Die Fallzahlen bei der KESB stiegen trotz Pandemie nur leicht an. (Bild: Keystone)
Schweiz

KESB-Fallzahlen steigen trotz Corona nur wenig an

Die Anzahl der Personen, die im Jahr 2020 Schutz der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden benötigten, stieg trotz Ausbruch der -Pandemie nur leicht.

Bei den Kindern standen Besuchsrechtsfragen im Fokus, bei den Erwachsenen die Unterstützung zum Selberhandeln. Insgesamt bestand für fast 141‘620 Personen eine Schutzmassnahme.

Betroffen waren fast 43’500 Kinder und 98’120 Erwachsene, wie die Konferenz für Kindes- und Erwachsenenschutz (Kokes) am Donnerstag mitteilte. Das heisst: von 1000 Kindern hatten 28 eine Schutzmassnahme, und von 1000 Erwachsenen deren 14. Die Zahlen waren damit gemäss Kokes «unauffällig» und per 31. Dezember 2020 um 1,8 respektive 1,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr leicht gestiegen. Das entspreche der langjährigen Entwicklung, schreibt die Kokes.

Fragen zum Besuchsrecht bei Kindern

Bei den Kindern standen demnach vor allem Besuchsrechtsfragen im Vordergrund: In fast der Hälfte der Fälle (19’245 Kinder) unterstützte eine Beistandsperson die Betroffenen bei Konflikten, die wegen der Ausgestaltung des Besuchsrechts auftraten.

Dies sei oft vorgekommen, insbesondere weil die sozialen Kontakte während gewissen Monaten wegen der Corona-Krise auf ein Minimum zu beschränkt werden mussten, schreibt die Kokes. Aus diesem Grund habe die Organisation ein Merkblatt herausgegeben, das besagt, dass die Besuche zwischen Eltern und Kindern grundsätzlich weiterhin stattfinden sollten und etwa die 5-Personen-Regel nicht für Eltern-Kind-Beziehungen gälten, auch wenn die Beteiligten nicht im selben Haushalt wohnten.

Hilfe zum Selberhandeln bei Erwachsenen

Bei den Erwachsenen war die Unterstützung zum Selberhandeln zentral, wie die Kokes schreibt. In 83 Prozent der Fälle handelte es sich also um sogenannte Vertretungsbeistandschaften, bei welchen die Beistandsperson die Betroffenen beim selbständigen Handeln unterstützt. Die Betreuungsperson zeigt etwa, wie die betroffenen ein Budget erstellen oder die Miete bezahlen können.

Auch bei den Erwachsenen veranlasste die Corona-Pandemie die Kokes zu einem Merkblatt – nämlich zur Frage, wer die Zustimmung zur Impfung erteilt. Demnach hat dies grundsätzlich die betroffene Person selber zu entscheiden, sofern sie urteilsfähig ist. Sollte des nicht der Fall sein, müssten Dritte entscheiden. Die Betroffenen seien aber zu informieren und in den Entscheid einzubeziehen. Die Drittperson müsse sich zudem an den bekannten oder mutmasslichen Willen der betroffenen Person halten.

Mehr Beistand für Hilfsbedürftige

Die Corona-Pandemie habe zudem ein Licht darauf geworfen, dass die Berufsbeistandschaften vielerorts Arbeitsbedingungen hätten, die nur ein Minimum an Betreuung zu liessen. Das gehe zu Lasten der Personen, die Hilfe benötigten, schreibt die Kokes.

Sie hat daher in Zusammenarbeit mit den Kantonen und dem Gemeindeverband Empfehlungen verabschiedet, wonach etwa für die Berufsbeistandschaften mehr Personal zur Verfügung gestellt werden sollen. Zudem sollen die niederschwelligen Beratungsangebote gestärkt werden, welche die Berufsbeistände entlasten.

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