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Der Telebasel News Beitrag vom 12. Oktober 2021.
Basel

FDP fordert unterirdische S-Bahn in Riehen

Angst vor einer Zweiteilung des Dorfs, Platzproblemen und Enteignungen: Die FDP fordert einen Tunnel für die S-Bahn. Ein Problem dabei ist die Kostenfrage.

Das Signal erklingt, die Barriere scheppert herunter. An der Schmiedgasse bildet sich eine Schlange. Es warten Lastwagen, Busse, Autos, Velos und FussgängerInnen. Viermal pro Stunde geschieht das bei den fünf Riehener Bahnübergängen. In Zukunft soll es das Doppelte sein.

Mit der geplanten Taktverdichtung der S-Bahn S6 dürfe es künftig mehr Wartezeit auf der Strasse geben. «Dann ist unser Dorf halbiert», befürchtet Dominik Tschudi vom Vorstand der FDP Riehen. Wie er betont, ist seine Partei nicht gegen die Taktverdichtung. Es könne aber nicht sein, dass die Landgemeinde mit mehr Bahnverkehr zweigeteilt werde. Daher fordern die Freisinnigen in einer Petition an den Kanton die Untertunnelung des S-Bahn-Abschnitts durchs Dorfzentrum.

Sorge Veloweg und Anrainer

Die Tunnelidee hat aber auch einen Grund. Die Taktverdichtung erfordert einen Ausbau der Doppelspur. Dominik Tschudi ist der Ansicht, dass es dafür zu eng ist im Dorfkern. «Riehen ist historisch um das eine Gleis herum gewachsen und es hat schlicht keinen Platz für ein zweites Gleis in dieser Konfiguration». Die FDP bangt unter anderem um das Spittlerwegli gleich neben die Trasse. Dieser Schleichweg ist nicht nur bei den Diakonissen beliebt, sondern auch eine direkte Veloverbindung Richtung Lörrach. «Wenn man hier ein zweites Gleis baut, müsste man den Veloweg opfern oder auf der anderen Seite Gebäude enteignen und abreissen», so Dominik Tschudi.

Kürzlich hat der Riehener Gemeinderat seine Bedenken gegenüber dem Doppelspurausbau geäussert. Mit der Petition der FDP kommt eine alte Idee wieder ins Spiel. Im Riehener Einwohnerrat kam sie schon mehrmals aufs Parkett und im Jahr 2008 reichte Bruno Mazzotti im Grossen Rat einen Anzug ein. Er forderte eine Tieferlegung der Wiesentalbahn. Der Regierungsrat hielt damals fest, dass dies machbar wäre. Jedoch bezeichnete er das Kosten-Nutzen-Verhältnis als ungünstig und mass dem Vorschlag daher keine Priorität bei.

Wer eine Tieferlegung berappen müsste

Mit der vorgesehenen Taktverdichtung sieht die Ausgangslage heute anders aus, doch die Geldfrage dürfte noch immer einer Barriere sein. «Es wäre mit erheblichen Kosten verbunden, man redet hier von einem dreistelligen Millionenbetrag», sagt Nicole Ryf-Stocker, Sprecherin des Basler Bau- und Verkehrsdepartements (BVD). Wer dies zu welchem Anteil übernimmt, sei noch nicht klar. «Das Einzige, was klar ist: Die Projektträger werden das nicht übernehmen, das sind auf Schweizer Seite der Bund und die deutschen Partner».

Wie Dominik Tschudi klarstellt, müsste sich nebst dem Kanton auch die Gemeinde Riehen an diesem Grossprojekt finanziell beteiligen, da sie schliesslich jetzt davon profitiere. Allerdings sei jetzt der Kanton in der Pflicht. Zwar gehöre die Bahnlinie nach dem Staatsvertrag von 1852 der Deutschen Bahn, doch hier komme Schweizer Planungsrecht zur Anwendung. «Wir bezweifeln, dass ein oberirdischer Ausbau überhaupt eine Umweltverträglichkeitsprüfung bestehen würde, daher sind Kanton und Baudepartement gefordert, sich für Riehen einzusetzen», sagt Dominik Tschudi.

Noch aber ist das Doppelspurprojekt am Anfang. «Wir haben seitens Kanton den Gemeinderat gehört, wir gehen jetzt auf die Bevölkerung in Riehen zu und schauen, was die Ängste sind», sagt BVD-Sprecherin Nicole Ryf-Stocker. Wie anno 2008 ist der Kanton nicht grundsätzlich einer Untertunnelung abgeneigt. «Rein technisch ist eine Tieferlegung machbar», so Nicole Ryf-Stocker. Allerdings bringt sie auch weniger aufwendige flankierende Massnahmen ins Spiel, so etwa Querungen für FussgängerInnen und den Strassenverkehr. Dominik Tschudi findet, das wäre besser als gar nichts, doch er bezweifelt er, dass es dafür genug Platz gibt im Dorfzentrum.

2 Kommentare

  1. Bei einem Gesamt – Budget von 9 Milliarden für den Bahnknoten Basel, dürfte eine umweltverträgliche S-Bahn Lösung im Untergrund für viele zukünftige Generationen eine gute Investition sein.Report

  2. 100 Millionen sind in Riehen sicher durch grosszügige Spenden möglich … Ein Aufruf würde sich lohnen. Aber zuerst müsste alle mittel noch ausgeschöpft werden. Bund, Kanton usw..Report

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