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Der Telebasel News-Beitrag vom 19. September 2021.
Basel

Aeham Ahmad: Der Pianist aus den Trümmern

Früher spielte der syrische Pianist Aeham Ahmad inmitten von Kriegsgebieten, mittlerweile ist er international bekannt. Am Sonntag spielte er in Basel.

Es sind Bilder, die um die Welt gingen: Ein junger, Klavier spielender Mann inmitten zerstörter Häuser. Der Pianist ist Aeham Ahmad. Er wuchs im Flüchtlingslager Yarmouk auf, welches in der syrischen Hauptstadt Damaskus liegt.

«Wir haben auf den Tod gewartet»

Die Leidenschaft fürs Klavierspielen hat Aeham von seinem Vater: «Er hatte mich anfangs unterrichtet und mich dann in die Musikschule geschickt», erzählt er. Fast kein Kind in Syrien wisse, wie ein Instrument gespielt werde, da es extrem teuer ist. Ab 2013 rückte der IS immer näher an Yarmouk heran. Die Situation wurde zunehmend angespannter. «Wir haben auf den Tod gewartet. Dies war auch der Grund, weshalb ich in den Strassen Klavier gespielt habe. Ich hatte nichts zu verlieren», so Aeham. Er spielte auch Klavier, als ein Scharfschütze eines der Kinder erschoss, welches ihm beim Spielen zusah.

Eine Flucht wurde unumgänglich. «Ich wurde vom Islamischen Staat verfolgt, weil Musik eine Sünde (im arabischen bekannt als Haram) ist», erzählt Aeham weiter. Wäre er nicht geflüchtet, hätte der IS seine Familie umgebracht. Er flüchtete 2015 nach Deutschland, wo er bis heute lebt.

Mittlerweile ist Aeham als Pianist, der aus den Trümmern kam, international bekannt. 2017 veröffentlichte er zudem seine Autobiografie «Und die Vögel werden singen». Mit dem Buch möchte er dazu beitragen, dass der syrische Krieg nicht in Vergessenheit gerät.

Auftritt im Rahmen der Konzertreihe «Titus beflügelt»

Der Auftritt von Aeham Ahmad fand am Sonntagabend im Rahmen der Konzertreihe «Titus beflügelt» statt. Diese findet viermal jährlich in der Basler Titus Kirche statt.

«Unser Herbstkonzert fällt zufälligerweise auf den Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag», sagt der künstlerische Leiter, Christian Sutter. In diesem Sinne sei es ein guter Moment gewesen, sich der privilegierten Situation in der Schweiz bewusst zu werden. «Für uns ist die Situation von Aeham fast unvorstellbar», so Sutter weiter.

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