Lässt sich per Februar 2022 frühpensionieren: Der Basler Kantonsarzt Thomas Steffen (60). (Bild: Keystone)
Basel

Steffen: «Ich bin jemand, der eine sehr enge Beziehung zu seiner Arbeit hat»

Thomas Steffen hört auf, um weiterzumachen: Der Basler Kantonsarzt gibt sein Amt ab, um ein neues Projekt aufzuziehen, dem er noch mit über 70 nachgehen kann.

Im Frühling kündigte der Basler Kantonsarzt Thomas Steffen seinen Rücktritt an. Per Februar 2022 lässt sich der 60-Jährige frühpensionieren, um sich beruflich neuen Projekten zu widmen. Nun steht fest, um was es sich dabei handelt: Steffen gründet eine Consulting Firma.

Mit dieser widmet er sich der Beratung in Sachen Organisation, Projektmanagement, Weiterbildung und Kommunikation. Vor wenigen Tagen ging die Website zur neuen Firma online. Das Angebot besteht aber erst nach dem Austritt des Kantonsarztes aus dem Gesundheitsdepartement, wie Steffen betont. Erst dann werde die Firma geschäftlich tätig. 

Im Interview mit Telebasel spricht der zurücktretende Basler Kantonsarzt über sein künftiges Projekt, seine Ziele und darüber, weshalb er nach der intensiven Zeit beim Gesundheitsdepartement keine Pause einlegt.

Telebasel: Sie gründen neu eine Consulting-Firma. Wie kam es zu der Gründung?

Thomas Steffen: Die Idee ist eigentlich über 20 Jahre alt. Ich hatte damals den Traum, eine eigene Firma im Bereich Projektmanagement und Evaluation zu gründen. Mein beruflicher Weg ging dann aber in eine andere Richtung.

Die Webseite zu Ihrer Firma ist neu online. Haben Sie schon erste Rückmeldungen erhalten?

Die Webseite ist im Aufbau. Das Angebot besteht erst ab März 2022. Die meisten BesucherInnen der Webseite dürften mich deshalb im Moment persönlich kennen und finden den neuen Schritt spannend.

Haben Sie sich in den letzten Monaten zur Gründung entschieden?

Wie gesagt, die Idee habe ich schon lange. Mir ist in den letzten Monaten klar geworden, dass ich auch nach der Frühpensionierung im Gesundheitsdepartement meine über 30-jährige, berufliche Erfahrung in der einen oder anderen Form weitergeben möchte. Die Gründung einer Firma gibt dafür eine gute Plattform und ich lerne neue Dinge, wie zum Beispiel die Erstellung einer Homepage oder das Führen einer doppelten Buchhaltung.

Sie sind als Kantonsarzt durch die Pandemie stark gefordert, haben Sie auch mit dem Gedanken gespielt, nach dem Abgeben Ihres Amtes eine Pause einzulegen?

An gewissen Tagen schon (lacht). Ich kenne mich aber aus früheren Wechselphasen. Am zufriedensten bin ich, wenn ich Aufgaben habe. Ich habe mir aber fest vorgenommen mich auf eine gute Work-Life Balance zur achten. Neben genügend Pausen ist die Bewegung in den letzten Monaten eindeutig zu kurz gekommen.

Erwarten Sie sich durch Ihre grosse Medienpräsenz als Kantonsarzt Aufwind bei der Gründung Ihres neuen Unternehmens?

Natürlich erzeugt meine Medienpräsenz ein gewisses Interesse. Ich bin da aber realistisch. Bei meiner Firma geht es nicht primär um Corona, sondern Unterstützung von Einzelnen oder Institutionen bei der Entwicklung von Konzepten, Projekten oder bei der Team- oder Organisationsentwicklung in Gesundheits- und Sozialbereich und da muss auch ich zuerst Interessenten finden.

Welche Ziele haben Sie sich für die erste Zeit mit Ihrer neuen Consulting Firma gesteckt?

Interessante Aufträge, an welchen ich mein Angebot weiterentwickeln könnte, und die Sachkosten damit gedeckt werden, wären im ersten Jahr für mich ein Erfolg.  Daneben möchte ich zwei Weiterbildungskurse anbieten. Längerfristig möchte ich einen Praktikumsplatz anbieten können.

Fällt es Ihnen schwer, Ihre Funktion als Kantonsarzt aufzugeben?

Ich bin jemand, der eine sehr enge Beziehung zu seiner Arbeit hat. Sie gibt mir viel. Ich bin mir seit Jahren bewusst, dass dies eine grosse Herausforderung für mich mit Blick auf die Pensionierung ist und habe mich deshalb entschlossen, mich früher pensionieren zu lassen, um hoffentlich noch genügend Energie zu haben, um neue berufliche und ehrenamtliche Aufgabe zu übernehmen, welche vielleicht auch mit über 70 dann noch Sinn geben.

Weshalb hören Sie genau zu diesem Zeitpunkt im Winter auf?

Ich habe mich im Frühling mich entschlossen, Ende Februar 2022 mit dann 61 Jahren in die Frühpension zu gehen. In der Hoffnung, dass dann der akuteste Teil der Pandemie abgeschlossen sein wird.

Was raten Sie Ihrem Nachfolger oder Ihrer Nachfolgerin? Auch angesichts der Pandemie?

Das mit den Ratschlägen für die Nachfolgenden ist immer so eine Sache. Ich kann für sie nur hoffen, dass sie mit der Aufgabe genauso viel Freude habe, wie ich diese bisher haben durfte. Die Aufgabe in Basel gibt es seit 666 Jahren und er oder sie darf das Engagement von vielen früheren «Stadtärzten/innen» weitertragen.

Können Sie bei der Wahl zu Ihrer Nachfolge mitbestimmen?

Nein. Die Wahl der Nachfolge erfolgt durch den Departementsvorsteher und die Regierung.

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