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Der Telebasel News Beitrag vom 16. September 2021.
Basel

Die Zeitung «Vogel Gryff» soll nächstes Jahr wieder gedruckt werden

Genossenschafter des «toten» Vogel Gryff kritisieren mangelnde Transparenz beim Vorstand. Dieser gibt nun den Relaunch als Magazin bekannt.

Der Streit um die Basler Traditionszeitung nimmt eine neue Wende. Nachdem der Vogel Gryff im Januar 2021 eingestellt wurde, soll er bald wieder zum Leben erweckt werden. «Wir haben intern das Projekt für einen Relaunch des Vogel Gryff fertig, wir sind auf der Suche nach Geld, um das zu finanzieren», sagt Ernst Staehelin gegenüber Telebasel.

Wie der Präsident der Genossenschaft Neue Kleinbasler Medien (GNKM) erklärt, sei ein Magazin geplant, das einmal pro Monat erscheinen soll. «Wir sind nicht ganz am Ziel, doch wir sind zuversichtlich, dass wir hoffentlich Anfang nächstes Jahr wieder publizieren können», sagt Ernst Staehelin.

Brisant dabei: Die Ankündigung kommt just zum Zeitpunkt einer internen Auseinandersetzung bei der GNKM. Kritik kommt unter anderem von André Auderset, Genossenschafter und Präsident der IG Kleinbasel (IGK). Er bemängelt die fehlende Transparenz. Die Genossenschafter hätten schliesslich ein Recht darauf, zu erfahren, weshalb die Zeitung im Januar 2021 eingestellt wurde. «Die meisten wollen nicht ihr Geld zurück, sondern sie wollen wissen, was mit ihrem Geld passiert ist, denn sie haben mit guten Absichten investiert, um die Zeitung zu retten», sagt André Auderset gegenüber Telebasel. «Dass der Vogel Gryff tot ist, sehen die meisten ein, doch sie wollen wenigstens ein schickliches Begräbnis».

Genossenschafter wollen Zahlen sehen

Offenbar ist der Vogel Gryff doch nur scheintot. Was hinter den Kulissen läuft, ist aber vielen GNKM nicht bekannt. Auf Anfrage von Telebasel äussern auch andere Genossenschafter, die nicht bei der IGK dabei sind und nicht namentlich genannt werden wollen, ihren Unmut. Auch sie möchten gerne die Zahlen sehen. Kritisch äussert sich auch alt Grossrat Christophe Haller. Er finde es grundsätzlich gut, dass die Genossenschaft Neues gewagt hat. Allerdings findet er die Informationspolitik unbefriedigend: «Ich empfinde es als undurchsichtig», sagt Haller auf Anfrage von Telebasel.

Auch André Auderset verliert klare Worte: «Alle Versuche, die wir gestartet haben, um zu verlässlichen Zahlen zu kommen und zu verlässlichen Auskünften, wurden unterlaufen. Wir haben das Gefühl, dass hier auf Zeit gespielt wird». Für Zündstoff sorgte auch die jüngste Absage der auf September angesetzten Generalversammlung.

Staehelin wehrt sich

Ernst Staehelin wehrt sich gegen diese Vorwürfe. «Wir haben in der Einladung zur GV ausgeführt, dass die Jahresabschlussbilanz und Lagebericht beim Sitz der Genossenschaft einsehbar sind und die lagen hier bereit, es ist aber niemand erschienen, um Einsicht zu nehmen, bis wir es abgesagt haben», so der Genossenschaftspräsident. Zudem weist er auf die spärliche Präsenz an den vergangenen Generalversammlungen hin. Damit spielt er den Ball zurück an den Kritiker: André Auderset sei bei den Generalversammlungen nie erschienen. Dieser bestätigt das auf Anfrage von Telebasel. Punkto Einsicht in die Zahlen steht aber Aussage gegen Aussage: André Auderset sagt, er habe die Dokumente mehrmals angefordert, aber keine Antwort erhalten.

Wie dem auch sei: Der Wirbel um den Vogel Gryff ist um ein Kapitel reicher. Im Jahr 2013 kaufte die eigens dafür gegründete Genossenschaft den Vogel Gryff der BaZ ab. Die Beteiligten wollten damit die Zeitung mit einer 70-jährigen Geschichte am Leben erhalten. Federführend waren damals Mitglieder des Rotary Club und der IGK. Für Letztere diente der Vogel Gryff als Sprachrohr. Über sechzig Personen kauften Anteilscheine. Als die Zeitung im Januar 2021 eingestellt wurde, sollten die Rechte an den Arlesheimer Verlag BirsForum Medien abgetreten werden. Dieser wollte das Blatt in das Magazin «Basel aktuell» integrieren. Die IGK fühlte sich übergangen und wehrte sich gegen diesen Entscheid. Später einigte sich der Verlag mit der GNKM darauf, davon abzusehen.

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