Rutscht in die Anonymität: Die Sexarbeit hat es im Kleinbasel zunehmend schwerer. (Symbolbild: Keystone)
Basel

Sexarbeit wird immer mehr verdrängt

Das Kleinbasler Rotlichtviertel ist im Wandel. Immer mehr trendige Restaurants drängen in die Ochsengasse und erobern allmählich die Zone.

Das Basler Milieu leidet. Als wäre die Corona-Pandemie nicht schon Geschäftskiller genug, macht sich zunehmend ein Problem direkt vor der Haustüre breit: An der Ochsen- und Webergasse im Kleinbasel eröffnen diverse hippe und trendige Restaurants. Wie die «Basler Zeitung» berichtet, verdränge die Gentrifizierung respektive die Aufwertung des Quartiers das Milieu.

Die Zeitung bezieht sich dabei auf den jüngst veröffentlichten Bericht «Prostitution 2019/2020» der Basler Regierung. Stadtentwickler Lukas Ott bestätigt im Zeitungsbericht die Entwicklung. Der sogenannten Toleranzzone im Kleinbasel drohe gemäss Rückmeldungen von Gewerbetreibenden mittelfristig «das Aus».

Kanton will sich in Lage nicht einmischen

Die Quartieraufwertung bewirkt, dass zahlkräftige MieterInnen für die privaten Immobilienbesitzer immer lukrativer werden. SexarbeiterInnen bleiben auf der Strecke. Der Kanton Basel-Stadt will sich in die Prostitution nicht einmischen. Ein Vorstoss der SP-Grossrätin Kerstin Wenk wurde links liegen gelassen. Sie forderte, dass der Kanton eine Liegenschaft für Sexarbeit zur Verfügung stellt, damit die Sexbranche besser kontrolliert und Ausbeutung reduziert werden könne. Der Kanton begründete seinen Entscheid damit, dass man sich von der Prostitution glaubwürdig abgrenzen wolle.

SP-Grossrätin Kerstin Wenk forderte 2016 eine kantonale Liegenschaft für Sexarbeit. (Bild: Keystone)

Klar ist aber, dass hinter der Prostitution in Basel oftmals Menschenhandel steht. Viele Frauen, oftmals aus Osteuropa stammend, sind nicht freiwillig zur Sexarbeit in Basel. Das beunruhigt auch den Kanton, wie er in seinem Bericht schreibt: «Die Einführung der Erstinformation im Meldeverfahren sowie der Pauschalbesteuerung könnte dazu geführt haben, dass Personen (…) überhaupt nicht als Sexarbeitende gemeldet werden, sondern beispielsweise als Putzangestellte».

Sexarbeit werde gefährlicher

Eine Vermieterin in der Toleranzzone in der Ochsen- und Webergasse berichtet zudem gegenüber der «BaZ», dass es mittlerweile viel mehr Drogendealer in der Gegend gebe, wodurch sich Prostituierte nicht sicher fühlten. Die Frau vermietet seit Jahren zwei Zimmer an Sexarbeiterinnen. Zudem könnten Freier wegen der verkehrsfreien Innenstadt nicht mehr diskret das Bordell besuchen. Die Folge: Die Prostitution verlagere sich ins Private und in Parks, so die Frau. Die Sexarbeiterinnen seien dort kriminellen Freiern ausgeliefert.

Als alternative Toleranzzone kommt für den Kanton das Transformationsareal auf dem Wolf infrage, wie Stadtentwickler Ott gegenüber der Zeitung sagt. Eigentlich befindet sie sich dort auch bereits. Jedoch werde sie aktuell nicht genutzt, da die LKW-Fahrer hier nicht mehr übernachten müssten.

Zudem sei die Toleranzzone «mit den geplanten Nutzungen insbesondere mit dem öffentlichen Bereich rund um das Dienstgebäude nicht mehr verträglich», so Ott. Geplant ist nun, die Toleranzzone auf die Allmend zu zügeln, da sie sich laut Ott eigentlich auf privatem Grund befindet. Bis 2028 entsteht auf dem Wolf ein Wohn- und Arbeitsgebiet. In diesem soll dann gemäss «BaZ»-Informationen auch ein neues Rotlichtmilieu hinkommen.

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