschützerin wird dann automatisch zum Ersatzmami. «Die Känguru-Babys habe ich immer monatelang bei mir an meinem Körper. So haben sie das Gefühl, sie seien im Beutel. Auch in der Nacht sind sie bei mir und ich gebe ihnen den Schoppen mit der Milch, die ich aus Australien importiere. Bis sie selbständig sind, haben wir sie im Haus, danach können sie nach draussen. Diese Zeit ist so intensiv und schön. Die Tiere sind mir auch so ans Herz gewachsen, ich könnte sie nie an jemanden weitergeben.» Für die Haltung von Wallabies in der Schweiz gibt es einige Auflagen. Ausserdem braucht man einen Sachkundenachweis. Auch hier ist Jeannette Egli die erste Anlaufstelle in der Schweiz.

Für die Tierschützerin sind die Tiere auf ihrem Hof ein Teil ihrer Familie und wenn sie einmal ein Tier gehen lassen muss, trifft sie das hart. «Sie sind für uns wirklich fast wie ein Kind. Ein Jahr lang musst du hier sein und das Tier integrieren und aufziehen. Wenn man dann ein Tier gehen lassen muss, ist es wirklich hart. Die Bilder, wenn sie dich so anschauen und du sie einschläfern musst, vergisst du nie. Aber es gehört zum Leben. Du musst wissen, wann du das Tier erlösen musst. Liebe heisst auch loslassen», so Jeannette Egli im Interview.

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