Daniil Medwedew holt seinen ersten Grand-Slam-Titel. (Bild: Keystone)
International

Daniil Medwedew gewinnt die US Open

Novak Djoković verpasst an den US Open in New York den Grand Slam. Der Serbe verliert im Final überraschend gegen Daniil Medwedew 4:6, 4:6, 4:6.

Der 25-jährige Russe holt damit seinen ersten Grand Slam-Titel. Daniil Medwedew avancierte am Tag, an dem Tennis-Geschichte hätte geschrieben werden sollen, zum Spielverderber. Dem Russen schien die Rolle des «Bad Boy» bei den 24’000 Zuschauern, unter ihnen viel Sport- und Hollywood-Prominenz, zu behagen. Zwei Stunden lang zeigte der Weltranglisten-Zweite eine herausragende Leistung. Er servierte hervorragend und fand von der Grundlinie die richtige Mischung zwischen Geduld und Angriff. Daniil Medwedew spielte sehr aggressiv, machte aber nur wenige Fehler und brachte Novak Djoković damit von Beginn an arg in Nöte.

«So etwas habe ich in New York noch nie erlebt»

Erst mit dem Sieg vor Augen begann Daniil Medwedew zu wackeln. Den ersten Matchball vergab er mit einem Doppelfehler, worauf er prompt das erste Break der Partie kassierte. Noch einmal verkürzte Djoković auf 4:5 und verwandelte damit das Arthur Ashe Stadion in ein Tollhaus, was den Serben, der während seiner Karriere in grossen Finals nicht oft das Publikum auf seiner Seite hatte, noch auf dem Platz zu Tränen rührte. «So etwas habe ich in New York noch nie erlebt.»

Nicht erst da war Nocak Djoković der enorme Druck, der auf ihm lastete, anzumerken. Nach dem verlorenen ersten Satz hatte er nicht wie gewohnt in die Komfortzone gefunden, wie er das in den vier Partien zuvor jeweils immer geschafft hatte. Und die wenigen Chancen, die sich ihm boten, nutzte er nicht – vor allem im zweiten Satz. Zuerst vergab er drei Break-Chancen in Serie zum 2:0, danach zwei weitere zur 3:1-Führung.

Für beide Spieler war diese Phase des Matchs letztlich entscheidend. «Wer weiss, wie sich die Partie entwickelt hätte, hätte ich das Break geschafft», sagte Novak Djoković, der aber in erster Linie seinen Gegner lobte. «Daniil hat unglaublich gespielt und war der klar der bessere Spieler.» Er selbst hingegen habe nicht so viel Energie gehabt, wie gewohnt. Er sei froh, dass es nun vorbei sei. «Mental und emotional habe ich in den letzten zwei Wochen viel durchgemacht.»

Grand Slam von Djoković verhindert

Für einmal strahlte Novak Djoković auf dem Platz nicht die Aura des Unbesiegbaren aus. Ganz anders Daniil Medwedew, der auch nach einem neuerlichen Doppelfehler beim zweiten Matchball zumindest äusserlich cool blieb. «Alles, was man das erste Mal erlebt, ist speziell», sagte Medwedew. «Mein erster Turniersieg bei den Junioren bedeutete mir sehr viel. Als ich das erste Future gewann, war ich glücklich.» Und auch jetzt verspüre er eine grosse Zufriedenheit. «Denn du weisst nie, ob du es wirklich einmal schaffen wirst.»

Mit seinem ersten Sieg im dritten Grand Slam-Final nach den US Open 2019 und den Australian Open 2021 verhinderte der Moskauer den Grand Slam von Djoković, der an den Australian Open, an den French Open und in Wimbledon triumphiert hatte. «Es tut mir Leid für ihn, wir wussten alle, was für ihn auf dem Spiel steht», sagte er auf dem Platz. Und an den Serben gerichtet, ergänzte Medwedew: «Du bist für mich dennoch der Grösste der Geschichte».

Don Budge (1938) und Rod Laver (1962 und 1969) sind weiterhin die beiden einzigen Spieler, die an allen vier Major-Turnieren im selben Kalenderjahr siegten. Novak Djoković bleibt bei 20 Grand Slam-Titeln und damit gleichauf mit Roger Federer und Rafael Nadal, die auch je 20 Major-Turniere gewonnen haben. «Im Tennis lernt man schnell, über bittere Niederlagen hinwegzukommen», sagte Djoković, der sechs seiner neun Finals in New York verlor. «Neue Herausforderungen kommen. Ich liebe diesen Sport noch immer und werde weitermachen, so lange ich motiviert bin.»

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