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Der Telebasel Newsbeitrag vom 22. September 2021.
Basel

«Weil sich andere Gäste durch den Rollstuhl gestört fühlen würden»

Rollstuhlfahrerin Sara erhebt auf Instagram schwere Vorwürfe gegen das neu eröffnete Mövenpick Hotel. Der Manager spricht von einem Missverständnis.

Bei der Eröffnung des Mövenpick Hotels letzte Woche betonte Manager Reto Kocher gegenüber Telebasel noch die Wichtigkeit der Gastfreundschaft. Sara*, die seit einem Unfall auf einen Liegerollstuhl angewiesen ist, habe das am Wochenende aber ganz anders erlebt, als sie und ihr Partner ihren Jahrestag feiern wollten. Auf Social Media machte sie ihrem Ärger Luft:

«Nach dem Einchecken wurden wir von Reto Kocher, dem Direktor des „Mövenpick Hotel Basel“ informiert, dass ich mit dem Liegerollstuhl in ihrem Restaurants nicht willkommen bin, weil sich andere Gäste durch den speziellen Rollstuhl gestört fühlen würden und wir deshalb nicht bei ihnen essen können. Er hat uns dies auf eine sehr kalte, geschäftsmässige Art mitgeteilt. Ich war geschockt und wie vor den Kopf gestossen.»

Gäste störten sich offenbar am Liegerollstuhl

Wir treffen Sara zum Gespräch. Sie schildert uns die Geschehnisse des vergangenen Wochenendes. Zuerst habe sie gedacht, der Manager wolle sie freundlicherweise begrüssen. «Dann hat er aber gesagt, dass wir nicht im Restaurant essen können. Wir haben nach dem Grund dafür gefragt, denn wir waren schon ein paar mal da zum Essen und es war nie ein Problem. Vom Platz her ist es super gegangen. Es geht nicht überall so gut wie dort. Und dann hat er eben gesagt, dass andere Gäste sich dran gestört hätten.»

«Ich habe nicht die richtigen Worte gewählt»

Der Hotelmanager Reto Kocher spricht von einem grossen Missverständnis. Er hätte nur aufgrund von Platzproblemen eine Lösung suchen wollen. An diesem Abend sei das Restaurant ausgebucht gewesen. Trotzdem räumt er auch Fehler ein. «Ich habe versucht Optionen zu finden, wie wir sie an diesem Abend platzieren können. Ich habe sicher nicht die richtigen Worte gewählt und dann sind die Emotionen ins Spiel gekommen. Am Schluss habe ich gar nicht mehr das Gespräch suchen können, obwohl ich das gerne getan hätte. Ich verstehe aber auch, dass man in dieser Situation nicht mehr mit mir reden wollte. Ich möchte mich in aller Form entschuldigen.»

Diskussionen anstossen

Schlussendlich hofft Sara, dass eine solche Situation niemand anderem passiert. Sie wolle damit eine Diskussion anstossen und ein allgemeines Verständnis für Barrierefreiheit wecken. «Dass wenn jemand unverschuldet anders ist, man die Personen nicht ausschliesst und respektvoll mit ihr umgeht.»

*Name von der Redaktion geändert

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