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Der Telebasel News-Beitrag vom 7. September 2021.
Basel

Pflegende sind am Anschlag – nicht erst seit Corona

Viele Pflegende sagen, dass sie am Anschlag sind. Das hat handfeste Auswirkungen auf ihre tägliche Arbeit und ihre eigene Gesundheit.

«Ich habe so grossen Stress beim Medikamenterichten – ich bin im Kopf schon zwei Zimmer weiter –, dass ich merke, zwischendurch passieren mir Fehler. Ich verabreiche falsche Medikamente, ich merke es vielleicht noch im Patientenzimmer, aber ich kann nicht sicher sein, ob das wirklich hundertprozentig gute Arbeit ist.»

Solche Rückmeldungen bekommt Daniel Simon, Präsident des Pflegeverbandes SBK beider Basel immer häufiger. Seit Beginn der Coronakrise steht das Pflegepersonal und dessen Arbeitsbedingungen im Fokus der Öffentlichkeit. Vieles sei aber schon davor im Argen gewesen, sagt Daniel Simon.

Bereits vor Corona angespannte Situation

«Die Spitäler und auch die Heime laufen immer ein bisschen am Limit. Das hat auch damit zu tun, dass man in den letzten Jahren die Stellenpläne eher tendenziell nach unten angepasst hat. Das heisst, für das Pflegepersonal ist seit Jahren eine täglich sehr hohe Arbeitsbelastung Alltag», erklärt Daniel Simon.

Die Covid-Pandemie habe das Problem noch Mal verschärft. Mit ein Grund für die Entwicklung sei auch die Politik des BAG, welche die Spitäler finanziell immer stärker unter Druck setze. «Die Fallpauschalen werden vom Bundesrat jedes Jahr nach unten gedrückt, das heisst, es ist schwierig, jedes Jahr die entsprechenden Einnahmen zu generieren.»

Viele Jobwechsel

Weil das Personal mit circa 60 Prozent der Kosten der grösste Posten ist, sei dies der Punkt, an dem zuerst gespart werde. Weniger Leute, die die gleiche Menge Arbeit leisten müssen, führe dann zu Stress, Unmut und zu Fehlern. Genau das sei der springende Punkt, wieso so viele Pflegende nicht besonders lange im Beruf bleiben.

«Die Pflegenden sind ja motiviert, sie sagen ja nicht, der Beruf an und für sich gefalle ihnen nicht. Sie sind motiviert mit Leuten in Kontakt zu sein, sie zu unterstützen, sie zu pflegen. Es sind wirklich die Rahmenbedingungen, die nicht mehr im Lot sind.

Wieso nicht fehlende Betten das Problem sind, und wieso während der Pandemie die Intensivplätze nicht massiv erhöht werden können. (Video: Telebasel)

2 Kommentare

  1. Ja! Dem ist so! Seit 30 Jahren arbeite ich als Pflegerin. Ich liebe meine Arbeit, musste aber immer mehr mein Pensum reduzieren, da in den letzten Jahren stetig mehr erwartet wird und der Druck dermassen zugenommen hat. Ich kenne keine Kollegin die diesen Beruf noch im Vollpensum ausüben kann, geschweige ohne gesundheitliche Probleme zu bekommen!!Report

  2. Das ist wirklich ein Problem. Wie soll ich als Patient/in vertrauensvoll im Spital liegen, wenn solche Notstände bestehen? Die einen kassieren Millionen und die andern schuften bis zum Anschlag und werden erst noch mässig bezahlt. Echt traurig, diese Entwicklung.Report

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