Nach dem Motto Hände weg von unseren Renten, AHV21- so nicht, demonstrieren Teilnehmer gegen den Rentenabbau zulasten der Frauen. (Bild: Keystone)
Schweiz

Tausende demonstrieren in Bern gegen laufende AHV-Reform

«Hände weg von unseren Renten». Unter diesem Motto demonstrieren seit dem frühen Samstagnachmittag in Bern Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

Die bewilligte Kundgebung begann auf der Schützenmatte. Dann marschierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer – mehrheitlich Frauen, aber auch viele Männer – in einem langen Zug durch die Berner Altstadt zum Bundesplatz.

Die Demonstration fand vor dem Hintergrund der in den eidgenössischen Räten immer noch laufenden Debatte zur AHV-Reform 21 statt. Organisiert wurde sie vom Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB) und von Travail.Suisse, einem Dachverband von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Auch einige Parteien sowie Frauenstreikkollektive hatten zur Kundgebung aufgerufen.

Verkäuferin und Pflegerin halten Reden

Auf dem Bundesplatz sprachen bekannte Politikerinnen und Politiker wie SP-Co-Präsidentin Mattea Meyer und SGB-Präsident Pierre-Yves Maillard. Doch auch die Verkäuferin und Gewerkschafterin Clotilde Pinto und die Pflegerin Marie-Odile Heim, beide aus der Romandie, wandten sich an die Menge.

Pinto rief die Bundesparlamentarier auf, einmal eine Putzfrau oder eine Kellnerin nach ihrer finanziellen Situation zu fragen. Heim sagte, die Arbeit in der Hauspflege werde immer länger, weil viele Leute je länger, je mehr zu Hause gepflegt würden.

Mit Verweis auf solche Aussagen schrieben die Organisatoren im Aufruf zur Kundgebung, Frauen erhielten noch immer rund einen Drittel weniger Rente als Männer. Denn die Frauen leisteten den grössten Teil der Pflege- und Sorgearbeit.

Das werde aber in der Rentenberechnung ungenügend berücksichtigt, weil diese Arbeit schlecht bezahlt oder unentgeltlich erbracht werde. Deshalb bezögen Frauen – obwohl auch sie ihr Leben lang arbeiteten – im Alter oft viel zu tiefe Renten.

Anstatt die zu tiefen Frauenrenten zu verbessern, plane das Parlament mit der Erhöhung des Frauenrentenalters das Gegenteil: einen Rentenabbau zulasten der Frauen.

Auf Transparenten während des Umzugs waren Parolen zu lesen wie «Gleiche Arbeit, gleiche Löhne – erst dann gleiches Rentenalter!» und «AHV-21: Die Gleichstellung geht in Pension».

Nationalbank soll helfen

Mattea Meyer sagte in ihrer Rede, für sie sei klar, dass eines Tages die Arbeitsdauer von Frau und Mann gleich sein werde. Jetzt gehe es aber um «unsere Mütter, die lange gearbeitet haben und nun zurückstehen müssen». Rentenalter 65 sei nur ein Einfallstor für ein verlängertes Rentenalter für alle, so Meyer weiter.

Pierre-Yves Maillard sagte, auf der Nationalbank lägen Reserven in Milliardenhöhe. Mit diesem Geld lasse sich die AHV-Reform finanzieren.

Nun im Nationalrat

Über die AHV-Reform 21 beugte sich der Ständerat am letzten Dienstag. Im Vergleich mit dem Nationalrat will er mehr Frauen unterstützen, die nach dem Inkrafttreten der Reform zuerst in Pension gehen und von der Erhöhung des Rentenalters auf 65 Jahre am stärksten betroffen sind. Nun geht das Geschäft wieder in den Nationalrat.

Bereits im Juni hatten die Räte beschlossen, das Rentenalter für Frauen auf 65 Jahre zu erhöhen.

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