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Schweiz

Volk gegen Extrawurst im Bundeshaus – viele Arbeitgeber gegen Zertifikatspflicht

Dass Politiker im Bundeshaus von der Zertifikatspflicht befreit sind, kommt beim Volk nicht gut an. Ebensowenig die Zertifikatspflicht bei Arbeitgebern.

Ausnahme im Bundeshaus stösst auf Unmut

Die Tatsache, dass Politiker im Bundeshaus von der Zertifikatspflicht befreit sind, kommt beim Volk nicht gut an. Nun haben sich die Parteipräsidenten von SP, FDP, GP und GLP mit Ausnahme der SVP zusammengerauft. Sie bitten in einem Brief an die Verwaltungsdelegation darum, das Privileg aufzuheben.

Es gebe keinen überzeugenden Grund, Parlamentarierinnen und Parlamentarier auszunehmen. Die öffentliche Diskussion zeige, dass auch in der Bevölkerung das Unverständnis über diese Ausnahmeregelung gross sei, heisst es in dem Schreiben.

Zertifikatspflicht hat wenig Anklang bei Arbeitgeber

Die grossen Arbeitgeber in der Schweiz zeigen laut einer Umfrage des «SonntagsBlick» wenig Interesse an einer Zertifikatspflicht für ihre Mitarbeitenden. Die Migros-Gruppe, die rund 90’000 Personen beschäftigt, sieht keinen Bedarf und wird das Zertifikat nicht einfordern. Der Grossverteiler setzt statt dessen auf die bewährten Schutzkonzepte.

Bei anderen Firmen tönt es ähnlich, so etwa bei den Grossbanken UBS und Credit Suisse. Coop, Nestlé, Novartis, Post, Roche und SBB können noch nicht sagen, ob sie Anpassungen vornehmen werden. Ähnlich äussern sich öffentliche Arbeitgeber. Ab Montag dürfen sie ihre Beschäftigten nach einem Covid-Zertifikat fragen.

Ruf nach einheitlichen Corona-Regeln an den Schulen

Die unterschiedlichen Regeln an den Schulen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie stösst auf Unverständnis bei Lehrkräften und Eltern. Viele wünsche sich ein einheitlicheres Vorgehen. Es wäre schön, wenn sich die Kantone zusammenraufen würden und auf eine gemeinsame Strategie einigen könnten, sagte Dagmar Rösler, Präsidentin des Dachverbandes der Lehrerinnen und Lehrer, gegenüber dem «SonntagsBlick».

Seit eineinhalb Jahren fordere ihr Verband vergeblich ein koordiniertes Vorgehen. Doch die meisten Kantone pochten auf ihre Autonomie. Es werde gezögert und gezaudert. Leidtragende seien nicht nur die Eltern und Lehrkräfte, sondern die Schülerinnen und Schüler.

Jeder vierte Coronapatient stirbt auf der Intensivstation

Jeder vierte Patient, der wegen Covid-19 auf einer Intensivstation behandelt werden muss, überlebt nicht. Zwischen Dezember 2020 und August 2021 mussten total 1055 Personen, die sich mit dem Coronavirus angesteckt hatten, Intensivpflege in Anspruch nehmen. Davon überlebten 287 die Infektion und deren Folgen nicht, wie die «NZZ am Sonntag» gestützt auf Zahlen des Bundesamtes für Gesundheit publik gemacht hat.

Eine detaillierte Auswertung zeige, dass in der Gruppe der über 80-Jährigen rund 51 Prozent und in der Altersgruppe der 70- bis 79-Jährigen knapp 39 Prozent starben. Die Chance, zu überleben, sei umso grösser, je jünger die Erkrankten seien.

Engelberger fordert Zertifikatspflicht in Skigebieten

Im kommenden Winter sollte nach Ansicht des obersten Gesundheitsdirektors der Schweiz, Lukas Engelberger, die Zertifikatspflicht auch in den Skigebieten eingeführt werden. Skifahren und Winterferien seien freiwillig und zum Vergnügen. Da sei eine Zertifikatspflicht zu rechtfertigen, sagte Engelberger in einem Interview mit der «SonntagsZeitung».

Eine Zertifikatspflicht für Bergbahnen und Skigebiete sei im Sinn aller. Für die Kunden sei es angenehmer, nicht ständig eine Maske tragen zu müssen und sich sicherer zu fühlen. Der Basler Regierungsrat ist überzeugt, dass die Impfquote bis im Spätherbst auf über 70 Prozent steigen wird. Bis dahin dürften alle Schutzmassnahmen aufgehoben sein.

Aufhebung der Massentests an Schulen

Drei Wochen nach Beginn des Schuljahres hat der Berner Gesundheitsdirektor Pierre Alain Schnegg die Massentests an Schulen gestoppt. Die Zahlen sähen sehr gut aus, so die Begründung. In der zweiten Woche habe die durchschnittliche Positivitätsrate bei 0,09 Prozent gelegen, so tief wie in keinem anderen Kanton.

