Die Hausärztinnen und Hausärzte seien für viele Unentschlossene eine gute Anlaufstelle, um sich gegen Covid-19 impfen zu lassen, sind Fachexperten überzeugt. (Symbolbild: Keystone)
Schweiz

Jetzt sollen die Hausärzte die Ungeimpften überzeugen

Die Imfpquote gegen das Coronavirus ist nach Meinung von Fachexperten nach wie vor zu tief. Der oberste Hausarzt nimmt nun seine KollegInnen in die Pflicht.

Jetzt müssen die Hausärzte ran: mit Beratung, Aufklärung und Begleitung könnten unentschiedene Patientinnen und Patienten von einer Corona-Impfung überzeugt werden, glaubt der oberste Haus- und Kinderarzt der Schweiz. Zu diesen Unentschiedenen gehörten viele Jugendliche, sagte Philippe Luchsinger am Dienstag in Bern vor den Medien.

Vor allem die sozialen Medien sorgten unter den Jugendlichen für Unsicherheit. Es brauche Fachleute, die Antworten auf die Fragen lieferten. Im Gespräch solle die Impfentscheidung unterstützt werden. Eine gute Beziehung sei dabei das Fundament für eine vertrauensvolle Beratung, sagte Luchsinger. Viele Personen liessen sich nach einer Beratung impfen.

Man habe jede Form der Kampagne des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) bisher unterstützt. Impfungen seien ein Instrument, das schon Jahrzehnte alt sei. «Wir haben gute, sichere Impfstoffe», sagte Luchsinger.

Warnruf aus den Pflegeberufen

Vor einer Ungleichbehandlung von Patienten wegen der Corona-Pandemie warnte die Pflegebranche. Es dürfe nicht mehr vorkommen, dass Krebsbehandlungen verschoben werden, weil die Kapazitäten fehlten, sagte Roswitha Koch, Leiterin Abteilung Pflegeentwicklung im Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner (SBK). Der Bundesrat solle das Gesundheitswesen mit oberster Priorität behandeln.

Wegen der deutlich gestiegenen Arbeitsbelastung als Folge der Corona-Pandemie hätten rund zehn Prozent der Angestellten den Pflegeberuf aufgegeben. Auf den Intensivstationen fehlten bis zu 15 Prozent des Personals. Das könne dazu führen, dass Bettenabteilungen geschlossen werden müssen.

Koch unterstrich die Bedeutung einer Impfung: Sie sei die wirksamste Methode, sich selber, die anderen und auch das Gesundheitswesen zu schützen. Weitere Lockdowns würden die psychische Belastung der Bevölkerung noch steigern, Jugendliche seien schon heute stark betroffen. Und die Beratungsstellen seien überfordert.

Weitere Kantone mit Johnson & Johnson

Unterdessen kündigten weitere Kantone Impftermine für den Vektorimpfstoff von Johnson & Johnson an, den dritten in der Schweiz zugelassenen Covid-19-Impfstoff. So ist in Basel-Stadt ab Freitag eine Impfung möglich, in Schaffhausen ebenfalls in den kommenden Tagen, in Luzern und Obwalden ab nächster Woche.

Bereits am Montag hatten die ersten Kantone Impfungen ab Donnerstag in Aussicht gestellt.

Ansteckungen gehen zurück

In der Schweiz und in Liechtenstein gehen die Covid-19-Ansteckungen weiter zurück. Am Dienstag wurden dem BAG innerhalb von 24 Stunden 1019 neue Infektionen gemeldet. Zudem registrierte das BAG drei neue Todesfälle sowie 27 Spitaleintritte. Vor Wochenfrist gab es noch 1’284 neue Ansteckungen.

Auf 100’000 Einwohnerinnen und Einwohner wurden in den vergangenen zwei Wochen 182,63 laborbestätigte Coronavirus-Infektionen gemeldet (sogenannte Inzidenz). Die Reproduktionszahl R, die angibt, wie viele Personen eine infizierte Person im Durchschnitt ansteckt, lag am 24. September bei 0,87.

Die Auslastung der Intensivstationen in den Spitälern beträgt zurzeit 72,6 Prozent. 18,6 Prozent der verfügbaren Betten sind mit Covid-19-Patienten belegt.

Vollständig geimpft sind unterdessen 59,3 Prozent der Bevölkerung. Das ist eine der niedrigsten Impfquoten in ganz Europa. Und das Impftempo in der Schweiz nahm in den vergangenen Tagen weiter ab.

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