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Der Telebasel News-Beitrag vom 4. Oktober 2021.
Basel

Mit dem Töffli von Büro zu Büro – unterwegs mit dem Sandwich-Kurier

Gentleman und Stadtoriginal: Der Sandwich-Kurier André Windler arbeitet im Einmannbetrieb. Trotz Corona und Home Office hält er sich über Wasser.

Schon auf dem Flur ist er unüberhörbar. Als eine Art Markenzeichen führt André Windler stets kleine Glöckchen, die er an den Hosen befestigt, mit sich. «Der Sandwich-Kurier ist da», sagt die Rezeptionistin durch den Hörer. Ihre KollegInnen lassen sich das nicht zwei Mal sagen. Während André Windler die raschelnde Folie von seinen Plastikkisten entfernt, trudeln hungrige Büroangestellte bei der Porte ein.

«Meine Herrschaften, guten Morgen, bonjour», sagt der Sandwich-Kurier freundlich und zählt blitzschnell sein heutiges Sortiment auf: «Hier drin haben wir Butter, Käse, magerer Truthahn, pikante Avocado-Mischung, Lachs, Fleischkäse, selber gemachte Thon-Mousse, Schinken, Rohschinken, Fleischkäsemischung, Mohn mit Lyoner und Senf».

Es sind Szenen, wie man sie nur selten sieht. Zwar sind Lieferservices nicht mehr aus dem Stadtbild zu denken, noch stärker seit dem Beginn der Pandemie. Sandwich-Kurier André Windler erinnert jedoch eher an die früheren Hausierer, von denen es nur noch wenige gibt. Komplett auf eigene Faust bereitet er jeden Morgen seine Brötchen und Birchermüesli zu. Mit seinem Moped samt Anhänger fährt er anschliessend von Firma zu Firma. Arbeitsbeginn ist für ihn 5 Uhr morgens. Schliesslich muss das «Znüni» zu Bürozeiten bereit und ausgeliefert sein.

Weniger Sitzungen, weniger Sandwichs

Seit 16 Jahren ist der gelernte Koch mit seinem Töffli unterwegs. Eine Rückkehr in die Restaurants ist für ihn kein Thema mehr. Die Anstellungsbedingungen seien nicht einfach gewesen. «Dann habe ich mich gefragt, was das soll. Und das Leben hat mir gesagt, ich sollte mich selbständig machen», sagt André Windler.

Angefangen habe er mit einem sehr kleinen Budget, aber mit einem langjährigen Know-how aus dem Service und der Gastronomie. Längst kenne man den Mann mit Brötchen in manchen Basler Firmen. «Er ist freundlich, zuvorkommend und lustig», sagt Jacqueline König, Rezeptionistin und Assistentin beim Logistikunternehmen DSV über den Sandwich-Kurier.

Wie gesagt, blühten so manche Lieferdienste mit Corona auf. Der Sandwich-Kurier bekam aber die Pandemie und die Home Office-Pflicht zu spüren. Schliesslich verkaufte er besonders viele Brötchen an Firmensitzungen und Meetings. All das sei in den letzten anderthalb Jahren eingebrochen. «Dadurch, dass ich am Morgen die Bürotour mache, kann ich trotzdem überleben», sagt André Windler. «Man verdient so viel wie im Service. Die Leute sind aber sehr nett und geben gut Trinkgeld, von daher kann man sehr gut leben.»

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