Sämtliche Schultests im Kanton Bern sind laut «SonntagsBlick» von einem Labor in Münsingen durchgeführt worden. Zwei weitere Labors erhielten zur Sicherheit ebenfalls Proben zur Analyse. Dabei zeigte sich, dass die Positivitätsrate sehr viel höher lag. Regierungsrat Schnegg habe die Öffentlichkeit bisher nicht darüber informiert.

Pandemie bestärkt Wunsch nach Eigenheim

Bisher gab es nur Vermutungen, wonach die Corona-Pandemie den Wunsch nach mehr Wohnraum und nach einem Eigenheim verstärken und die Menschen bei ihrer Suche raus aus den Städten und aufs Land treiben würde. Jüngst veröffentlichte Zahlen des Bundesamtes für Statistik zur Binnenwanderung der einheimischen Bevölkerung untermauern diese Annahme, wie die «SonntagsZeitung» schreibt. Mit Abstand am stärksten betroffen ist Zürich mit einem Rückgang von 5347 Personen.

Das sind 1,2 Prozent der gesamten Stadtbevölkerung. Deutliche Rückgänge verzeichnen auch die Städte Genf, Lausanne, Bern und Basel. Davon profitierten Regionen, die bis anhin ausserhalb der klassischen Pendlerzonen lägen, sagte ein UBS-Immobilienökonom.

Nationalbank hält an Negativzinsen fest

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) will weiterhin mit negativen Zinsen eine Aufwertung des Frankens verhindern. «Wir sind fest davon überzeugt, dass der Negativzins weiter notwendig ist», sagte SNB-Vizepräsident Fritz Zurbrügg gegenüber der «SonntagsZeitung». «Würden wir jetzt die Zinsen erhöhen, würde sich der Franken deutlich aufwerten.

Das Wirtschaftswachstum würde zurückgehen, und die Arbeitslosigkeit würde steigen.» Zu Abwendung von Risiken etwa durch eine Überhitzung des Immobilienmarktes seien gezielte Massnahmen derzeit effizienter. Zurbrügg bekräftigte, dass die SNB den Anstieg der Inflation in der Schweiz als vorübergehend einstufe und die Teuerung mittelfristig niedrig bleiben dürfte.

Skepsis gegenüber politischem Dialog

Der ehemalige Chefunterhändler für das Rahmenabkommen der Schweiz mit der Europäischen Union, Christian Leffler, begegnet der Idee von Bundesrat Ignazio Cassis, in einen politischen Dialog einzutreten, mit Skepsis. Ein politischer Dialog allein werde die Probleme zwischen der Schweiz und der EU nicht lösen, sagte Leffler gegenüber dem «SonntagsBlick».

Brüssel erwarte konkrete Vorschläge aus Bern. Bis heute habe der Bundesrat nicht gesagt, welche Alternativen zum Rahmenabkommen ihm vorschwebe. Zudem machte Leffler klar, dass der Bericht der EU über den Stand der Beziehungen zur Schweiz statt im Herbst wohl frühestens Ende Jahr fertig werde.

Investoren schlachten Klimawandel aus

Gewiefte Investoren schlachten den Klimawandel für ihre persönlichen Zwecke aus. Sie setzen zum Beispiel auf steigende Landpreise und höhere Erträge der Bauern in nördlichen Regionen. Dank den höheren Temperaturen im Sommer könnten die Bauern dort anstelle von Raps die profitableren Sojabohnen anpflanzen.

Die kanadische Finanzfirma Bonnefield zum Beispiel habe in der kanadischen Provinz Saskatchewan Ländereien von der Fläche des Kantons Aargau aufgekauft. Damit habe sie seit 2011 eine jährliche Rendite von 13 Prozent erzielt. Die Verlierer dieser Entwicklung seien die ärmeren Länder im Süden. So fehle etwa Madagaskar Nahrung für eine Million Menschen.

Rotes Kreuz kann Aktivitäten in Afghanistan fortsetzen

Die Taliban haben dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) versichert, es könne in Afghanistan seine Aktivitäten fortsetzen. Das sagte IKRK-Präsident Peter Maurer in einem Interview mit der Westschweizer Sonntagszeitung «Le Matin Dimanche». Maurer hatte in der vergangenen Woche während dreier Tage Afghanistan besucht.

Am Montag hatte er den zweithöchsten Repräsentanten der Taliban-Regierung, Mullah Abdul Ghani Baradar, getroffen. Es bleibe abzuwarten, wie es weitergehe, sagte Maurer. Der Start in die Gespräche sei jedenfalls geglückt. Er habe ebenfalls einzelne Provinzen besucht, so unter anderem Kandahar und Lashkar Gah. Er sei von deren Professionalität überrascht. Es sei viel Wissen etwa über den Gesundheitssektor vorhanden.

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