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Der Telebasel News-Beitrag vom 4. Oktober 2021.
Baselland

Weniger Kundschaft wegen Waldenburgerli-Baustelle

Wegen der Grossbaustelle für die neue Waldenburgerbahn leiden die lokalen Gewerbetreibenden unter der ausbleibenden Kundschaft.

Das ganze Waldenburgertal ist derzeit eine einzige grosse Baustelle. Die Waldenburgerbahn soll bis 2022 komplett erneuert werden. Der Verkehr auf der Hauptverkehrsachse wird immer wieder neu geführt, zum Teil sind Strassenabschnitte nur einspurig befahrbar. Es kommt zu Grabarbeiten, der Zugang zu den Gebäuden ist daher zum Teil stark erschwert.

So erging es dem Laden der Heinimann AG in Oberdorf. Das Geschäft ist im Handel von Handwerkerbedarf und Haushaltsartikel tätig. Bis vor Kurzem war die Strasse direkt vor dem Eingang aufgerissen. Die Zahl der Kunden sei deshalb um gut die Hälfte zurückgegangen, sagt Seniorchef Markus Heinimann. Und das habe sich auch nicht geändert seit der Eingang wieder frei zugänglich ist.

Die Leute würden sich einfach nicht ins Dorf trauen, meint er. Zudem müsse wegen der Verkehrsführung mehr Zeit für die Anfahrt einberechnet werden. «Für einen Handwerker ist es nicht so einfach, hierher zu fahren und bei uns einzukaufen.»

KundInnen finden den Weg ins Geschäft nicht

Die Baustelle hat nun die Strassenseite gewechselt. Nun ist dort die Fahrbahn aufgerissen, direkt vor dem Blumenladen Flora Fortissima. Geschäftsführerin Heidi Tschabold sagt, ihr Umsatz sei in den ersten zwei Wochen des neuen Bauregimes um 40 Prozent eingebrochen. Dies auch deshalb, weil viele Menschen nicht wissen würden, dass man den Laden über einen längeren Umweg via Fussballplatz noch erreichen könne. Mittlerweile sei die Beschilderung aber besser und die KundInnen kämen langsam zurück. Trotzdem sei die Anfahrt weiterhin für viele eine grosse Herausforderung.

Die Papeterie von Martin Weber wurde durch die Bauarbeiten ebenfalls hart getroffen. Der Umsatz sei im Durchschnitt um 28 Prozent zurück gegangen, wie Weber auf Anfrage schreibt. Zwar ist sein Geschäft mittlerweile wieder zugänglich, trotzdem würden sich noch immer viele KundInnen nach dem Anfahrtsweg erkundigen. Und auch die Laufkundschaft fehle, viele Leute aus dem Tal kämen nicht mehr gerne nach Oberdorf zum Einkaufen.

Weber wünscht sich zwar mehr direkte Gespräche mit der Bauleitung vor Ort, mit den Arbeitern sei er aber sehr zufrieden, sagt er. Sie «sind sehr bemüht und arbeiten sehr schnell». Auch der verantwortliche Projektleiter der BLT sei sehr engagiert.

Geschäftseröffnung drei Monate lang nicht möglich

Gleich gegenüber der Papeterie eröffnete vor zwei Wochen das neue Laser- und Tattoostudio Candy Skin. Eigentlich sei die Eröffnung für den Sommer geplant gewesen, wegen der Grossbaustelle musste diese aber verschoben werden, so Mitinhaber Astrit Zeqa. Nur schon die Umbauarbeiten am Ladenlokal seien erschwert worden. Zweimal sei die Strasse davor aufgerissen gewesen. Daher konnten sie nicht mit dem Fahrzeug vorfahren, sagt Zeqa. Das Abladen von Baumaterial sei unmöglich gewesen.

Und auch jetzt, nach der Eröffnung, sei die Baustelle eine Herausforderung. Zwar empfehlen Zeqa und seine Partnerin der Kundschaft, über die Autobahnausfahrt Diegten anzureisen, viele kämen aber trotzdem durch das Tal von Liestal her. Und gerade im Feierabendverkehr könne es dort zu grossen Verspätungen kommen.

Dass die Baustelle eine Herausforderung für das Gewerbe ist, hat auch die BLT begriffen. Als kleines Entgegenkommen hat sie den Läden deshalb ermöglicht: Die LadeninhaberInnen können günstig Werbung auf den Bahnersatzbussen platzieren. Heidi Tschabold nutzte diese Möglichkeit. Und auch Markus Heinimann entschied sich, dies zu tun. Er ist zwar der Meinung, dass die Wirkung der Werbung wohl nicht so gross ist. Schliesslich müssten sich die Leute im Tal derzeit auf andere Dinge achten, statt auf die Werbeanzeigen an den Bussen, sagt er.

Trotz aller Herausforderungen – so richtig ausrufen wollte gegenüber Telebasel niemand der befragten Gewerbetreibenden. Ihnen ist bewusst, dass die Baustelle nicht ewig dauert. Und mit der neuen Waldenburgerbahn dürfte das ganze Tal an Attraktivität gewinnen – und somit auch die Gewerbebetriebe.

1 Kommentar

  1. Denkt auch jemand an die Anwohner,die durchgehend,Tag für Tag,den Lärm ertragen müssen?Es gibt auch längere zeiten,wo auch nachts vor dem Schlafzimmer irgendwelche Pumpen laufen.Mal eine Woche Urlaub erholsam zu Hause verbringen,ist auch nicht mehr möglich.Report

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