Die beiden Angeklagten standen seit Montag vor dem Baselbieter Strafgericht. (Foto: Tom Bisig)
Baselland

Pflegerin und Mitarbeiterin von Giftmord-Vorwurf freigesprochen

Das Baselbieter Strafgericht hat eine 32-jährige Pflegerin vom Vorwurf des versuchten Mordes freigesprochen. Auch ihre Kollegin erhielt einen Freispruch.

Der 32-Jährigen wurde vorgeworfen, zusammen mit einer Komplizin eine Bewohnerin des Alterszentrum Rosengarten in Laufen zu vergiftet zu haben. Darum standen die beiden Schweizerinnen seit Montag vor dem Baselbieter Strafgericht. Am Donnerstag sprach dieses nun das Urteil.

Demnach gebe es keine Beweise für Gift im Brötli oder Tee. Und da keine Haupttat erwiesen sei, wird die Komplizin auch vom Vorwurf der Gehilfenschaft freigesprochen, so das Gericht. Eventuell habe die Angeklagte wegen Ehe- und Finanzproblemen Suizid begehen wollen.

Fall wurde 2019 publik

Im Januar 2019 deckte der «Blick» auf, dass zwei Pflegerinnen des Altersheims Rosengarten in Laufen des versuchten Mordes verdächtigt werden. Die beiden hätten versucht, eine betagte Bewohnerin mit giftigen Rizinussamen umzubringen, welche sie ihr mehrmals in Lebensmittel gemischt haben sollen. Zuvor soll eine der Pflegerinnen das Bankkonto der Rentnerin um 20’000 Franken erleichtert haben, nachdem sie das Vertrauen der Bewohnerin gewonnen hatte. Die Pflegerinnen wurden nach Bekanntwerden der Vorwürfe fristlos entlassen.

Im Sommer 2020 erhob die Baselbieter Staatsanwaltschaft offiziell Anklage gegen die beiden Schweizerinnen, welche damals 31 und 44 Jahre alt waren.
Eine Beschuldigte wurde wegen mehrfach versuchtem Mord, eventualiter mehrfacher versuchter vorsätzlicher Tötung, Veruntreuung, Vorbereitungshandlungen zu Mord und eventualiter zu vorsätzlicher Tötung angeklagt.

Der zweiten beschuldigten Pflegerin warf die Staatsanwaltschaft Gehilfenschaft zu mehrfachem versuchtem Mord, eventualiter zu mehrfacher versuchter vorsätzlicher Tötung, Vorbereitungshandlungen zu Mord und eventualiter zu vorsätzlicher Tötung vor.

Mehrtägiger Prozess

Dreimal sollen die beiden Pflegerinnen versucht haben, ihren perfiden Plan umzusetzen. Ein erstes Mal soll ein belegtes Brötchen vergiftet worden sein, die Rentnerin ass jedoch kaum davon. Beim zweiten Versuch soll ein Erdbeertörtchen manipuliert worden sein. Die Seniorin habe sich danach in der Nacht übergeben und litt unter Atemnot und Durchfall. Beim dritten Anlauf sei am 1. Dezember 2018 der Morgentee der Frau vergiftet worden. Unmittelbar nach dem Konsum ging es dem Opfer derart schlecht, dass es notfallmässig ins Basler Unispital eingeliefert wurde.

Dort wurde erkannt, dass eine Vergiftung vorliegt. Die Rentnerin lag sechs Tage auf der Intensivstation, so die BaZ. Die Staatsanwaltschaft habe Beweise dafür gefunden, dass die beiden Pflegerinnen im Internet über Giftpflanzen recherchiert haben. Daneben habe eine Angeklagte auch geplant, ihren Ehemann zu beseitigen. Nachrichten auf dem Mobiltelefon würden dies belegen. Die eine Pflegerin, welcher Gehilfenschaft vorgeworfen wird, sei möglicherweise davon ausgegangen, dass nur der Ehemann der anderen Pflegerin umgebracht werden sollte.

Vor Gericht gab die Hauptangeklagte zu, Gelder der Rentnerin veruntreut zu haben. «Dass tut mir leid und damit muss ich leben,» sagte sie am ersten Prozesstag. Die Vergiftungsvorwürfe bestritt sie jedoch. Die Mitangeklagte habe laut der bz meist die Aussage verzichtet. Der Verteidiger der einen Pflegerin sagte, dass es für den vorgeworfenen versuchten Mord keine objektiven Beweise gebe.

Hier finden Sie Hilfe bei Suizidgedanken:
Beratungsstellen:
Dargebotene Hand, Tel. 143, (143.ch)
Angebot der Pro Juventute: Tel. 147, (147.ch)
Kirchen (Seelsorge.net)
Anlaufstellen für Suizid-Betroffene:
Nebelmeer – Perspektiven nach dem Suizid eines Elternteils (Nebelmeer.net);
Refugium – Geführte Selbsthilfegruppen für Hinterbliebene nach Suizid (Verein-refugium.ch);
Verein Regenbogen Schweiz (Verein-regenbogen.ch).

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