Drei Wochen nach Beginn des Schuljahres wurden im Kanton Bern die Massentests in den Schulen gestoppt. (Symbolbild: Keystone)
Schweiz

Kanton Bern erntet wegen Massentest-Stopps an Schulen Kritik

Wegen der tiefen Fallzahlen stoppte die Berner Gesundheitsdirektion die Massentests an Schulen. Nun stellt sich heraus, dass die Zahlen aber viel höher sind.

Der Kanton Bern ist wegen tiefer Fallzahlen bei Corona-Tests in den Schulen in die Schlagzeilen geraten. Aufgrund der Zahlen hatte der Kanton entschieden, auf Massentests an den Schulen zu verzichten. Die Gesundheitsdirektion weist die Vorwürfe zurück.

Zu den von der Nachrichtenagentur Keystone-SDA an die Gesundheitsdirektion gestellten Fragen nahm diese am Sonntag nicht konkret Stellung. Direktionssprecher Gundekar Giebel warf die Vorwürfe einzig als «völlig unhaltbar» zurück. Die Direktion werde Anfang nächster Woche detailliert Stellung nehmen, kündigte er an.

Bereits im Frühsommer hatte der Kanton Bern erklärt, er werde die Massentests an den Schulen auch noch drei Wochen lang nach den Sommerferien durchführen und dann entscheiden, welche Strategie er für die Schulen einschlägt. Bei tiefen Fallzahlen werde man die Massentests aufgeben, hiess es seinerzeit.

Nach den Sommerferien taten die Schulen, wie ihnen geheissen. Die Ergebnisse der Massentests zeigten tiefe Fallzahlen. So tiefe, dass das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hellhörig wurde. Es wies den Kanton Bern an, Tests nicht nur im Labor in Münsingen, sondern auch an zwei weiteren Labors auswerten zu lassen. Dort ergaben sich in der dritten Woche nach Schulbeginn deutlich höhere Fallzahlen, wie aus einer im «SonntagsBlick» abgedruckten Tabelle hervorgeht.

Gesundheitsdirektor Pierre Alain Schnegg (SVP) trat mit diesem Befund nicht an die Öffentlichkeit und handelt sich damit nun Kritik ein. «Fehler können passieren. Aber es geht nicht, so etwas Gravierendes einfach unter den Tisch zu kehren», zitiert der «SonntagsBlick» SP-Nationalrätin Flavia Wasserfallen.

Fehler eingestehen

Und auch Rudolf Hauri, Präsident der Vereinigung der Kantonsärztinnen und -ärzte, sieht dies ähnlich: «Natürlich gehören Fehler zur Praxis und es ist richtig, ihnen nachzugehen. Ebenso wichtig ist es aber, die Fehler anschliessend auch bekannt zu geben. Das ist eine Frage der Transparenz», wird Hauri im «SonntagsBlick» zitiert.

Ende August hatte der Kanton Bern bekannt gegeben, die Massentests einzustellen und ab September auf Ausbruchstestungen umzustellen. Dies aufgrund der tiefen Fallzahlen an den Schulen. Neu kommen mobile Testteams an Schulen, wenn dort ein Corona-Ausbruch stattfand.

Gesundheitsdirektor Schnegg steht nun auch in der Kritik, den im Frühsommer angekündigten Strategiewechsel einfach durchgezogen zu haben, ungeachtet der realen Fallzahlen.

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