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Der Telebasel News-Beitrag vom 7. September 2021.
Baselland

Kraftwerk in Zwingen offiziell in Betrieb

In Zwingen wurde das neue Wasserkraftwerk in Betrieb genommen. Seit 2014 beschäftigte das 5,4 Millionen Franken teure Projekt die Elektra Baselland.

Erneuerbare Energie: Es ist das, was unsere Gesellschaft fordert. Die Wege dorthin werden den Energiegewinnern jedoch oft nicht einfach so freigegeben. So auch beim Neubau beim Wasserkraftwerk in Zwingen.

Kein Entscheid fiel allein

Als im Jahr 2014 klar war, dass dort, wo das alte Kraftwerk neben der inzwischen abgerissenen Papierfabrik stand, ein komplett neues Waseerkraftwerk hinkommt, wurden keine Planungs- und Bauentscheide mehr allein getroffen.

Wie Projektleiter der EBL Martin Strohmaier erzählt, sei das während der sieben Jahre Arbeit die grösste Herausforderung gewesen: «Man musste sich mit ganz viel verschiedenen Parteien an einen Tisch setzen – und das immer parallel zu jeder Zeit, zu jedem Projektfortschritt. Für alle den richtigen Weg, den richtigen Konsens zu finden und alles zu berücksichtigen, das fand ich sehr schwierig». Strohmaier gab zu, er hätte nicht gedacht, dass das Wasserkraftwerk schlussendlich so fertiggestellt werde, wie es jetzt in Zwingen steht.

Umso grösser war die Erleichterung, dass das Kraftwerk am Ende doch so fertiggestellt wurde, wie es sich der Projektleiter wünschte: «Es ist ein grossartiges Gefühl, das kann ich gar nicht anders sagen. Es war gar nicht so klar, dass alles so hinhaut, wie wir es uns vorstellten. Aber die Ausdauer hat ausgereicht und wir haben es mit allen zusammen geschafft, das Kraftwerk so hinzubekommen, wie wir es heute haben».

«Nicht alle zogen am gleichen Strang»

Nicht nur während des Projekts in Zwingen stoss die Elektra Baselland (EBL) wohl auf Diskussionen, Kompromisse und Interessenskonflikte. Tobias Andrist, CEO der EBL, gab gegenüber Telebasel zu verstehen, dass Projekte für den Energiegewinn mit erneuerbaren Energien oftmals einen riesigen Aufwand bedeuten.

Erneuerbare Energie, wie Tobias Andrist zu Telebasel meinte, ist etwas, was sich jeder wünscht, aber nur solange es niemanden direkt betrifft: «Ich glaube, wenn man ganz ehrlich ist, ist erneuerbare Energie das Ziel. Wenn man aber auch ehrlich ist, ist die Herausforderung, das wirklich erneuerbar zu machen, riesig.»

Der Aufwand sei für viele mögliche Projekte also schlichtweg zu gross: «Es ist eigentlich für die ganze Gesellschaft ein Mega-Projekt. Das funktioniert nur dann, wenn alle am gleichen Strang ziehen und momentan muss man ehrlicherweise sagen, dass in vielen Bereichen nicht alle am gleichen Strang ziehen».

Konkret, fügt der EBL-CEO an, gehe es dabei um Widerstand: «Wenn es um Bewilligungen geht. Oder den Prozess, wie man die Bewilligung für ein Wasserkraftwerk, einen Grossbau bekommt».

Windenergie ist praktisch hoffnungslos

Besonders bei Projekten, die mit Windenergie zu tun haben, stosse man auf Widerstand. Stromgewinnung durch Windräder wird es in der Region wohl nicht geben. «Da kommt man mit diesem Bewilligungsverfahren eigentlich nicht vorwärts. Auch mit den Einsprachemöglichkeiten. Und solange das faktisch so bleibt, wird man wenige Projekte kommen sehen», erklärt Tobias Andrist.

Weiter gibt Andrist an der Medienveranstaltung zu verstehen, dass die EBL keine weiteren Versuche in der Windkraft starten will. Der Widerstand sei einfach zu gross.

«Ich glaube die Menschen wollen unisono erneuerbare Energie, das ist mein Gefühl», gibt Tobias Andrist zu, fügt jedoch an: «Oftmals aber nicht im eigenen Garten. Das ist das Problem. Das funktioniert in der dichtbevölkerten Schweiz so natürlich nicht, denn alle haben irgendwo ihren Garten».

Für Andrist gibt es daher nur einen Weg zu fortschrittlicher, erneuerbarer Energie: «Es muss am Ende einen Entscheid geben: Was wollen wir wirklich? Wollen wir erneuerbare Energie in der Schweiz? Wenn ja, muss man die rechtlichen Rahmenbedingungen so machen, dass es auch funktioniert». Was heissen soll, dass die Bevölkerung wohl weniger Mitsprache bei der Energiegewinnung haben müsste.

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