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Die Medienkonferenz mit Fachexperten des Bundes vom 14. September 2021. (Video: Youtube/Der Eidgenössische Bundesrat)
Schweiz

BAG-Mathys: «Es müssen sich mehr Junge impfen lassen»

Die Fachexperten des Bundes informierten Dienstag über die aktuelle Corona-Lage. Die Entwicklung lasse sich noch nicht voraussagen.

Laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) bleibt die epidemiologische Situation in der Schweiz «bis zu einem gewissen Grad besorgniserregend». Prognosen seien weiterhin schwierig. Weiterhin «sehr angespannt» sei die Lage auf den Intensivstationen.

Das sagte Patrick Mathys, Leiter Sektion Krisenbewältigung und internationale Zusammenarbeit beim BAG, am Dienstag vor den Medien in Bern. Das epidemische Geschehen bleibe nach wie vor mit vielen Unabwägbarkeiten verbunden.

Sehr junge Leute betroffen

Am meisten von neuen Corona-Ansteckungen betroffen sind laut dem Bund die 0- bis 39-Jährigen. Sie machen demnach rund drei Viertel der Ansteckungen aus. Insbesondere bei den 0- bis 9-Jährigen zirkuliere derzeit das Virus.

«Bei den Schwerkranken stellt sich keine Entspannung ein», sagte Mathys mit Blick auf die noch immer hohe Auslastung der Intensivbetten. Bei einer weiteren Verschlechterung der Lage werde das Gesundheitswesen rasch unter grossen Druck geraten.

BAG-Experte ruft Junge zum Impfen auf

Wenn die Schweiz über die Aufhebung aller Corona-Schutzmassnahmen diskutieren wolle – wie dies etwa in Dänemark der Fall sei – müsse die Durchimpfungsrate höher sein, sagte Experte Patrick Mathys am Dienstag. Insbesondere Jüngere müssten sich nun impfen lassen.

Sie hätten lange verzichten und auf eine Impfung – auf ihren Schutz – warten müssten, sagte der Leiter Sektion Krisenbewältigung und internationale Zusammenarbeit beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) vor den Medien in Bern. Jetzt könnten und sollten sie sich impfen lassen. Unter den Jungen kursiere das Virus derzeit stark.

Das BAG hat am Dienstag daher eine spezielle Werbekampagne für Jugendliche und junge Erwachsene gestartet. Von den 10- bis 19-Jährigen seien gut 40 Prozent mit mindestens einer Impfdosis geimpft, sagte Mathys.

Hohe Ansteckungen

Das Infektionsgeschehen sei weiterhin hoch, sagte der Fachexperte. Das liesse sich an den Positivitätsraten der Tests ablesen. 13 Prozent der PCR-Test und drei Prozent der Antigen-Tests seien positiv. Das Testvolumen habe seit Anfang August um rund 50 Prozent zugenommen.

Die Nachfrage nach Impfungen sei in den vergangenen Tagen aber gestiegen. 27’000 Impfungen pro Tag seien in den vergangenen Tagen durchschnittlich verabreicht worden. Mit einer hohen Durchimpfungsrate könnte man zulassen, dass sich mehr Personen anstecken, ohne dass die Spitäler über Gebühr belastet würden, da diese Personen vor einem schweren Verlauf geschützt seien.

Schwangere sollen sich auch impfen lassen

Die Experten des Bundes empfehlen ab sofort auch Schwangeren eine Impfung gegen das Coronavirus. Die Impfung kann ab der zwölften Schwangerschaftswoche erfolgen. Schwangere haben vielfach einen schwereren Verlauf einer Covid-19-Erkrankung als andere Menschen.

Die Impfempfehlung gilt auch für Stillende, wie Christoph Berger, der Präsident der Eidgenössische Kommission für Impffragen (Ekif) am Dienstag vor den Bundeshausmedien sagte. Zudem sollten sich auch Frauen, die eine Schwangerschaft planen, impfen lassen.

Eine steigende Anzahl von Daten zeige, dass die Vorteile der Impfung für Schwangere die Risiken einer Erkrankung überwiegen würden, begründete Berger den Entscheid. Schwangere haben seinen Angaben zufolge ein erhöhtes Risiko, mit einer Covid-19-Erkrankung im Spital und sogar auf der Intensivstation zu landen. Auch bestehe die Gefahr einer Fehlgeburt.

Schwere Folgen seien bei 150’000 in den USA geimpften Schwangeren nie beobachtet worden. Eine Impfempfehlung für werdende Mütter gebe es auch in anderen Ländern, letzthin erst in Deutschland. Fertilitätsprobleme seien weder für Frau noch Mann zu erwarten.

Kontaktverfolgung kommt laut Kantonen an die Grenzen

Laut Rudolf Hauri, Präsident der Vereinigung der Kantonsärztinnen und Kantonsärzte (VKS), stösst die Kontaktverfolgung derzeit an ihre Grenzen. Mit dem Instrument könne die Virusausbreitung nur eingeschränkt verzögert werden.

«Die Lage ist noch nicht kontrolliert», sagte Hauri am Dienstag vor den Medien in Bern. Die Pandemie sei noch nicht vorbei, auch wenn einzelne Länder das Ende verkündeten. Gründe für die anhaltend hohen Fallzahlen seien unter anderem die ansteckende Delta-Variante des Virus sowie die Lockerungen der vergangenen Monate.

Zur Situation in den Schulen sagte Hauri, dass auch dort nicht jede Ansteckung verhindert werden könne. «Ziel ist es, eine zügellose Virusverbreitung zu verhindern.» Dazu dienten etwa repetitive Reihentests, die Maskentragpflicht und regelmässiges Lüften.

Die Kantone seien zudem dabei, ihre Impfkampagnen zu intensivieren, hielt Hauri fest. Die steigende Nachfrage nach einer Impfung könne von den Kantonen aufgefangen werden. Lokal könne es aber zu Wartezeiten kommen.

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