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International

Die wichtigsten Köpfe im deutschen Bundestagswahlkampf

Die Deutschen wählen am 26. September ein neues Parlament. Eine Zusammenstellung der wichtigsten Protagonisten der Parteien.

Die Deutschen wählen am 26. September ein neues Parlament und entscheiden damit über die Zusammensetzung der nächsten Regierung. Die wichtigsten Protagonisten der Parteien:

Armin Laschet

(CDU, 60): Der Rheinländer ist Regierungschef des bevölkerungsreichsten deutschen Bundeslandes, Nordrhein-Westfalen. Nun will er von der Düsseldorfer Staatskanzlei ins Berliner Kanzleramt einziehen und in die Fussstapfen seiner Parteifreundin Angela Merkel treten. Der Weg zur Spitzenkandidatur war holprig. Anfang des Jahres wurde er mit knappem Vorsprung vor seinem Rivalen Friedrich Merz zum neuen CDU-Parteichef gewählt. Danach hatte er grosse Mühe, sich gegen den Vorsitzenden der kleineren Schwesterpartei CSU, Markus Söder, als gemeinsamer Kanzlerkandidat von CDU und CSU durchzusetzen. Im Wahlkampf versuchte Laschet, mit seiner Regierungserfahrung zu punkten. Allerdings gab er bei seinen öffentlichen Auftritten nicht immer ein gutes Bild ab, und seine persönlichen Zustimmungswerte blieben mässig. Kritiker warfen ihm auch vor, als Spitzenkandidat zu wenig Position zu beziehen.

Annalena Baerbock

(Grüne, 40): Es ist das erste Mal in ihrer über 40-jährigen Geschichte, dass die deutschen Grünen Anspruch auf das Kanzleramt erheben. Im Frühsommer wurde die Co-Vorsitzende Annalena Baerbock offiziell zur Kanzlerkandidatin gekürt. Die Parteiführung hatte sie Anfang 2018 gemeinsam mit Robert Habeck übernommen. Regierungserfahrung hat Baerbock bisher keine. Seit 2013 sitzt sie für die Ökopartei im Bundestag. Im Falle eines Wahlsieges würde die Mutter von zwei Töchtern die mit Abstand jüngste Regierungschefin in der Geschichte des Landes. Nach einem Höhenflug in den Umfragen im April bröckelte die Zustimmung in der Wählergunst aber wieder. Dazu könnten die Negativschlagzeilen, die Baerbock machte, beigetragen haben, unter anderem wegen Unstimmigkeiten in ihrem offiziellen Lebenslauf. Politisch steht Baerbock für einen schnelleren Ausstieg aus der Kohleverstromung, einen verstärkten Ausbau der erneuerbaren Energien und eine «aktive Einwanderungspolitik».

Olaf Scholz

(SPD, 63): Als Bundesfinanzminister hat Olaf Scholz den wohl wichtigsten Job in der scheidenden Regierung Merkel. Schliesslich gilt es, in der Coronakrise Milliarden-Hilfen zu bewegen. Nun möchte der bisherige Vizekanzler selber Bundeskanzler werden. Langjährige Regierungserfahrung hatte er vor seiner Rückkehr ins Bundeskabinett schon als Erster Bürgermeister seiner Heimatstadt Hamburg und zuvor als Bundesarbeitsminister erworben. Seiner Partei diente er von 2002 bis 2004 als Generalsekretär. Dies war die Zeit, in der er sich den Spitznamen «Scholzomat» einhandelte – da er häufig Floskeln bemühte, anstatt sich konkret inhaltlich zu äussern. 2019 bewarb Scholz sich erfolglos um den Parteivorsitz. Als Kanzlerkandidat aber war er für die Genossen erste Wahl. Politische Gegner werfen ihm vor, als Bürgermeister in den Cum-Ex-Skandal um undurchsichtige Aktiengeschäfte verstrickt gewesen zu sein, was er zurückweist.

Wolfgang Schäuble

(CDU, 78): Graue Eminenz der Christdemokraten. Er sitzt seit 1972 im Bundestag und steuert nun auf sein 50. Parlamentsjubiläum zu. Er war schon zu Bonner Zeiten einer der wichtigsten Akteure auf der politischen Bühne der Bundesrepublik und handelte als Innenminister 1990 den Einigungsvertrag mit der DDR aus. Bei einem Attentat im Herbst 1990 wurde er schwer verletzt und sitzt seither im Rollstuhl. Seine politische Arbeit setzte er fort, musste aber wegen der CDU-Spendenaffäre den Partei- und Fraktionsvorsitz 2000 niederlegen. Unter Bundeskanzlerin Angela Merkel war der aus Baden-Württemberg stammende Jurist von 2005 bis 2009 erneut Innenminister und dann acht Jahre Finanzminister. Danach wurde er zum Bundestagspräsidenten gewählt. Er half entscheidend mit, Laschet als Kanzlerkandidaten gegen CSU-Chef Markus Söder durchzusetzen.

