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Der Telebasel News Beitrag vom 6. September 2021.
Basel

Basler Pflegefachfrau: «Wir sind wütend und enttäuscht!»

Das Pflegepersonal ist wegen Corona am Anschlag. Es fühlt sich von Politik wie Betrieben im Stich gelassen. Das stellt man beim Unispital Basel in Abrede.

«Wir sind wütend darüber, dass die Verantwortung von der Politik zum Betrieb und dann wieder zurückgeschoben wird», sagt die langjährige Pflegefachfrau Isabelle Stocker, die im Universitätsspital Basel arbeitet, gegenüber Telebasel. Das Pflegepersonal fühle sich im Stich gelassen – seitens Arbeitgeber sowie Politik.

«Fordern fünf Prozent mehr Lohn»

Stocker erinnert an den Tag der Pflege, der am 12. Mai stattfand. Damals definierten die Pflegenden des Universitätsspitals Basel klare Forderungen. «Wir fordern fünf Prozent mehr Lohn und dass man für kurzfristiges Einspringen eine entsprechende Zeitgutschrift erhält», sagt Stocker. Zudem fordere man Altersentlastungen für jene Angestellten, die der Pension näherkommen. Auch die Ausbildung des Pflegepersonals werde derzeit vernachlässigt. Dies müsse sich umgehend ändern.

Die Forderungen seien am Universitätsspital Basel bekannt, versichert Mediensprecher Nicolas Drechsler. Man habe auch bereits reagiert. «Wir sind ein Spital, das gut bezahlt und gute Sozialleistungen hat», sagt Drechsler. Allerdings sei auch zu beachten, dass das Unispital im letzten Jahr einen Verlust von 30 Millionen Franken gemacht hat. «Es ist uns an den heiklen Orten – den Intensivstationen, den Notfallzentren und bei den Studierenden – trotzdem gelungen, Lohnerhöhungen vorzunehmen», so Drechsler weiter.

Das Ausbildungsproblem sei erkannt und werde momentan intensiv angeschaut. «Dadurch, dass wir in der Klinik viel mehr Arbeit leisten mussten, fehlen natürlich die erfahrenen Pflegenden in der Ausbildung. Sie sind am Bett der PatientInnen», wirbt Drechsler um Verständnis.

Abfallkübel wichtiger als Pflegepersonal?

Ein weiterer Kritikpunkt des Pflegepersonals ist die Motion der Basler Gesundheits- und Sozialkommission. Diese möchte dem Gesundheitspersonal für seinen grossen Einsatz einen Corona-Bonus ausbezahlen. Der Regierungsrat beantragt dem Parlament nun aber, einen Bonus in Höhe von 5 Millionen Franken abzulehnen. Die Regierung möchte es den Arbeitgebern im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten überlassen, ob und wie sie sich gegenüber den einzelnen Mitarbeitergruppen erkenntlich zeigen.

«Letztes Jahr hat es geheissen, wir würden frühzeitig entschädigt. Jetzt gibt es plötzlich hundert Ausreden, weshalb es doch nicht geht», sagt Stocker. Es sei genügend Geld vorhanden. «Der Kanton konnte sechs Millionen Franken für neue Mistkübel ausgeben. Uns möchte man nicht einmal fünf Millionen aussprechen. Das ist einfach unverständlich», so Stocker weiter. Der Grosse Rat wird voraussichtlich an der Sitzung vom 15. September darüber entscheiden.

(Bild: VPOD Region Basel) 

3 Kommentare

  1. Überall dasselbe. Auf der einen Seite wird mit der grossen Kelle das Geld zum Fenster raus geworfen (siehe Mistkübel) und auf der anderen Seite wird gespart mit der Begründung dass es die Finanzen nicht zulassen. Solche Szenarien habe ich schon oft bemerkt und dies in Gemeinden und Kantonen.Report

  2. Eine unglaubliche Frechheit und Respektlosigkeit gegenüber dem gesamten Pflegepersonal. Vor allem aber ist es gemein, für den unglaublichen Einsatz des Pflegepersonal in den letzten eineinhalb Jahren geleistet hat.
    Schämt EUCH IHR POLITIKER, Die IHR sowas zulassen könnt. Auch seid nämlich nicht unsterblich und könntet auch mal die Intensivpflege benötigen. Hoffentlich sind dann Leute noch da, die dies auch können……🙄Report

  3. Hoffentlich wird’s gehört.. Ohne zynische Bemerkungen wegen Corona-Flaute (wo man selbstverständlich Ferien- und Flexitage einsetzte) oder gleich belasteten Postlern (die sich selber anrufen
    – kann man das im Gesundheitswesen vorstellen?). Liebe Regierung, macht mal die Augen auf, schaut die Statistiken. Wenigstens Pflegern gibt bitte Gelder für die Erholung. Geklatsche reicht nicht. DankeReport

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