Die Pandora Papers sind Recherchen des International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) mit Sitz in Washington. (Bild: Keystone)
International

Was sind die «Pandora Papers»?

Neu veröffentlichte Recherchen enthüllen, dass namhafte Politiker, Prominente und Amtsträger Offshore-Geschäfte nutzen. Darum geht es bei den Pandora Papers.

Hunderte Politiker, Amtsträger, Firmenvorstände und Spitzensportler in aller Welt sollen jahrelang Finanzdienstleister genutzt haben, um ihre Vermögen und Wertgegenstände zu verstecken. Das geht aus Unterlagen («Pandora Papers») hervor, die internationale Medien, darunter Tamedia und die «Süddeutsche Zeitung» ausgewertet haben. Ein Überblick:

Die Dokumente

Die «Pandora Papers»-Recherchen basieren nach Angaben der daran beteiligten Medien auf geheimen Dokumenten von 14 in Steueroasen tätigen Finanzdienstleistern und reichen bis ins Jahr 2021. Die Lecks sollen aus 11,9 Millionen Dokumenten bestehen. Es handle sich um das «bislang grösste Datenleck zu Geschäften in Steueroasen» in einer Dimension von rund 2,9 Terabyte, hiess es.

Die Profiteure

Zu den Profiteuren der Offshore-Dienste sollen 330 Politiker und Amtsträger aus fast 100 Ländern gehören, darunter allein 35 derzeitige oder ehemalige Staats- und Regierungschefs. In den vertraulichen Dokumenten fänden sich unter anderem auch Namen von prominenten Spitzensportlern und Firmenvorständen.

Namhafte Profiteure der Offshore-Dienste seien der tschechische Ministerpräsident Babis, der König von Jordanien Abdullah der II., der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und die noch amtierenden Präsidenten der Ukraine, von Kenya und Ecuador.

Konsequenzen für die Schweiz

Nach Angaben von Tamedia haben «Schweizer Anwälte, Treuhänder und Beraterinnen alleine bei einer grossen Kanzlei in der Karibik 7000 Offshore-Firmen betreut.» Auf einer Excel-Liste aus dem Datenleck von 2018 sei das etwa jede dritte Firma dieser Kanzlei. Zu den Kunden der Schweizer gehören laut Tamedia Autokraten und sogar Personen, die inzwischen rechtskräftig verurteilt wurden wegen Geldwäscherei oder Korruption.

Das Datenleck bringt somit nicht nur die Politiker und Amtsträger in Bedrängnis, sondern auch die Schweiz. So dürften die Pandora Papers die Diskussion um Steuerschlupflöcher erneut anheizen.

Das Recherchenetz

Die «Pandora Papers» wurden dem Internationalen Consortium für Investigative Journalistinnen und Journalisten (ICIJ) von einer anonymen Quelle zugespielt. Etwa 600 Journalistinnen und Journalisten haben die Dokumente für weltweit 150 Medien in den vergangenen zwei Jahren ausgewertet. In der Schweiz war Tamedia an der Auswertung beteiligt.

Das Journalisten-Konsortium wurde 1997 als Projekt des «Center for Public Integrity» (CPI) gegründet. Das CPI ist eine gemeinnützige Organisation in den USA, die sich der Aufgabe verschrieben hat, «Machtmissbrauch, Korruption und Pflichtverletzung durch mächtige öffentliche und private Institutionen aufzudecken».

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Mehr aus dem Channel