ForscherInnen informieren darüber, dass das Ozonloch dieses Jahr besonders gross ist. (Symbolbild: Keystone)
International

Das Ozonloch ist dieses Jahr besonders tief

Das Ozonloch über der Antarktis ist dieses Jahr besonders tief. Weshalb das ein Problem ist, sehen Sie hier in der Übersicht.

Wie jedes Jahr gibt es auch dieses Jahr wieder ein Ozonloch über dem Südpol. Dieses hat in diesem Jahr schon die Grösse des Kontinents überschritten, wie der Copernicus-Atmosphärenüberwachungsdienst mitteilt. Besonders habe das Ozonloch in der vergangenen Woche zugelegt und ist nun bereits grösser als 75 Prozent aller Ozonlöcher zu diesem Jahreszeitpunkt seit 1979.

Der Dienst informiert zum offiziellen Tag für die Erhaltung der Ozonschicht über die Grösse des Lochs.

Was ist die Ozonschicht und weshalb ist sie wichtig?

Die Ozonschicht ist ein Bereich in der Erdatmosphäre, in dem eine erhöhte Konzentration des Spurengases Ozon O3 herrscht. In der Stratosphäre, also in 15 bis 50 Kilometern Höhe liegt die Ozonschicht. Dort entsteht es aus Luftsauerstoff, indem dessen O2-Moleküle durch den energiereichsten Anteil des Sonnenlichts zu Sauerstoff-Atomen gespalten werden. Die Ozonschicht ist dabei wichtig für uns Menschen sowie für die weiteren Lebenswesen, weil sie die Erde vor gefährlicher Sonneneinstrahlung schützt. Konkret schützt die Ozonschicht vor ultravioletten Strahlen, die krebserregend sein können.

Weshalb entsteht jedes Jahr ein Ozonloch?

Seit mehreren Jahrzehnten entsteht in der Antarktis jeden Frühling nach dem Sonnenaufgang auf der Südhalbkugel ein Loch in der Ozonschicht. Dies wegen einer Reaktion von Schadstoffen, die auf den Eiskristallen stratosphärischer Wolken gespeichert sind und nach der langen, kalten Polarnacht mit dem Ozon verdunsten. Dabei wird dieses abgebaut. Das Ozonlicht erreicht meist Mitte September bis Mitte Oktober sein Maximum. Wenn im späteren Verlauf der Saison die Temperaturen in der Stratosphäre zu steigen beginnen, lässt der Ozonabbau jedoch nach. Bis Dezember erholen sich normalerweise die Ozonwerte wieder auf ihr normales Niveau.

Wie kam es zu der überdurchschnittlichen Grösse des Ozonloches in diesem Jahr?

«Das Ozonloch hat sich dieses Jahr zunächst wie erwartet entwickelt», so Vincent-Henri Peuch, Direktor des ECMWF Copernicus Atmosphere Monitoring Service. «Es verhielt sich ähnlich wie das Ozonloch letztes Jahr, das ebenfalls im September noch sehr normal war, sich jedoch später in der Saison zu einem der langlebigsten Ozonlöcher in unserem Datensatz entwickelt hat. Nun zeigen unsere Vorhersagen, dass das diesjährige Ozonloch in den letzten Tagen auf überdurchschnittliche Grösse angewachsen ist. Der Polarwirbel ist relativ stabil und die Temperaturen in der Stratosphäre niedrig. Wir könnten es also dieses Jahr wieder mit einem sehr grossen und potenziell sehr tiefen Ozonloch zu tun haben.»

Weshalb das Ozonloch in diesem Jahr besonders tief ist, darüber geben die Forscher keine Auskünfte. Fest steht: Die Klimakrise begünstigt die Verdünnung der Ozonschicht. Der hohe Gehalt an Kohlendioxid in der Atmosphäre sorgt für eine Erwärmung der unteren Luftschichten, was die Atmosphäre in Höhe von 15 bis 50 Kilometern entsprechend stärker abkühlen lässt. Aber auch weitere Faktoren, wie etwas Vulkanausbrüche, können das Ozonloch vergrössern.

Was kann unternommen werden?

In den letzten Jahren häuften sich die Meldungen, dass das Ozonloch schrumpft. Mitte der 2010er-Jahre verkündeten ForscherInnen, dass die Ozonschicht heilt. Bis 2075 soll der Zustand von 1980 wiederhergestellt sein. Zu verdanken waren die Fortschritte dem Montreal Protokoll, das 1987 verabschiedet wurde. 196 Staaten verpflichteten sich, zur vollständigen Abschaffung der Emission von chlor- und bromhaltigen Chemikalien, die das Ozon in der Stratosphäre zerstören. So wurden Chemikalien entwickelt, die den Übeltäter – namentlich die Fluorchlorkohlenwassserstoffe (FCKW) – ersetzen. Zur Überwachung der Ozonschicht tätigen ForscherInnen ein engmaschiges Monitoring.

Welche Probleme stehen im Raum?

Das Problem dabei: Die Ersatz-Chemikalien sind nicht automatisch umweltfreundlich. Während die FCKW so beispielsweise in Kühlschränken und Klimaanlagen durch Fluorkohlenwasserstoffe wie H-FKW ersetzt wurden, fördern die Ozonschicht-freundlichen Alternativen den Treibhauseffekt. Und dieser kann wiederum die Ozonschicht mitschädigen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Mehr aus dem Channel