Featured Video Play Icon
Der Telebasel News Beitrag vom 6. Oktober 2021.
Basel

Keine Zeit verlieren mit Debatten über Anreize: Engelberger über die Impfoffensive

Mögliche Belohnungen für Impfwerber sorgen für Diskussionen. Der Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger verteidigt die Idee als eines von mehreren Puzzleteilen.

Wer jemandem die Impfung schmackhaft machen kann, soll mit 50 Franken belohnt werden. Diese Idee wie auch andere Vorschläge des Bundesrats zur Impfoffensive, gehen bis am 6. Oktober bei den Kantonen in Konsultation. Der Basler Regierungsrat unterstützt einen solchen «Beratergutschein», sofern der Bund die Kosten übernimmt.

Noch offen ist, wie das in den Kantonen umgesetzt werden sollte. «Das ist organisatorisch gar nicht so einfach», räumt der Basler Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger ein. Er ist aber zuversichtlich, dass diese Organisationsfrage gelöst werden kann.

Fragen zu den gesetzlichen Grundlagen

Fragen gibt es auch in juristischer Hinsicht. So sagt Rechtsprofessor Felix Uhlmann gegenüber dem «Tagesanzeiger», für solche Gutscheine gebe es keine tragfähige Grundlage. Der Verweis des BAG auf das Epidemiengesetz lässt er nicht durchgehen. Dort ist festgehalten, dass die Behörden über die Gefahren übertragbarer Krankheiten zu informieren haben. Felix Uhlmann erwidert, dass Bezahlen und Informieren nicht dasselbe seien. Hier gehe es nicht etwa um einen Blumenstrauss für eine Hundertjährige, sondern um potenziell 775’000 Personen oder 38 Millionen. Der Jurist findet, für so hohe Ausgaben brauche es zwingend eine gesetzliche Grundlage.

Lukas Engelberger ist trotzdem zuversichtlich, dass das möglich ist: «Das ist jetzt die Frage, ob man das subsumieren kann, ob eine dieser Bestimmungen im Epidemiengesetz eine Basis sein kann für diese Leistungen. Wenn der Bund das so vorschlägt, wird er das abgeklärt haben.»

Es dürfte jedoch zu bezweifeln sein, ob 50 Franken bei überzeugten ImpfgegnerInnen etwas bringen. «Das kann schon sein, ich würde es einfach mal probieren», sagt Lukas Engelberger. Er weist darauf hin, dass der Gutschein nur eines von mehreren Elementen der geplanten Impfoffensive ist. Engelberger nennt etwa den neuen Impfstoff von Johnson&Johnson und den Impfbus in Basel. «Wir werden weitere Initiativen lancieren, um die Impfung auf der Strasse zu bewerben. Da hilft ein solches Element wie ein solcher Gutschein durchaus auch noch», erklärt der Präsident der Gesundheitsdirektorenkonferenz.

«Es macht mir weh, das zu sehen»

Ein weiterer Kritikpunkt an der Gutscheinidee kommt vom Regierungsrat des Kantons Glarus. Solch ein Geschenk sei «ungerecht gegenüber all jenen, die sich bereits haben impfen lassen». Zudem sei «eine Geldzahlung für einen Akt der Solidarität unschweizerisch». Der Impfentscheid müsse weiterhin «individuell frei von äusseren Zwängen und auch frei von finanziellen Anreizen getroffen werden».

Auch der Geschäftsleiter des Winterthurer Impfzentrums findet den Vorschlag nicht geeignet. Wie er gegenüber der «NZZ» sagt, sei es viel sinnvoller stattdessen die Impfungen nur noch bis Ende Jahr kostenlos zu verabreichen.

Lukas Engelberger meint zu diesen Einwänden: «Wir sollten nicht zu viel Energie auf die Fragen von Anreizen und Taktik verwenden, wir müssen impfen.» Schliesslich gehe es darum, vor dem Winter keine Zeit zu verlieren. Er erzählt von seinem Besuch bei der Intensivstation im Unispital diese Woche. «Dort sind immer noch sechs Patientinnen und Patienten mit Covid-19. Es sind ungeimpfte Personen, die sehr schwer krank sind. Es macht mir weh, das zu sehen. Das wäre nicht nötig», so Lukas Engelberger. Daher wolle er den Menschen ans Herz legen, sich impfen zu lassen.

Welche Punkte der Impfoffensive tatsächlich durchkommen, kommt nächste Woche aus. Der Bundesrat entscheidet am Mittwoch, 13. Oktober.

2 Kommentare

  1. Ich könnte und möchte das nicht, diese Verantwortung zu übernehmen, um jemanden zum Impfen zu bewegen, um dann 50 Chf zu bekommen. Und was, wenn diese Person danach durch die Impfung ein gesundheitliches Problem bekommt? Dass könnte ich mir nicht verzeihen. Jeder muss und soll das selbst entscheiden, dass ist der richtige Weg und dass aus eigener Ueberzeugung und Willen.Report

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Mehr aus dem Channel