Christian Lindner

(FDP, 42): Fast im Alleingang gelang es dem Unternehmensberater, eine nach dem Ausscheiden aus dem Bundestag 2013 am Boden liegende Partei wieder aufzurichten. Bei der Wahl 2017 gelang der FDP unter seiner Führung mit 10,7 Prozent der Stimmen ein glänzendes Comeback und der Wiedereinzug ins nationale Parlament. Parteichef Lindner übernahm auch den Fraktionsvorsitz. Die zähen, wochenlangen Sondierungen für eine mögliche «Jamaika»-Koalition mit CDU/CSU und Grünen im Herbst 2017 brach Lindner mit den Worten «Es ist besser, nicht zu regieren, als falsch zu regieren» ab. In den Meinungsumfragen sackte die FDP zeitweise ab, steht inzwischen aber wieder gut da. Als Oppositionspartei konnte sie Profil gewinnen. Wahrscheinlich werden die Liberalen für eine Regierungsbildung gebraucht, Lindner könnte damit zum Kanzlermacher werden.

Robert Habeck

(Grüne, 52): Wenige Monate nach der letzten Bundestagswahl übernahm der Mann aus dem hohen Norden gemeinsam mit Annalena Baerbock Anfang 2018 die Führung der Ökopartei. Unter dem telegenen Duo ging es mit den Grünen steil bergauf. Bei der Europawahl 2019 holte die Partei erstmals auf nationaler Ebene mehr als 20 Prozent. Dass Baerbock die Kanzlerkandidatur bekam und nicht er, bezeichnete Habeck als eine «persönliche Niederlage». Anders als Baerbock hat Habeck bereits Regierungserfahrung – als Umweltminister von Schleswig-Holstein. Der Philosoph und Germanist hat auch als Schriftsteller reüssiert und gemeinsam mit seiner Ehefrau Romane und Jugendbücher verfasst. Mit den sozialen Medien hatte Habeck keine so glückliche Hand. Nach einem missglückten Tweet, der ihm Spott und Kritik bescherte, zog er sich 2019 aus Twitter und Facebook zurück.

Janine Wissler

(Die Linke, 40): Die langjährige Fraktionsvorsitzende der Linken im hessischen Landtag gilt als rhetorisches Ausnahmetalent – durchaus in der Lage, in jeder Talkshow zu punkten. Sie argumentiert kämpferisch und pointiert, wirkt aber selten verbissen oder persönlich beleidigend. Seit wenigen Monaten eine vor zwei Bundesvorsitzenden der Linken, zieht es die Vertreterin des linken Parteiflügels nun als Spitzenkandidatin ins nationale Parlament. Sie kämpft für einen «grundlegenden Politikwechsel» nach der Bundestagswahl, sie ist kapitalismuskritisch, gegen eine deutsche Nato-Mitgliedschaft und gegen Rüstungsexporte. Sie ist seit langem unter anderem auch in der kapitalismuskritischen Organisation Attac aktiv. Vom trotzkistischen Netzwerk Marx21 hat sie sich wegen ihrer Kandidatur für den Parteivorsitz getrennt.

Dietmar Bartsch

(Die Linke, 63): Er gilt als ein Vertreter des Reformflügels seiner Partei, der für eine mögliche Zusammenarbeit mit SPD und Grünen offen ist. Sein Lebenslauf weist zu den Ursprüngen seiner Partei in der früheren DDR. 1977 trat der im nordostdeutschen Stralsund geborene Bartsch in die Staatspartei SED ein. Es folgten ein Wirtschaftsstudium in Ost-Berlin und in der Sowjetunion. Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde Bartsch 1991 Bundesschatzmeister der PDS, wie sich die SED seit dem Wendewinter 1989/90 nannte. Später wurde er Bundesgeschäftsführer der PDS, die 2007 in der Partei Die Linke aufging. Seit 2015 ist er Co-Vorsitzender der Linken-Bundestagsfraktion. Als die PDS 2002 für eine Legislaturperiode aus dem Bundestag flog, arbeitete der Sozialist auch zwei Jahre lang als Unternehmensberater.

Alice Weidel

(AfD, 42): Scharfe Reden der AfD-Frontfrau sorgen regelmässig für Aufruhr im Bundestag. In der Migrationspolitik wetterte Weidel gegen «Kopftuchmädchen», «Messermänner» und «Taugenichtse». Sie ist gegen Corona-Einschränkungen, zugleich klimaskeptisch, EU-skeptisch und fordert die Rückkehr zu nationalen Währungen. Nach dem erstmaligen Einzug der Rechtspopulisten ins nationale Parlament wurde die promovierte Volkswirtin aus Baden-Württemberg Co-Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion. 2020 übernahm sie auch den AfD-Landesvorsitz Baden-Württemberg. Jetzt ist sie wieder eine von zwei Spitzenkandidaten. Die Unternehmensberaterin lebt in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung mit ihrer Lebensgefährtin und zwei Kindern.

Tino Chrupalla

(AfD, 46 ): Der AfD-Spitzenkandidat ist in seiner sächsischen Heimat gut vernetzt. Bei der Bundestagswahl 2017 machte der selbständige Malermeister erstmals Schlagzeilen, als er seinen Wahlkreis direkt gewann und sich dabei gegen den CDU-Politiker Michael Kretschmer durchsetzte, den heutigen sächsischen Ministerpräsidenten. Als Vertreter des rechten Parteiflügels schaffte er es 2019 bis zum Co-Bundesvorsitzenden der AfD und wurde zu einem Gegenspieler des eher gemässigten Co-Vorsitzenden Jörg Meuthen. Er wettert gegen «multikulturelle Zustände» in Deutschland, tritt gegen Corona-Auflagen ein und fordert «Schluss mit dem Lagerdenken» in der eigenen Partei.

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